Da stehen wir nun, liebe Europäer, und starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Während in Washington die strategischen Prioritäten neu sortiert werden wie Legosteine in einer Kindertagesstätte, dürfen wir die Rechnung für das große geopolitische Monopoly bezahlen.
Besonders pikant: Die USA behandeln uns längst nicht mehr als Verbündete, sondern - um es mit den Worten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu sagen - als "Konkurrenten". Eine Erkenntnis, die in Paris früher reifte als in Berlin, wo man noch immer an die transatlantische Freundschaft glaubt wie an den Weihnachtsmann.
Die Arithmetik ist dabei so simpel wie brutal: Die Ukraine, einst als Speerspitze gegen Russland hofiert, wird nun zum Kollateralschaden amerikanischer Großmachtträume degradiert. Der eigentliche Showdown, so die Strategen im Pentagon, wird ohnehin im Pazifik stattfinden. China ist der neue Lieblingsfeind, und gegen diesen Giganten erscheint Russland plötzlich wie ein regionaler Störenfried.
Besonders interessant: Während 56 Prozent der Ukrainer selbst eine Verhandlungslösung bevorzugen, hält die Biden-Administration noch krampfhaft am militärischen Kurs fest. Man könnte meinen, sie wolle Donald Trump für seinen möglichen Amtsantritt ein möglichst explosives Erbe hinterlassen.
Die europäische Wirtschaft ächzt derweil unter den Sanktionen, die deutsche Ampel-Koalition taumelt von einer Haushaltskrise in die nächste, und unsere Industriestandorte verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Aber hey, wenigstens dürfen wir uns als treue Vasallen fühlen!
Besonders absurd wird es beim Thema China. Während Washington uns drängt, unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking zu kappen, profitieren amerikanische Unternehmen munter vom chinesischen Markt. Es ist wie in einer schlechten Ehe: Der eine Partner diktiert die Regeln, während er sie selbst nach Belieben bricht.
Die aufstrebenden BRICS-Staaten beobachten dieses Schauspiel mit einer Mischung aus Schadenfreude und strategischem Interesse. Sie bieten eine Alternative zum amerikanischen Hegemonialmodell - eine Option, die auch für Europa zunehmend verlockend erscheinen könnte.
Was lernen wir daraus? Die viel beschworene "regelbasierte internationale Ordnung" ist nichts anderes als ein Euphemismus für amerikanische Interessenpolitik. Europa täte gut daran, endlich eine eigenständige Strategie zu entwickeln, statt wie ein braver Schuljunge den Anweisungen aus Washington zu folgen.
Aber dafür bräuchte es Mut, Vision und vor allem: Rückgrat. Eigenschaften, die in Brüssel und Berlin derzeit so rar sind wie Schnee in der Sahara. Und so werden wir weiter zusehen, wie unsere "Freunde" jenseits des Atlantiks ihre Schachfiguren verschieben - auf unsere Kosten, versteht sich.


