Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine haben die amerikanischen Vorräte an Raketenabwehrsystemen auf ein historisches Tief gedrückt. Nach aktuellen Berichten verfügt das Pentagon nur noch über ein Viertel der benötigten Patriot-Raketen – ein alarmierender Engpass, der bereits zu einem Stopp weiterer Waffenlieferungen an die Ukraine geführt hat.

Die Produktion der begehrten Abfangraketen kann mit dem Verbrauch nicht Schritt halten. US-Rüstungsfirmen sind derzeit in der Lage, jährlich lediglich rund 500 Patriot-Raketen herzustellen. Allein im vergangenen Monat wurden Dutzende dieser Raketen eingesetzt, um Israel gegen iranische Vergeltungsschläge zu schützen. Auch beim bislang größten Einsatz der Patriot-Systeme zur Abwehr eines symbolischen iranischen Angriffs auf einen US-Stützpunkt in Katar wurden erhebliche Bestände verbraucht.

Die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland hat die amerikanischen und westlichen Vorräte an Luft- und Raketenabwehrsystemen weiter ausgedünnt. Inzwischen herrscht in den USA und Europa ein akuter Mangel an modernen Abfangsystemen. Im Mai räumte US-Außenminister und Sicherheitsberater Marco Rubio vor dem Kongress ein, dass die Ukraine dringend nach weiteren Patriot-Systemen gefragt habe – doch die USA könnten schlicht nicht liefern. Die Produktion könne mit dem enormen Verbrauch nicht mithalten, so Rubio. Die Munition werde schneller verbraucht, als sie nachproduziert werden könne.

Unklare Signale aus Washington

Ob Präsident Trump die Entscheidung des Pentagons, weitere Waffenlieferungen an die Ukraine – darunter auch Patriot-Raketen – zu stoppen, tatsächlich rückgängig gemacht hat, bleibt unklar. Bei einem Treffen mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte Trump zwar an, „weitere Waffen“ an die Ukraine schicken zu wollen. Doch konkrete Zusagen blieben bislang aus. Die Unsicherheit über die künftige US-Unterstützung sorgt in Kiew und bei den NATO-Partnern für Unruhe.

Patriot-Systeme gelten als Rückgrat der ukrainischen Luftverteidigung. Doch Russland hat inzwischen Raketen entwickelt, die gezielt auf die Schwächen der Patriot-Abwehr abzielen und diese mit wachsender Effektivität umgehen. Die Folge: Die ohnehin knappen westlichen Abwehrsysteme werden noch schneller aufgebraucht, während die Bedrohung durch russische Angriffe weiter steigt.

Die aktuelle Lage offenbart eine strategische Schwäche der westlichen Militärallianzen. Während die USA und ihre Verbündeten weiterhin Waffen in Krisengebiete liefern, geraten die eigenen Verteidigungsfähigkeiten zunehmend unter Druck. Die Frage, wie lange die USA und Europa noch in der Lage sein werden, die Ukraine und Israel zu unterstützen, ohne die eigene Sicherheit zu gefährden, bleibt offen. Klar ist: Ohne eine massive Ausweitung der Produktion droht dem Westen ein gefährlicher Munitionsengpass – mit weitreichenden sicherheitspolitischen Folgen.