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US-Bomber an Venezuelas Küste: Drohgebärde oder Vorbote eines neuen Kriegsabenteuers?
Mitten im Hurrikangebiet fliegen US-Langstreckenbomber bedrohlich nahe an Venezuela vorbei – offiziell nur eine „Übung“. Doch in Wahrheit könnte Washington erneut ein Regimewechsel-Szenario vorbereiten.
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Gernot HaubnerRedaktion

Es riecht nach Pulverrauch über der Karibik – und diesmal nicht aus Havanna. Zwei US-Bomber des Typs B-1B Lancer sind erneut in bedrohlicher Nähe zur venezolanischen Küste aufgetaucht. Offiziell, so das Pentagon, handelte es sich selbstverständlich nur um eine „Demonstration von Stärke“ im internationalen Luftraum – reine Routine also. Wer’s glaubt, dem sei geraten, die Geschichtsbücher aufzuschlagen: Noch jedes „Manöver“ dieser Art war der Auftakt zu einem „Friedenseinsatz“ im Namen der Demokratie – ob in Libyen, im Irak oder in Jugoslawien.
Die US-Luftwaffe scheint derzeit keine Gelegenheit auszulassen, ihre „Freiheit am Himmel“ über Südamerika zu betonen. Bereits wenige Tage zuvor hatte das Southern Command eine ähnliche „Attack Demonstration Mission“ über der südlichen Karibik bestätigt. Die Wall Street Journal-Redaktion spricht von einer „ernsthaften Botschaft“: Washington wolle Caracas zeigen, dass man „bereit und fähig“ sei. Der Subtext ist deutlich: Unterwerfung oder Vernichtung.
https://twitter.com/clashreport/status/1981431312951976176
Doch was genau hat Venezuela verbrochen, um erneut ins Fadenkreuz des Imperiums zu geraten? Immerhin hat Präsident Nicolás Maduro jüngst Gesprächsbereitschaft gezeigt, amerikanischen Konzernen bevorzugten Zugang zum venezolanischen Öl zu gewähren – ganz so, wie Washington es wünscht. Doch offenbar reicht das nicht. Die USA wollen keine Partner, sie wollen Vasallen.
Man sollte sich erinnern: Seit Jahrzehnten träumt die US-Außenpolitik davon, Venezuelas gewaltige Ölreserven unter Kontrolle zu bringen. Hugo Chávez entzog sie einst dem Zugriff der Konzerne – seither gilt Caracas als Feindstaat. Wirtschaftssanktionen, Putschversuche, Propagandakampagnen – alles ohne Erfolg. Nun also wieder militärische Muskelspiele. Die Botschaft an Lateinamerika ist klar: Wer nicht spurt, bekommt Besuch von den „Lancers“.
Gleichzeitig sorgt ein anderes Naturphänomen für Nervosität: Tropensturm Melissa, der sich zum Monster-Hurrikan auswachsen könnte, zieht durch die Karibik. Eigentlich der denkbar schlechteste Moment, um Flugzeugträger und Bomberstaffeln in die Region zu schicken. Doch Vernunft war noch nie ein Maßstab für US-Militärstrategen. Ob in Afghanistan, im Irak oder an der russischen Grenze – das Pentagon hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, die Realität zu ignorieren.
Dass Trump – der sich gerne als starker Mann inszeniert – kurz vor einem möglichen Wahlkampfauftakt wieder mit Säbelrasseln punktet, passt ins Bild. Ein außenpolitischer Erfolg, notfalls herbeigebombt, käme da gerade recht. Und Venezuela, das seit Jahren vom Westen wirtschaftlich stranguliert wird, wäre das perfekte Opfer für eine „schnelle, begrenzte Operation“ – so begrenzt, wie sie es im Irak und Libyen auch war.
Die Flugbahnen der beiden B-1B-Bomber, so zeigen OSINT-Daten, entsprachen exakt einem „Strike Simulation Pattern“ – samt möglicher Luftbetankung. Das ist kein Training mehr, das ist Kriegspsychologie. Wenn ein Supermachtpräsident seine Bomber in Reichweite einer Hauptstadt schickt, dann nicht, um den Piloten ein paar Flugstunden zu gönnen. Es ist ein Signal – an Maduro, aber auch an alle anderen, die noch immer glauben, nationale Souveränität (auch wenn es sich um ein diktatorisches, sozialistisches Regime handelt) sei etwas, das Washington respektiert.
Doch vielleicht steckt noch mehr dahinter. Während die USA ihre Muskeln in der Karibik spielen lassen, baut China systematisch seinen Einfluss in Lateinamerika aus – mit Investitionen, Krediten und Technologieprojekten. Peking liefert, wo Washington nur droht. Für die US-Eliten ist das ein rotes Tuch. Wer sich an Chinas Gürtel klammert, wird früher oder später zum Feind. Dass Venezuela längst Teil dieser neuen eurasischen Achse ist, dürfte in Washington als Provokation gelten.
So betrachtet, ist der Flug der B-1-Bomber weniger eine Warnung an Caracas, sondern eine Machtdemonstration an Peking und Moskau. Venezuela ist nur das Schachbrett – der eigentliche Gegner sitzt anderswo. Die Monroe-Doktrin, nach der Amerika „den Amerikanern“ gehört – sprich: den USA –, erlebt gerade ihre militarisierte Renaissance.
https://twitter.com/ThomasVLinge/status/1981425921111515462
Doch vielleicht haben die Strategen in Washington eines übersehen: Die Welt hat sich verändert. Russland, China und der globale Süden haben keine Angst mehr vor amerikanischer Einschüchterung. Selbst kleine Staaten wie Venezuela wissen, dass hinter der Rhetorik der „Demokratieverteidigung“ nur das alte Geschäftsmodell steht: Kontrolle über Energie, Rohstoffe und Handelsrouten.
Und so mag die Frage erlaubt sein: Wie oft muss das amerikanische Imperium noch mit dem Feuer spielen, bevor es sich selbst daran verbrennt? Ein Sturm zieht über die Karibik – meteorologisch wie geopolitisch. Und vielleicht wird Melissa, die „unberechenbare“ tropische Bedrohung, bald nicht nur über den Ozean, sondern über Washingtons Arroganz hinwegfegen.


