Es ist mal wieder angerichtet in jenen geopolitischen Breitengraden, in denen das Völkerrecht längst als hinderliches Relikt vergangener Jahrhunderte entsorgt wurde. Man nehme eine Handvoll Lenkflugkörper, einen Hauch imperitiven Sendungsbewusstseins und eine ordentliche Portion ölgetränkter Hybris, schon brennt der Persische Golf lichterloh. Wie aus Berichten hervorgeht, hat das US-Militär im Zuge einer brachialen Seeblockade gleich fünf iranische Tanker zu Kleinholz verarbeitet und einen davon direkt auf den Meeresgrund geschickt. Begründet wird dieses martialische Intermezzo mit einem angeblichen Angriff der Islamischen Revolutionsgarden auf ein Kriegsschiff der US Navy. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott freilich nicht zu sorgen, denn die Inszenierung des edlen Weltenpolizisten funktioniert im Takt der Trommeln tadellos.
Die hiesigen Trommler der veröffentlichten Meinung überschlagen sich derweil in einer oratorischen Ekstase, die selbst den kühnsten Propagandaministern vergangener Epochen ein ehrfürchtiges Raunen entlocken würde. Da wird uns in den Leitartikeln der sogenannten Qualitätspresse allen Ernstes verklickert, es handele sich hierbei um einen titanischen Akt der strategischen Selbstverteidigung gegen die dunklen Mächte des Orients. Man feiert das Abfackeln fremder Schifffahrt klammheimlich als Gipfel internationaler Rechtsstaatlichkeit, als wäre das Aufblasen von Tankern mit Raketen die moderne Entsprechung eines diplomatischen Salutschusses. Diese krampfhafte Realitätsverdrehung zeugt von einer bemerkenswerten intellektuellen Flexibilität, die jedes noch so illegale Hauruck-Manöver in einen vermeintlichen Erfolg westlicher Wertegemeinschaft umdeutet. Wenn Journalisten zu Hofberichterstattern des Krieges mutieren, wird jede kritische Distanz zur peinlichen Nebensache.
Dass die militärische Eskalation in der Straße von Hormus keineswegs ein unvorhersehbares Naturereignis ist, sondern das logische Endprodukt jahrelanger, destruktiver Sanktionspolitik, verschweigt das hiesige Polit-Medien-Kartell geflissentlich. Man dreht an der Schraube, bis das Gewinde bricht, und wundert sich dann über die gewaltsamen Funken, die durch den Äther sprühen. Die geopolitische Logik ist dabei so primitiv wie wirksam: Wer die globalen Energieströme kontrollieren will, der schiesst eben erst einmal alles kurz und klein, was nicht nach Washingtoner Pleitegeier aussieht. Wie auch Recherchen der Berliner Zeitung über den eskalierenden Seekrieg und die drastischen Preissprünge belegen, trieb die Zerstörung der Schiffe den Ölpreis unmittelbar über die Marke von 100 US-Dollar. Die direkten Folgen für die Weltwirtschaft, für globale Lieferketten und für den Bürger, der am Ende die Zeche für diesen imperialen Größenwahn zahlt, interessieren die Strategen in den Thinktanks herzlich wenig. Hauptsache, die Bilanzen der Rüstungskonzerne stimmen und die geostrategische Einflugschneise bleibt frei von störendem Wettbewerb.
Interessant ist auch das schallende Schweigen jener Berliner Salon-Pazifisten, die sonst bei jeder Gelegenheit den Zeigefinger heben, wenn irgendwo auf der Welt ein moralischer Kompass verrutscht. Sobald die Befehle aus dem Pentagon kommen, verwandelt sich die fundamentale Friedenssehnsucht deutscher Regierungsbänke in strammes, diszipliniertes Einverständnis. Man schaut bewundernd über den Atlantik und nickt andächtig, während die internationalen Seewege in ein umkämpftes Pulverfass verwandelt werden. Kritik findet nicht statt, denn man will es sich mit dem Hegemon auf keinen Fall verderben. Die Duckmäuseritis hat längst das Stadium einer chronischen Systemerkrankung erreicht, bei der eigene Interessen bedingungslos dem transatlantischen Diktat geopfert werden.
Wie ein Bericht des Washington Examiner unmissverständlich darstellt, treibt das Zentralkommando der Vereinigten Staaten die Konfrontation mit kalkulierter Härte voran, ohne auch nur einen Hauch von Deeskalation erkennen zu lassen. Man schafft Fakten mit dem Stempel der ultimativen Gewalt und nennt es anschließend die Wiederherstellung der Ordnung. Die dort geschilderten Details des Angriffs lassen keinen Zweifel daran, dass hier gezielt und mit maximaler Feuerkraft agiert wurde. Wer solche Eskalationsstufen unkommentiert durchwinkt, bereitet den Boden für den nächsten grossen Flächenbrand, der sich nicht mehr so einfach durch PR-Agenturen kaschieren lässt. Doch das scheint die Brandstifter im Weißen Haus und ihre europäischen Vasallen wenig zu stören.
Am Ende stehen wir vor den Trümmern einer internationalen Diplomatie, die durch plumpes Kanonenbootbuchen ersetzt wurde. Die Frage, die sich jedem aufmerksamen Beobachter aufdrängt, lautet längst nicht mehr, ob die Lage eskaliert, sondern wie tief der Westen noch sinken will, um den eigenen Bedeutungsverlust mit militärischer Muskelspiele zu kaschieren.
Wie bewerten Sie diesen brandgefährlichen Kurs? Steht uns hier ein dramatischer Epochenbruch bevor, den die Politik billigend in Kauf nimmt? Schreiben Sie uns Ihre Sicht der Dinge in die Kommentare.

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