Während Israel und der Iran am Rande eines Abgrunds taumeln, der die gesamte Region in Brand zu setzen droht, erklärt sich das Königreich kurzerhand für neutral. Ein kluger Schachzug oder bloß ein verzweifelter Versuch, den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen? Die Saudis, einst Erzfeinde Teherans und heimliche Verbündete Israels, haben offenbar erkannt, dass sie in diesem Konflikt nur verlieren können. Zu frisch ist noch die Erinnerung an die verheerenden Drohnenangriffe auf ihre Ölanlagen in Abqaiq und Khurais 2019. Ein Déjà-vu dieser Ereignisse wäre für die saudische Wirtschaft fatal. So bemüht sich Riad nun eifrig darum, dem Iran zu versichern, dass man keineswegs im Lager der Israelis stehe. Der saudische Außenminister Faisal bin Farhan beteuerte bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten in Doha, man wolle "das Kapitel der Differenzen endgültig schließen". Schöne Worte, doch wie viel sind sie wert in einer Region, in der Verträge oft nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen? Interessanterweise scheinen die Saudis mit ihrer Haltung nicht allein zu sein. Auch die anderen Golfstaaten geben sich betont neutral, wohl wissend, dass sie im Falle einer Eskalation schnell zwischen die Fronten geraten könnten. Es ist ein faszinierendes Schauspiel zu beobachten, wie ehemalige Erzfeinde plötzlich zu "Brüdern" werden, wenn die gemeinsame Bedrohung groß genug ist. Doch während die Diplomaten eifrig Hände schütteln und Freundschaftsbekundungen austauschen, brodelt es unter der Oberfläche. Israel soll angeblich Angriffe auf iranische Öl- und Gasfelder erwägen - ein Szenario, das die Ölmärkte in helle Aufregung versetzt. Die Saudis dürften diese Entwicklung mit Argusaugen beobachten, wissen sie doch nur zu gut, wie schnell der Funke überspringen kann. In diesem komplexen Geflecht aus Allianzen, Feindschaften und wirtschaftlichen Interessen versucht Saudi-Arabien, sich irgendwie durchzulavieren. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: In der explosiven Gemengelage des Nahen Ostens kann schon ein falscher Schritt genügen, um eine Kettenreaktion auszulösen, deren Folgen unabsehbar wären.