Donald Trump ist wieder im Nahen Osten aktiv – und diesmal geht es um nichts Geringeres als eine internationale „Stabilisierungsmission“ in Gaza. Hinter den Kulissen läuft bereits das übliche geopolitische Schmierentheater: Ägypten fordert amerikanische Truppen auf palästinensischem Boden, die USA wollen angeblich „Frieden sichern“, und Israel soll irgendwann einmal „freiwillig“ abziehen. Es klingt nach einem jener Washingtoner Friedenspläne, die stets mit hehren Worten beginnen – und mit verbrannter Erde enden.
Denn was hier als Friedensprojekt verkauft wird, ist in Wahrheit ein gefährliches Spiel mit der Eskalation. Laut Middle East Eye sollen US-Soldaten Teil einer internationalen Friedenstruppe werden, die in Gaza stationiert wird, sobald Israel seine Truppen – theoretisch – zurückzieht. Die Truppe soll nach dem Vorbild der Multinational Force and Observers (MFO) in der Sinai-Halbinsel funktionieren, die seit 1982 als Puffer zwischen Israel und Ägypten dient. Damals versprach man Stabilität, heute gilt der Sinai als Schleusentor für Schmuggel, Terror und Spionage.
Trump will nun also ein ähnliches Modell nach Gaza exportieren. Eine „Internationale Stabilisierungstruppe“, bestehend aus arabischen und muslimischen Staaten, soll die Region sichern, während die USA als Rückgrat und Kontrolleinheit agieren. Ägypten wäre dabei der Hauptakteur – und fordert nun amerikanische Soldaten als „Garantie“ für den Plan. Eine skurrile Vorstellung: Washington soll Gaza befrieden, nachdem es zuvor jahrzehntelang Israels Kriegsführung politisch und militärisch gestützt hat.
Dass die Ägypter US-Truppen im Land sehen wollen, hat mit Vertrauen wenig zu tun, sondern mit Kalkül. Kairo weiß: Ohne amerikanische Stiefel auf dem Boden bleibt jeder Friedensplan eine Illusion. US-Soldaten vor Ort bedeuten eine faktische Sicherheitsgarantie – für Ägypten ebenso wie für Israel. Sie machen den Plan real, weil sie Washington zwingen, sich militärisch und finanziell zu engagieren. Und das wiederum könnte Israels allzu freie Hand bei Angriffen etwas einschränken.
Doch der Vorschlag stößt in den USA bereits auf Skepsis. Ein ehemaliger US-Beamter nannte die Idee „ein Nichtstarter“. Verständlich – denn Gaza ist kein Sinai. Die Region ist ein Minenfeld aus Ruinen, Milizen und politischen Abgründen. Jede US-Einheit dort würde zum Ziel, jedes Feuergefecht könnte zur internationalen Krise werden. Und dennoch scheint Washington bereits Truppenbewegungen vorzubereiten: Soldaten von der Al-Udeid-Basis in Katar sollen vorübergehend nach Jordanien verlegt worden sein – offiziell zur „Sicherheitsbewertung“, inoffiziell wohl als Vorbereitung auf die nächsten Schritte.
Zwischen Hamas, Ägypten und Ankara
Besonders pikant ist, dass Ägypten enge Kontakte zur Hamas hält – genauer gesagt, zu deren bewaffnetem Flügel, den Qassam-Brigaden. Offiziell verhandelt man über deren Entwaffnung, inoffiziell wird über Machtverteilung, Einfluss und Kontrolle gesprochen. Die islamistischen Terroristen der Hamas wiederum will lieber türkische Truppen in Gaza sehen, was Israel strikt ablehnt. Kein Wunder: Ankara unter dem Muslimbruder Erdogan ist mittlerweile Israels wichtigster rhetorischer Feind, zugleich aber wirtschaftlich mit ihm verflochten – eine heuchlerische Partnerschaft, die sich nur durch gemeinsame Interessen erklärt.
Im Kern geht es bei Trumps Plan also nicht um Frieden, sondern um Kontrolle. Um die Frage: Wer darf künftig in Gaza bestimmen, wer die Waffen trägt und wer die Milliarden aus Washington, Brüssel und Doha verteilt. Der Plan sieht vor, dass ein „Board of Peace“ – geführt von Trump selbst – zusammen mit palästinensischen Technokraten die Verwaltung des Gebiets übernimmt. Mit anderen Worten: Gaza soll entmilitarisiert, internationalisiert und politisch entkernt werden – ohne Hamas, ohne eigenständige palästinensische Regierung, aber mit jeder Menge ausländischer „Aufsicht“.
Der alte Trick: Stabilisierung durch Besatzung
Das Muster ist bekannt. Im Namen des Friedens wird eine Besatzungsstruktur geschaffen, die angeblich nur temporär ist, sich aber über Jahre verfestigt. Man denke an den Irak, an Afghanistan oder an Bosnien. Jedes Mal versprach Washington Stabilität – und jedes Mal endete es mit Chaos, Radikalisierung und militärischer Dauerpräsenz. Gaza wäre da keine Ausnahme, sondern lediglich das nächste Experimentierfeld.
Ägypten spielt dabei die Rolle des „Partnerstaats“, der für Ruhe sorgt und im Gegenzug politische und finanzielle Zugeständnisse erhält. Israel profitiert doppelt: Es kann sich zurückziehen, ohne wirklich Verantwortung abzugeben, und erhält zugleich die Garantie, dass westliche Soldaten als Puffer dienen – Soldaten, die jede neue Eskalation dämpfen, bevor sie politisch gefährlich wird.
Für die Palästinenser bedeutet dies die Entwaffnung der Hamas, sowie eine palästinensische Verwaltung ohne wirkliche Macht, welche die Bevölkerung weiterhin unter Kontrolle halten soll – diesmal unter internationalem Vorzeichen. Eine neue Kolonialverwaltung, getarnt als Friedensmission. Doch so lange die Hamas - welche die Auslöschung Israels fordert - im Gazastreifen das Sagen hat, bleibt eine längerfristige friedliche Lösung unmöglich bleiben. Bei allem Verständnis für die Leiden der Zivilbevölkerung bleibt die Tatsache bestehen, dass es sich bei der Hamas um eine islamistische Terrororganisation handelt, die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht und deren Opfer propagandistisch ausschlachtet.
Trump als Friedensstifter?
Dass ausgerechnet Donald Trump diesen Plan treibt, ist ein geopolitisches Kuriosum. Der Mann, der einst Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels anerkannte und damit die Region erneut in Flammen setzte, will nun als Vermittler auftreten. Er prahlt mit seiner Verhandlungskunst und drängt auf schnelle Ergebnisse, während in Sharm El-Sheikh die Diplomaten um jedes Wort ringen.
Doch Trumps Plan hat eine entscheidende Schwäche: Er ignoriert die Realität vor Ort. Er setzt kein verbindliches Abzugsdatum für israelische Truppen, schafft damit Spielräume für andauernde militärische Präsenz, und fordert zugleich die vollständige Entwaffnung einer Organisation, die offen als islamistische Terrorgruppe agiert. Die Forderung nach Totalentwaffnung ist kein realistisches Versöhnungsangebot, sondern ein Ultimatum, das politisch kaum durchsetzbar sein dürfte. Vielmehr läuft die Strategie darauf hinaus, die bewaffnete Machtbasis der Hamas zu zerstören statt sie in einen politischen Prozess einzubinden — ein Ansatz, der kurzfristig Sicherheit verspricht, langfristig aber Radikalisierung und neue Gewaltsepisoden befördern kann.
Die Ägypter argumentieren, US-Truppen wären ein Zeichen echter Verpflichtung. In Wahrheit wäre es die nächste amerikanische Frontlinie, mitten im dichtesten Krisengebiet des Nahen Ostens. Jeder getötete Soldat würde Washington tiefer in einen Konflikt hineinziehen, dessen Wurzeln längst religiös und ideologisch vergiftet sind. Denn der Gazastreifen ist kein neutrales Territorium, sondern ein von einer islamistischen Terrororganisation beherrschtes Gebiet, in dem die Hamas die leidende Bevölkerung als Schutzschild missbraucht. Eine „Friedensmission“ dort ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Frieden lässt sich nicht erzwingen, solange die Hamas weiter Waffen hortet, Israel offen vernichten will und arabische Staaten ihre politischen Interessen über jede Form echter Befriedung stellen. Auch die USA agieren nicht als neutrale Vermittler, sondern als strategischer Akteur, der Einfluss und Kontrolle sichern will. Solange Washington geopolitische Dominanz über Stabilität stellt und Israel wie auch seine Gegner instrumentell behandelt, bleibt jeder Friedensplan eine taktische Illusion.
Sollten die USA tatsächlich Truppen entsenden, dann nicht aus Idealismus, sondern zur Durchsetzung von Machtinteressen. Es ginge nicht um Frieden, sondern um Kontrolle – um die Verwaltung eines Dauerkriegszustands, der als „Stabilität“ etikettiert wird. Und Ägypten? Spielt die Rolle des berechenbaren Partners, solange die amerikanische Unterstützung verlässlich fließt.



