Wenn ein Staat vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, dann ist es jener, der sich seit Jahrzehnten an einem nahezu unerschöpflichen amerikanischen Geldbrunnen labt. Israel will jetzt nicht weniger als ein neues 20-Jahres-Finanzierungsabkommen mit Washington durchboxen. Ein Deal, doppelt so lang wie die bisherigen Vereinbarungen. Ein Arrangement, das – welch Ironie – sogar mit „America First“-Rhetorik verziert wird, um Trump und seine Berater milde zu stimmen. Der Witz daran: Es sind ausgerechnet die Milliarden der amerikanischen Steuerzahler, die diesen „America First“-Mantel finanzieren sollen.
Axios berichtet über ein israelisches „Out-of-the-box“-Konzept. Bei näherer Betrachtung handelt es sich aber um das altbekannte Modell: Israel definiert seine strategischen Bedürfnisse, die USA zahlen, und am Ende wird das Ganze als bilaterale Partnerschaft verkauft. Rund vier Milliarden Dollar jährlich sind längst Routine. Die Zusatzpakete unter Biden im Gaza-Krieg machten das Gesamtvolumen noch grotesker. Und genau diese Selbstverständlichkeit wird inzwischen immer stärker hinterfragt. Nicht in linken Universitätszirkeln – dort ohnehin – sondern mitten in der republikanischen Basis.
https://twitter.com/RepMTG/status/1953564339241463887Der von Trump vermittelte Waffenstillstand in Gaza hat etwas verändert. Nicht in Jerusalem, wo Netanyahu jede Form amerikanischen Drucks grundsätzlich als Zumutung empfindet, sondern in den USA, wo die Geduld der Konservativen bröckelt. Was jahrzehntelang als unantastbar galt, wirkt plötzlich wie eine toxische Relikt-Beziehung: Washington zahlt, Israel tut, was es will, und jeder, der das kritisiert, wird reflexartig als Feind Israels verunglimpft. Nur funktioniert diese Methode heute nicht mehr so zuverlässig. Vor allem nicht bei jenen, die Trump 2024 eine zweite Amtszeit ermöglichten.
Die kommende Generation junger konservativer Amerikaner hat nämlich keine Lust mehr, ihr Steuergeld in einem endlosen Konflikt zu verbrennen, dessen politische Kosten Washington am Ende alleine trägt. Tucker Carlson, Marjorie Taylor Greene, Thomas Massie – und selbst der notorisch provokante Nick Fuentes – erreichen online ein Millionenpublikum, das völlig zu Recht fragt: Warum sollen amerikanische Bomben mit amerikanischem Geld Dörfer in Gaza einebnen? Warum soll „America First“ plötzlich heißen, dass man der de facto reichsten Militärmacht der Region jahrzehntelang Blankoschecks ausstellt?
Die Gegenseite reagiert darauf mit PR-Kosmetik. Israel möchte das nächste Hilfspaket sprachlich so einfärben, dass es Trump und sein Umfeld als patriotisches Projekt verkaufen kann. Man will „Kooperation“ betonen, soll heißen: Der US-Beitrag wird rhetorisch als Investition in gemeinsame Sicherheit neu verpackt. Am eigentlichen Kern ändert das nichts. Unterm Strich bleibt es ein gigantisches Militärförderprogramm – nicht für die Vereinigten Staaten, sondern für Israel.
Dass das bisherige Memorandum of Understanding aus Obama-Zeiten 2028 ausläuft, spielt Jerusalem in die Hände. Man will den Nachfolge-Deal zügig und längerfristig fixieren – möglichst bevor die republikanische Basis ihren Unmut in tatsächlichen Kongresswiderstand verwandelt. Denn genau das beginnt sich abzuzeichnen: ein wachsender Flügel, der Washingtons endlose außenpolitische Verpflichtungen zurückschrauben will, bevor das Land endgültig an eigener Überdehnung kollabiert.
Man kann all das auch nüchtern formulieren: Der geopolitische Kredit, von dem Israel jahrzehntelang lebte, verliert an Bonität. Immer mehr Republikaner haben schlicht genug davon, dass die USA die politischen und sicherheitspolitischen Risiken tragen, während Israel den moralischen Zeigefinger hebt, sobald jemand auf die Rechnung schaut. Die Versuche, das neue Abkommen im Glanz amerikanischer Selbstbehauptung zu präsentieren, muten deshalb fast rührend an: Als würde eine Werbeagentur versuchen, ein Dauerabo für einen teuren Streamingdienst als patriotische Pflicht zu verkaufen.
Wenn Israel wirklich glaubt, dass sich seine Interessen im Windschatten der MAGA-Bewegung sichern lassen, könnte es sich gewaltig irren. Denn die Grundfrage wird bleiben, egal wie viele „America First“-Sticker man auf das Paket klebt: Warum soll Amerika jahrzehntelang Milliarden ins Ausland pumpen, während das eigene Land an Infrastruktur, Grenzen und sozialem Zusammenhalt zerfällt? Die alte Antwort – weil es eben Tradition hat – wirkt heute wie ein Hohn. Und das wissen sie in Jerusalem ganz genau.



