Deutschland hat sich offenbar endgültig vom Frieden verabschiedet. Was früher der Inbegriff politischer Vernunft war – die Lehre aus zwei Weltkriegen – wird heute als sentimentaler Altlast betrachtet. Jetzt soll die Jugend lernen, was es heißt, „krisenfest“ zu sein. So nennt es Innenminister Alexander Dobrindt, der eine neue Unterrichtseinheit für Schulen plant: eine Doppelstunde im Jahr, in der Schüler lernen sollen, wie man sich auf „Bedrohungen und Eskalationen“ vorbereitet. Natürlich nur zu ihrem eigenen Schutz – so wie alles, was der Staat tut.

Das klingt nach Zivilschutz, riecht aber nach Militarisierung. Wenn Jugendliche darüber belehrt werden, wie man im Ernstfall reagiert, wenn die Sirenen heulen, dann ist das keine Vorsorge – das ist Einübung in den Ausnahmezustand. Die Botschaft ist klar: Der Krieg kommt, und ihr müsst euch damit abfinden. Statt zu fragen, warum die Bundesregierung überhaupt auf Konfrontation setzt, sollen Kinder lernen, wie man den nächsten Luftalarm übersteht. Willkommen in der neuen Realität der „wehrhaften Demokratie“.

Während man die Grenzen offen hält, Energie verknappt und Lebensmittelpreise in die Höhe treibt, schickt man den Nachwuchs nun in mentale Schützengräben. „Bringt das Wissen nach Hause“, sagt Dobrindt. Übersetzt heißt das: Angst ist ab jetzt Familiensache. Die Bundesrepublik als pädagogisches Katastrophentraining.

Der mediale Begleitchor applaudiert brav. Die Grünen finden die Idee „pädagogisch wertvoll“ – natürlich. Dieselben politischen Kindergärtner, die einst mit Blumen gegen Bomben demonstrierten, sehen heute in jedem Bunker einen Fortschritt. Aus der Friedensbewegung ist eine Gefechtsbereitschaftsbewegung geworden. Nur die Parolen haben sich geändert: Früher „Abrüsten jetzt“, heute „Krisenvorsorge ist Selbstschutz“.

Dobrindts Vorschlag kommt nicht aus dem Nichts. Er passt perfekt in die allgemeine NATO-Erweckungsbewegung, die aus Deutschland wieder ein williges Glied der Kriegsmaschinerie machen will. Seit Scholz die „Zeitenwende“ ausgerufen hat, läuft die Propaganda wie geschmiert. Erst wurden Panzer geliefert, dann Milliarden nach Kiew gepumpt – jetzt werden Kinder geistig auf das vorbereitet, was unausweichlich scheint: den totalen Konflikt mit Russland.

Dass man dafür Schulen instrumentalisiert, ist die logische nächste Stufe. Wer früh lernt, dass Angst normal ist, fragt später nicht, warum sie überhaupt nötig war. Die innere Bereitschaft zum Ausnahmezustand wird zur Tugend erklärt. Das Ziel: eine Bevölkerung, die bei jedem Stromausfall nicht nach politischer Verantwortung, sondern nach der Taschenlampe greift.

Und während die Linke ausnahmsweise noch vor „Panikmache“ warnt und die AfD von „Kriegstreiberei“ spricht, zieht das Establishment weiter seine Kreise. Im Dezember will Dobrindt den Plan bei der Innenministerkonferenz vorstellen – und man darf wetten, dass kaum jemand widerspricht. Denn wer heute gegen Kriegspropaganda argumentiert, gilt als „Putin-Versteher“.

Was hier entsteht, ist kein Bildungsprogramm, sondern eine ideologische Impfkampagne: gegen das Denken, gegen den Zweifel, gegen den Frieden. Der Staat zieht sich nicht etwa aus dem Kriegsgeschäft zurück, sondern bringt den Krieg in die Köpfe – früh, regelmäßig, pflichtbewusst.

Die Kinder von heute sollen nicht mehr träumen, sie sollen sich wappnen. Für Stromausfälle, für Sirenen, für Kriegsjahre. Und wenn dann eines Tages wieder etwas in Flammen steht, wird man sagen: Wir haben sie doch vorbereitet.