Weltkriegs-Alarm aus Brüssel: Wie die NATO ihre Angstkampagne fährt
Es vergeht kaum eine Woche, in der die NATO-Führung nicht einen Krieg gegen Russland heraufbeschwören möchte. Generalsekretär Mark Rutte hält am üblichen Alarmismus fest, um der Rüstungsindustrie noch weitere Billionen zuzuschanzen.
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Michael SteinerRedaktion

Der neue NATO-Chef, frisch im Amt und schon voll im Modus des apokalyptischen Wanderpredigers, erklärte ohne jede Scham: „Wir sind Russlands nächstes Ziel.“ Damit knüpfte er nahtlos an die Rhetorik an, die seit Jahren wie ein schlecht gemachter Trailer für einen Kriegsfilm durch Europas Medien rotiert. Russland, so Rutte, stehe praktisch schon vor der Tür, und nur ein noch intensiveres Aufrüsten könne den kommenden Weltkrieg abwenden.
Die Panikformel, die Rutte in Berlin zelebrierte, lässt kaum Raum für Zweifel: "Der Konflikt steht vor unserer Tür. Russland hat den Krieg nach Europa zurückgebracht. Und wir müssen vorbereitet sein." Nun, dass es die NATO war, die beispielsweise völkerrechtswidrig Serbien und Montenegro zerbombte, um das Kosovo herauszulösen, spielt dabei keine Rolle. Ebenso wie die permanente Einmischung des Westens in die Innenpolitik der osteuropäischen Länder, mit orchestrierten Farbrevolutionen und Regime-Changes.
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Nach einigen weiteren Runden aus der Abteilung Endzeitpathos folgte der nächste rote Faden: Europa sei im "Friedensschlaf", unfähig, die Dramatik zu begreifen. "Zu viele fühlen die Dringlichkeit nicht", warnte Rutte. Auf gut deutsche heißt das: Die Bevölkerung muss endlich wieder Angst haben. Ohne permanente Panik fehlt offenbar der nötige politische Sauerstoff, um die nächsten Milliarden in das osteuropäische Schlachtfeld zu pumpen. Der neue NATO-Generalsekretär ruft also offen zu einem "Kriegszeiten-Denken" auf.
Zwischendurch versuchte Rutte, den moralischen Zeigefinger ein wenig zu polieren. Über Putin sagte er: "Er zahlt für seinen Stolz mit dem Blut seines eigenen Volkes." Dass die Ukraine inzwischen entvölkert wird, weil hunderttausende junge Männer zwangsrekrutiert und an die Fleischwölfe der Frontlinien geschickt werden, kommt in seinem Weltbild natürlich nicht vor. Es soll bis zum letzten Ukrainer gegen Russland gekämpft werden, damit die Europäer zwischenzeitlich ihre eigenen Truppen hochrüsten können.
Die Opfer auf ukrainischer Seite passen eben nicht in jenes Narrativ, mit dem die NATO ihre eigene Verantwortung wegzuretouchieren versucht. Und dass die westlichen Regierungen jeglichen Friedensplan, inklusive Trumps Vorschlag, rundweg ablehnen, weil man in Brüssel lieber an Donbass-Gebietsansprüchen festklammert, erwähnt Rutte ebenfalls nicht. Frieden ist offensichtlich nur dann erwünscht, wenn er maximal weit entfernt bleibt.
Kurios wurde es, als Rutte plötzlich China in die Rolle des zentralen Sündenbocks schob. "China ist Russlands Lebensader", verkündete er. Rund 80 Prozent der kritischen Elektronikbauteile russischer Drohnen kämen aus China, und deshalb sei Peking indirekt für tote Zivilisten verantwortlich. Ein bemerkenswertes Argument, wenn man bedenkt, dass westliche Rüstungsprojekte selbst vor chinesischen Komponenten nur so wimmeln. Aber man muss sich die Welt eben einfach halten, wenn man ein Publikum überzeugen will, das langsam auf Durchzug schaltet. Dass die NATO ohne chinesische Elektronik ebenfalls nicht einmal eine Feldküche betreiben könnte, gehört zu den Details, die man besser nicht erwähnt.
Während Rutte also den kommenden Weltkrieg heraufbeschwor, wächst in Europa etwas anderes: eine tiefsitzende Müdigkeit. Immer mehr Menschen erkennen, dass das Konstrukt der ständigen existenziellen Bedrohung vor allem einem Zweck dient – der politischen Kontrolle. Ein Kommentator brachte es treffend auf den Punkt: Die alten Machthaber "schaffen es, jungen Leuten die freie Rede zu verbieten, ihnen Eigentum unerschwinglich zu machen und sie gleichzeitig mit der Kriegstrommel anzuheizen, um wieder Wehrpflicht einzuführen." In diesem absurden Setting sind Rückzug, Verweigerung und Passivität keine Schwächen, sondern logische Überlebensstrategien.


