Es gibt Momente in der deutschen Politik, da möchte man den Fernseher mitsamt der Wohnzimmerwand nach draußen auf die Straße werfen, nur um dem ohrenbetäubenden Strom aus hohlen Phrasen zu entkommen. Wenn die Chronisten des Berliner Politikbetriebs nach bitteren Wahlniederlagen und dem schleichenden Verfall ihrer eigenen Machtbastionen vor die Mikrofone treten, klingt das stets wie die Durchsage eines kaputten Navigationssystems, das stur in den Abgrund leitet, während die Insassen noch applaudieren. Man redet von 'Demut', von 'Aufarbeitung' und davon, dass man 'die Sorgen der Bürger verstanden' habe – drei Vokabeln, die in ihrer inflationären Verwendung längst zu Chiffren für absolute Ratlosigkeit verkommen sind. Wer den entsprechenden Analyse-Kommentar bei N-TV studiert, begreift schnell, dass hier keine Politiker mehr sprechen, sondern wandelnde PR-Algorithmen, die ihre eigene Beerdigung mit bunten Luftballons aufhübschen wollen.
Es ist diese atemberaubende Mischung aus Realitätsverweigerung und therapeutischem Selbstbetrug, die den Zustand der Berliner Republik so unerträglich unterhaltsam und zugleich erschreckend macht. Da wird ein historisches Debakel an der Wahlurne schlichtweg wegdefiniert, als handele es sich um einen unglücklichen Betriebsunfall beim Wetterdienst. Man setzt sich in Talkshows, setzt das verbindlichste Hundeblick-Lächeln auf und doziert über 'demokratische Resilienz', während draußen auf den Straßen und in den verarmten Provinzen das Vertrauen in die Institutionen längst auf dem Niveau von Schrottanleihen gehandelt wird. Doch statt Ursachenforschung zu betreiben, flüchtet man sich in die ewige Endlosschleife des politisch Korrekten. Jeder Satz ist ein Meisterwerk der semantischen Brandstiftung, garniert mit dem moralischen Zeigefinger, der so lange erhoben wird, bis der letzte Wähler entnervt das Weite sucht.
Natürlich darf in diesem Tollhaus auch die sogenannte Qualitätspresse nicht fehlen, die sich heroisch vor die Trümmerhaufen der etablierten Parteien wirft. Mit der Akribie mittelalterlicher Ablasshändler versuchen diese Blätter krampfhaft, das Offensichtliche als gigantischen Erfolg des pluralistischen Diskurses zu verkaufen. Da wird uns in seitenlangen Leitartikeln erklärt, dass das schwindende Vertrauen der Bevölkerung eigentlich nur ein Zeichen von 'wachsender politischer Reife' sei und die Bürger lediglich 'komplexe Transformationsprozesse' missverstanden hätten. Es ist eine journalistische Glanzleistung der kognitiven Dissonanz: Wenn der Patient auf der Intensivstation stirbt, feiert der Chefarzt dies im Infoblatt als Beweis dafür, dass der Körper zumindest tapfer versucht hat, den Sauerstoff zu verweigern. Man biegt sich die Welt so lange zurecht, bis die Realität gefälligst ins parteidoktrinäre Weltbild passt.
Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man hört, wie dieselben Protagonisten, die das Land mit sicherem Instinkt an die Wand gefahren haben, nun von 'neuen Aufbrüchen' faseln. Es ist wie ein Kapitän, der das Schiff sehenden Auges auf einen Eisberg steuert, während er die Kapelle bittet, noch ein fröhliches Abschiedslied anzustimmen. Die Bürger werden derweil mit Worthülsen abgespeist, die so dünn sind, dass man durch sie hindurch bis ins nächste Jahrhundert blicken kann. Keine Vergangenheitsbewältigung, kein ehrliches Eingeständnis von Fehlern, stattdessen das ständige Beschwören einer Brandmauer-Mythologie, die längst zur mentalen Festungshaft geworden ist. Man igelt sich ein hinter meterhohen Bergen aus Selbstgerechtigkeit und schaut mit unverhohlener Verachtung auf all jene herab, die es wagen, nach echten Antworten zu fragen.
Das Traurige an diesem Trauerspiel ist nicht einmal die Inkompetenz der Akteure – Inkompetenz ist in der Politik ja gewissermaßen ein Grundrecht. Das wirklich Erschütternde ist die absolute Beratungsresistenz, gepaart mit einer Hybris, die ihresgleichen sucht. Da werden Wahlergebnisse, die wie Faustschläge ins Gesicht der Etablierten wirken, mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen, um am nächsten Tag exakt so weiterzuwurschteln wie zuvor. Man tauscht ein paar Sprechblasen aus, dekoriert die Parteizentralen neu und tut so, als sei nichts geschehen. Es ist das politische Äquivalent zum Pfeifen im Walde, während ringsherum die Bäume brennen und der Boden unter den Füßen wegsackt.
Wie lange wollen wir diesem Schauspiel eigentlich noch zusehen, in dem die Darsteller auf offener Bühne den Verstand verlieren, während das Publikum längst das Theater verlassen hat? Steht uns hier nicht ein so gewaltiger Epochenbruch bevor, dass all diese hohlen Floskeln wie morsches Laub im Sturm verwehen werden?
Schreiben Sie uns Ihre ungefilterte Sicht der Dinge in die Kommentare und lassen Sie uns wissen, ob Sie den Eindruck haben, dass diese Republik noch zu retten ist oder ob wir nur noch die letzten Akte einer langen Farce erleben.

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