Die Mechanismen des modernen Finanzkapitalismus offenbaren ihre zerstörerischsten Facetten stets dann, wenn die offizielle Rhetorik der Notenbanken diametral zu den realen Geldströmen verläuft. Während Regierungen und Bürger unter den anhaltenden wirtschaftlichen Verwerfungen ächzen, läuft im Maschinenraum des Bankensektors eine gigantische, staatlich abgesicherte Umverteilungsmaschine auf Hochtouren. Wie jüngste Analysen des Standard unmissverständlich aufzeigen, führt jede geldpolitische Intervention der Europäischen Zentralbank in Form von Zinserhöhungen zu einer automatischen und risikofreien Alimentierung der Geschäftsbanken mit astronomischen Milliardensummen. Es handelt sich hierbei nicht um einen Betriebsunfall des Marktes, sondern um ein systemisch inhärentes Privileg, das die Schere zwischen spekulativer Finanzaristokratie und realwirtschaftlicher Basis beständig weiter öffnet.

Das Kartell des risikolosen Profits

Betracht man die Bilanzen der großen europäischen Geldhäuser genauer, wird das Ausmaß dieser staatlich garantierten Subvention deutlich. Die Europäische Zentralbank hat über Jahre hinweg Instrumente geschaffen, die es den Banken erlauben, überschüssige Liquidität bei minimalem oder gänzlich fehlendem Ausfallrisiko direkt bei den Notenbanken zu parken. Wenn nun die Leitzinsen angehoben werden, um angeblich die Inflation zu bekämpfen, geschieht auf der Einnahmeseite der Banken ein buchhalterisches Wunder. Sie erhalten üppige Zinsvergütungen für ebenjene Reserven, ohne auch nur einen einzigen Cent davon in Form von produktiven Krediten an den Mittelstand oder die heimische Industrie weiterzureichen. Im Gegenteil: Die Kreditvergabe an den produzierenden Sektor wird drastisch verteuert und gedrosselt, während die Institute ihre Gewinne risikofrei einfahren. Dieser Zustand entlarvt die oft beschworene Marktwirtschaft als das, was sie in ihrem Kern längst geworden ist: eine Planwirtschaft zugunsten des Finanzsektors, in der Verluste konsequent sozialisiert und Gewinne privatisiert werden.

Die Geopolitik dieses geldpolitischen Raubzugs reicht weit über die nationalen Grenzen der Eurozone hinaus. In den Zentren der Macht in Frankfurt, Washington und Brüssel wird eine Politik exekutiert, die den industriellen Kern Europas systematisch ausblutet. Während Energiepreise und geopolitische Handelskonflikte die Substanz der mittelständischen Wirtschaft angreifen, saugt das Bankensystem über die Zinskanäle der EZB die verbleibende Liquidität ab. Es findet eine schleichende Enteignung der Sparer und eine Umverteilung von unten nach oben statt, die ihresgleichen sucht. Die Notenbank fungiert dabei nicht als unabhängiger Wächter der Stabilität, sondern als Erfüllungsgehilfe einer Finanzoligarchie, die sich immun gegen die Realitäten der Krise gemacht hat. Wer die wahren Ursachen der europäischen Deindustrialisierung verstehen will, darf den Blick vor diesem monetären Betonsockel nicht verschließen.

Die Verweigerung der realwirtschaftlichen Kredite

Besonders drastisch zeigt sich diese Fehlsteuerung in der totalen Kreditverweigerung gegenüber jenen Betrieben, die den Wohlstand dieses Kontinents traditionell erwirtschaftet haben. Handwerksbetriebe, mittelständische Maschinenbauer und regionale Versorger stehen vor unüberwindbaren Hürden, wenn sie Kapital für dringend notwendige Investitionen oder die Bewältigung laufender Energiekosten beschaffen wollen. Die Banken verlangen astronomische Risikoaufschläge oder lehnen Kredite pauschal ab, weil das Geld parken bei der EZB für sie ungleich lukrativer und vor allem völlig risikofrei ist. Warum sollte ein Bankvorstand auch das unternehmerische Risiko eingehen, einen regionalen Industriebetrieb zu finanzieren, wenn er vom Steuerzahler beziehungsweise der Notenbank alimentierte Zinsmilliarden für das Nichtstun garantiert bekommt? Dieser Mechanismus erstickt jede wirtschaftliche Dynamik im Keim und treibt Tausende gesunde Unternehmen in den schleichenden Ruin oder den Ausverkauf an internationale Heuschrecken.

Die Verflechtung von politischer Gesetzgebung und privatem Bankeninteresse offenbart hierbei eine fatale Allianz. Kritische Stimmen aus der Wissenschaft und unabhängigen Medien, wie sie etwa auch in einem Beitrag von N-TV Wirtschaft zur globalen Zins- und Rohstoffkrise anklingen, werden geflissentlich ignoriert, da das System von der Stabilität dieses Raubzugs profitiert. Globale Verflechtungen, steigende Rohstoffpreise im Zuge anhaltender militärischer und geopolitischer Konflikte und die Zinspolitik der Notenbanken bilden einen perfekten Sturm, der die europäische Wirtschaft an den Rand des Abgrunds drückt. Doch anstatt diese strukturellen Konstruktionsfehler des Euro-Systems zu korrigieren, wird der Druck auf die Bürger weiter erhöht. 

Wie bewerten Sie diesen anhaltenden Zustand und die Rolle der Notenbanken? Steht uns hier ein dramatischer Epochenbruch bevor, den die Politik bewusst ignoriert? Schreiben Sie uns Ihre Sicht der Dinge in die Kommentare.