Polens Doppelspiel: Opferrolle in Berlin, aber deutsche Gebiete behalten
Während Präsident Nawrocki in Berlin neue Billionenforderungen stellt, ignoriert er, dass Polen längst deutsche Ostgebiete im Wert einer ganzen Reparationsrechnung besitzt.
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Gernot HaubnerRedaktion

Wenn der polnische Präsident Karol Nawrocki in Berlin bei Kanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorstellig wird, dann tut er das nicht als Bittsteller, sondern als moralischer Oberlehrer. Mit gewohnt großem Pathos will er Deutschland erneut Reparationen für den Zweiten Weltkrieg abpressen – diesmal in Höhe von 1,3 Billionen Euro. Währenddessen wird in Warschau geflissentlich verdrängt, dass Polen längst riesige Teile Ostdeutschlands kassiert hat. Schlesien, Pommern und Ostpreußen – Regionen voller fruchtbarer Böden, wertvoller Industrieanlagen und traditionsreicher Städte – sind seit 1945 polnisch. Und dieser Besitz ist um ein Vielfaches wertvoller als die Summen, die man nun von Berlin verlangt.
Rechnen wir nüchtern: Die Ostgebiete, die Polen nach 1945 erhielt, umfassen rund 112.000 Quadratkilometer. Das sind 112 Milliarden Quadratmeter. Setzt man jeden Quadratmeter geradezu spottbillig mit 10 Euro an, landet man bei 1,12 Billionen Euro – also fast exakt dem Betrag, den Nawrocki nun in Berlin erneut einfordert. Und das, wohlgemerkt, nachdem Polen diese Landstriche nicht als Leihgabe, sondern dauerhaft als „Kriegsentschädigung“ behalten durfte. Wer also heute in Berlin mit ernster Miene von „historischer Gerechtigkeit“ spricht, verschweigt, dass man bereits seit Jahrzehnten auf einem deutschen Billionenschatz sitzt.
Doch anstatt die historische Bilanz ehrlich zu betrachten, setzt Nawrocki auf die alte PiS-Strategie: sich selbst als ewiges Opfer zu inszenieren, während man gleichzeitig die Rolle des moralischen Richters einnimmt. Für Deutschland bedeutet das eine doppelte Demütigung. Erst hat man Millionen Deutsche aus ihrer Heimat vertrieben, Städte wie Breslau, Stettin und Danzig umbenannt und die industrielle Substanz übernommen – und jetzt soll Berlin noch einmal blechen. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist politische Dreistigkeit in Reinkultur.
Umso grotesker wirkt es, dass dieser Auftritt mitten in einer Phase stattfindet, in der die EU-Staaten angeblich „geschlossen“ für Frieden und Stabilität arbeiten wollen. Während die Brüsseler Eliten von „Einheit“ fabulieren, trägt Nawrocki die alte Rechnerei nach Berlin und treibt damit einen weiteren Keil in die ohnehin angespannten deutsch-polnischen Beziehungen. Von ernsthafter Partnerschaft ist da keine Spur – stattdessen nutzt der polnische Präsident seinen Berlin-Besuch, um sich als nationalistischer Boxer in Szene zu setzen, der lieber alte Wunden aufreißt, als konstruktive Politik zu betreiben.
Die bittere Wahrheit ist: Setzte man die polnischen Reparationsträume ins Verhältnis zu den längst einkassierten deutschen Ostgebieten, wäre die Forderung sofort erledigt. Aber an dieser Rechnung haben weder Warschau noch die deutsche Politklasse Interesse. Merz und Steinmeier werden sich höflich geben, vielleicht ein paar warme Worte über die „besondere Verantwortung Deutschlands“ verlieren – und doch schweigen zu den Realitäten. So entsteht wieder einmal der Eindruck, dass Deutschland sich lieber beschimpfen lässt, als Klartext zu reden.
Und genau das ist der eigentliche Skandal dieses Besuchs: Während Polen auf deutschem Land im Wert von Billionen sitzt, fordert es frech noch mehr Geld. Wer das als „historische Gerechtigkeit“ verkauft, der spielt mit gezinkten Karten – und Berlin schaut zu. Denn die Ostdeutschland-Karte will da ganz offensichtlich niemand ausspielen. Wie wäre es, wenn man seitens Berlins doch einfach mal vorschlägt, die geforderten Reparationen zu bezahlen, dafür jedoch die ostdeutschen Gebiete (natürlich aufgeräumt) zurück zu bekommen?


