Es war wohl wieder einer dieser Momente, in denen Donald Trump sich selbst für den großen Dealmaker der Weltgeschichte hielt: Bei einem Treffen mit dem britischen Premier Keir Starmer kündigte der US-Präsident an, die bislang großzügige Frist von 50 Tagen für neue Strafzölle gegen Russlands Handelspartner radikal zu verkürzen – auf gerade einmal zehn bis zwölf Tage. Die Botschaft an Wladimir Putin: Wenn du bis dahin keinen Frieden in der Ukraine machst, gibt’s wirtschaftlich auf die Mütze – auch für deine Verbündeten.
Doch in Moskau kommt das Zoll-Gepolter aus Übersee erwartungsgemäß nicht gut an. Dmitri Medwedew, einst Staatschef auf Zeit und inzwischen zum scharfzüngigen Sicherheitsrat-Hardliner mutiert, machte seinem Unmut auf X Luft. Seine Botschaft an Trump: Wer Ultimaten stellt, sollte sich auf den nächsten Krieg gefasst machen – und zwar nicht mit Russland, sondern mit den USA selbst. Ein Satz, der wie ein Echo aus dem Kalten Krieg klingt. Und doch ist er brandaktuell.
Medwedew holte zum geopolitischen Gegenschlag aus: Russland sei eben nicht Israel – also kein Erfüllungsgehilfe amerikanischer Nahostpolitik – und auch nicht der Iran, der sich regelmäßig von westlichen Luftschlägen "demokratisieren" lassen muss. Der Vergleich sitzt. Während Washington im Nahen Osten mit Drohnen, Bomben und Sanktionen jongliert wie ein Zirkusdompteur auf Crack, zeigt sich Russland demonstrativ immun gegen Druck von außen.
Dass Medwedew als langjähriger Vertreter der gemäßigten Fraktion galt, wirkt inzwischen wie ein historischer Irrtum. Der einstige iPhone-Fan ist heute der Mann für die kernige Sprache und die nuklearen Andeutungen. Kein Wunder: In einem politischen Klima, in dem westliche Diplomatie nur noch aus Erpressung, Moralpamphleten und Sanktionslisten besteht, braucht man in Moskau keine Samthandschuhe mehr.
Und Trump? Der scheint nach wie vor zu glauben, er könne mit einem wirtschaftlichen Presslufthammer den Kreml zur Kapitulation bringen – wie einen chinesischen Hersteller von Billigspielzeug. Dass Russland militärisch, wirtschaftlich und geopolitisch längst auf Konfrontation gebürstet ist, scheint ihm entgangen zu sein. Oder er spekuliert bewusst auf Eskalation – in der Hoffnung, als "Friedensmacher" in einem von ihm selbst provozierten Chaos aufzutreten.
Doch wie Medwedew süffisant feststellt: Russland lässt sich nicht in eine Schablone amerikanischer Weltordnung pressen. Wer Druck ausübt, bekommt Gegendruck. Und wer mit Zöllen droht, sollte besser wissen, wie sich ein globaler Handelskrieg anfühlt – diesmal nicht gegen China, sondern gegen eine Atommacht, die keine Angst vor westlicher Isolation hat.


