US-Flüssiggas ist keine sichere Bank
Die Europäer setzen zunehmend auf Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten, um das russische Erdgas zu ersetzen. Doch auch da drohen Unterbrechungen bei der Lieferung. Gerade in der Hurrikan-Saison.
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Contra24 RedaktionRedaktion

Von Michael Steiner
US-amerikanisches Flüssiggas ersetzt mittlerweile zunehmend das russische Pipeline-Erdgas. Inzwischen gehen fast zwei Drittel aller LNG-Exporte aus den Vereinigten Staaten nach Europa und allein in diesem Jahr haben fünf US-Unternehmen langfristige Lieferverträge mit den Europäern abgeschlossen, um jährlich etwa 30 Millionen Tonnen an LNG über den Atlantik zu schippern. Die Trump-Fans dürften sich darüber freuen, da die europäische Energiekrise dazu beiträgt, Amerika frei nach Donald Trump (der übrigens Nord Stream 2 gerade deshalb verhindern wollte) wieder "großartig" zu machen.
Doch die neue Abhängigkeit von den USA kommt mit eigenen Problemen daher. Der Großteil der US-amerikanischen Gasverflüssigungsanlagen und Exporteinrichtungen für das verflüssigte Erdgas liegt nämlich am Golf von Mexiko, von New Mexico und Texas bis Louisiana und darüber hinaus. Eine Region, die jährlich von mehreren zerstörerischen Wirbelstürmen heimgesucht wird. Während der Hurrikan-Saison stehen die Anlagen immer wieder still und auch für die LNG-Tanker ist es in dieser Zeit immer wieder tagelang nicht möglich, in der Region unterwegs zu sein. Dies kann die Versorgung der Europäer ebenfalls massivst beeinträchtigen, wie die Erfahrungen der letzten Jahre verdeutlichen.
Es zeigt sich, dass die Versorgung Europas mit Gas über die Pipelines aus Russland schlussendlich die günstigste und sicherste Lösung ist, zumal Pipeline-Projekte über das östliche Mittelmeer angesichts der großen Anfälligkeit für schwerere Beben ebenfalls mit Versorgungsrisiken verbunden sind. Doch das ist politisch nicht gewollt. Also bleibt nur die Option, die Versorgungsrisiken möglichst breit zu streuen. Ein zu großer Fokus auf die Vereinigten Staaten als LNG-Versorger ohne Berücksichtigung des Faktors Natur (also insbesondere Hurrikans) ist in Sachen Versorgungssicherheit nämlich zu riskant.
Die EU hat die eigene Versorgungssicherheit mit (russischem) Gas also für das deutlich teurere und vielen Unwägbarkeiten unterworfene US-amerikanische Flüssiggas eingetauscht. War es das wirklich den Bruch mit Moskau wert?


