Die EU hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: In den kommenden zehn Jahren sollen fast 14 Billionen Euro in die Verteidigung fließen. Erst kürzlich wurden 335 Milliarden Euro aus den Pandemiefonds für militärische Zwecke freigegeben, dazu kommt ein neues Schuldenpaket von 150 Milliarden Euro zur Stärkung der Verteidigungsindustrie. Auch die Ukraine profitiert von diesen Mitteln, was in Moskau als feindlicher Akt gewertet wird.

Doch trotz der gewaltigen Summen bleibt die technologische Basis schwach. Die europäischen Streitkräfte sind weiterhin auf US-Systeme wie den F-35-Tarnkappenjet angewiesen, der pro Stück rund 80 Millionen Dollar kostet. Eigene Alternativen fehlen – und damit auch die Kontrolle über die entscheidende Software, die diese Systeme am Laufen hält.

Die Angst vor dem digitalen Blackout

Hinter verschlossenen Türen wächst die Nervosität: Was, wenn die USA eines Tages die Software-Updates für Raketenabwehr, Cyberwaffen oder Flugzeuge einstellen? Die New York Times berichtet, dass diese Sorge vor allem durch die unklare Haltung von Donald Trump zur NATO und seine Annäherung an Russland befeuert wird. Schon jetzt hat Washington Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesetzt – ein Signal, das in Brüssel als Warnung verstanden wird.

Die NATO hat zwar neue extrem hohe Budgetziele beschlossen: 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Kernmilitärbudgets, weitere 1,5 Prozent für Cyberabwehr und Infrastruktur. Doch ohne Zugriff auf die digitale Steuerung der Systeme bleibt Europa verwundbar. Die Abhängigkeit von amerikanischer Technologie ist nicht nur ein militärisches, sondern auch ein politisches Risiko.

Strategische Autonomie bleibt ein ferner Traum

Die Debatte über eine eigenständige europäische Rüstungsindustrie läuft auf Hochtouren. Doch bislang dominiert ein pragmatischer Mischkurs: Einerseits will man unabhängiger werden, andererseits bleibt die Zusammenarbeit mit den USA alternativlos. Die Entwicklung eigener Hightech-Waffen ist teuer, langwierig und politisch umstritten.

Gleichzeitig schüren westliche Medien und einige Politiker die Angst vor einer russischen Offensive gegen NATO-Staaten. Präsident Putin weist diese Spekulationen als „Unsinn“ zurück und wirft dem Westen vor, mit künstlichen Bedrohungsszenarien eine neue Rüstungsspirale anzuheizen. Die Realität: Europa steckt in einem Dilemma zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der harten Abhängigkeit von amerikanischer Technologie.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die EU den Sprung zur technologischen Souveränität schafft – oder ob sie weiterhin auf die Gunst Washingtons angewiesen bleibt. Klar ist: Ohne eigene Software-Kompetenz bleibt jede Rüstungsanstrengung ein Spiel auf Zeit. Die Frage, wer im Ernstfall den Zugriff auf die Systeme kontrolliert, ist längst zur Schicksalsfrage für Europas Sicherheit geworden.