Wir befinden uns in einer Ära, in der das, was früher einmal das Fundament einer liberalen Demokratie war – der streitbare und offene Austausch von Argumenten – konsequent durch ein starres System der staatlich sanktionierten Gesinnungskontrolle ersetzt wurde. Der Fall von Ben Berndt und seinem Podcast „Ungeskriptet“ ist kein isolierter Vorfall; es ist die Blaupause für die geplante Auslöschung jeglicher unabhängiger Gegenöffentlichkeit. Wenn ein Journalist (auch wenn er es nicht sein will: er ist ein Journalist) ein Gespräch mit einem Politiker führt, das nicht in das Korsett der politisch erwünschten Empörung passt, dann reagiert das System nicht mit Gegenargumenten, sondern mit der totalen bürokratischen Vernichtung. Es ist eine offene Kriegserklärung gegen die Freiheit des Geistes, orchestriert von Institutionen, die angetreten waren, um diese Vielfalt zu schützen, aber längst zu deren Henkern geworden sind.

Die Sorgfaltspflicht als Waffe der Disziplinierung

Die NachDenkSeiten haben mit ihrer fundierten Analyse die offene Wunde eines journalistischen Systems freigelegt, das sich hinter dem wohlklingenden Begriff der „Sorgfaltspflicht“ versteckt. Was dort als professionelle Aufsicht verkauft wird, ist in Wahrheit nichts anderes als eine autoritäre Disziplinierung von Podcastern, die den Fehler begingen, einen Björn Höcke als Partner in einem Interview zu behandeln statt als Zielscheibe. Journalisten und Podcaster sollen nicht mehr informieren, sie sollen erziehen. Die „Sorgfalt“ besteht laut der Interpretation der Medienanstalten vor allem darin, den politischen Gegner als unantastbares Feindbild zu markieren und jede menschliche Regung im Gespräch zu unterbinden. Man verweigert dem Bürger die Information und dem Politiker die Bühne, weil man Angst hat, der Zuschauer könnte sich ein eigenes Bild machen, das nicht mit der transatlantischen Agenda übereinstimmt.

Es ist eine beispiellose Perversion des journalistischen Ethos: Die „Sorgfaltspflicht“ dient hier nicht mehr dem Schutz der Wahrheit, sondern dem Schutz des Konsenses. Wenn die sogenannten Qualitätsmedien die Intervention der Medienbehörde gegen den Podcast geradezu bejubeln, offenbart das den völlig verkommenen Zustand der gesamten meinungsbildenden Medienlandschaft. Sie agieren nicht länger als vierte Gewalt, die die Machthabenden kritisch beobachtet, sondern als Außenposten eines ideologischen Wächters, der das Internet von abweichenden Stimmen säubern will. Es ist ein jämmerliches Schauspiel reinen, präventiven Gehorsams und Denunziation, in dem Journalisten ihre eigenen Kollegen beschämen, nur um dem System zu signalisieren, dass sie immer noch gehorsam zu den „Guten“ gehören. Jeder, der in einem Interview nicht den inquisitorischen Ankläger spielt, wird von dieser Meinungsclique sofort in seiner Legitimität als PR-Fachmann infrage gestellt und an den Pranger gestellt.

Bürokratischer Terror gegen die Gegenöffentlichkeit

Die Schärfe, mit der die Medienaufsicht NRW gegen Ben Berndt vorgeht, ist ein Lehrstück über moderne Repression. Wie die Berliner Zeitung in einer akribischen Auswertung der „72 Antworten“ dokumentiert, geht es hier längst nicht mehr um inhaltliche Korrekturen. Es ist ein bürokratischer Zermürbungskrieg. Man schickt nicht mehr Schlägertrupps los, sondern Anwalts- und Beamtenheere, die das Leben des Podcasters mit Auskunftspflichten und Drohungen überziehen, bis er entweder aufgibt oder finanziell ruiniert ist. Es ist staatlich verordnetes Mobbing im Namen der Demokratie. Dass man hier Ressourcen verschwendet, um ein einziges privates Podcast-Gespräch bis ins kleinste Detail zu sezieren, während die echten Probleme des Landes – die marode Infrastruktur, der wirtschaftliche Abstieg, die ungebremste Kriegseskalation – ignoriert werden, spricht Bände über die Prioritäten dieses Staates.

Hinter diesem Vorgehen verbirgt sich die tiefe Angst der herrschenden Klasse vor dem Kontrollverlust im digitalen Raum. Podcaster wie Berndt, die ihre eigene Reichweite aufbauen und sich nicht von den staatlichen Rundfunkbeiträgen bezahlen lassen, entziehen sich der Steuerung durch die transatlantischen Eliten. Sie bieten Alternativen, die nicht aus der Zentrale in Berlin oder Washington kommen. Und genau deshalb müssen sie zerstört werden. Das Medien-Establishment fungiert hier als ideologischer Brandbeschleuniger und liefert die Munition für diesen Angriff, indem es die "Verletzung der Sorgfaltspflicht" zum Mantra erhebt, um die mediale Vorverurteilung zu legitimieren. Man konstruiert Standards, die einzig dazu dienen, die Aufrechten im Diskurs systematisch zu diffamieren und mundtot zu machen.

Der Kampf um die Deutungshoheit als Überlebensfrage

Wir müssen begreifen, dass dieser Angriff auf den Podcast „Ungeskriptet“ weit über den Einzelfall hinausgeht. Es ist der Kampf um die Deutungshoheit über die Realität. Wer das Medium kontrolliert, der kontrolliert die Wahrnehmung der Krise. Und weil die aktuelle Regierungspolitik in eine ökonomische und geopolitische Sackgasse manövriert hat, ist man auf mediale Disziplinierung angewiesen. Jede Abweichung vom Narrativ – sei es zur Ukraine-Politik, zum Heizungsgesetz oder zur Migrationsfrage – muss unterdrückt werden. Das Interview mit Höcke ist in diesem Kontext nur der Vorwand. Das wahre Ziel ist die Etablierung eines digitalen Veto-Rechts für staatliche Behörden, die künftig entscheiden, welches Gespräch „zulässig“ und welches „schädlich“ ist.

Wenn Berndt fällt, fallen andere. Die „Ungeskriptet“-Inquisition ist das Signal an alle alternativen Medienmacher: Wer sich nicht unterwirft, wer nicht delegitimiert, wer nicht stempelt, der darf nicht senden. Dieses Verhalten der Medienwächter ist das endgültige Eingeständnis ihres Scheiterns. Nur wer schwach ist und keine Argumente mehr hat, greift zur Zensur. Unser Journalismus ist nicht ungeskriptet, er ist unzensiert – und das ist der einzige Zustand, dessen sich ein freier Mensch in der heutigen Zeit sicher sein kann.