Wenn es nach Donald Trump geht, soll Europa künftig nicht nur frieren, zahlen und moralische Mantras nachbeten, sondern auch noch einen massiven Wirtschaftskrieg gegen Indien und China führen. Mit Strafzöllen von 100 Prozent, so die Idee aus Washington, solle Moskau in die Knie gezwungen werden. Die Logik dahinter klingt so simpel, dass sie fast schon kindlich wirkt: Wer Russlands Öl kauft, füllt Putins Kriegskasse. Also müssen die Abnehmer bestraft werden. Dass es sich bei diesen Abnehmern um die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde handelt, die zusammen ein Drittel der Weltwirtschaft ausmachen, scheint dem amerikanischen Präsidenten egal zu sein. Hauptsache die Schlagzeile sitzt, und Europa trottet brav hinterher. Die Financial Times und andere transatlantische Sprachrohre verkaufen diesen Vorstoß als cleveren Schachzug im Wirtschaftskrieg. Doch bei näherem Hinsehen offenbart sich eher die Absurdität westlicher Hybris. China und Indien haben sich in den vergangenen Jahren systematisch von der westlichen Dominanz abgekoppelt und bilden mit Russland längst einen eigenen Machtblock. Ausgerechnet diesen Block will Trump nun mit Handelskrieg erpressen – und er erwartet, dass die EU den ramponierten Rammbock spielt. Europäische Politiker, die schon bei der Energiepolitik eine Bauchlandung nach der anderen hingelegt haben, scheinen tatsächlich darüber nachzudenken. Während westliche Medien im Chor von „Druck auf Putin“ schwadronieren, klingen die Reaktionen in Moskau, Neu-Delhi und Peking deutlich selbstbewusster. Wladimir Putin erinnerte süffisant daran, dass die „Kolonialzeit vorbei“ sei. Man könne nicht so mit Indien und China sprechen, als handle es sich um Vasallenstaaten. In Indien wiederum ließ man durchblicken, dass man weder Washington noch Brüssel das eigene Wirtschaftsmodell diktieren lässt. Dort weiß man sehr genau, dass günstiges russisches Öl ein Standortvorteil ist, den man sich nicht aus falsch verstandener Solidarität kaputtmachen lässt. Und China? Das Außenministerium in Peking wies die US-Pläne als „instrumentalisierend und kontraproduktiv“ zurück. Mit anderen Worten: Man lacht höflich über den Versuch, einen geopolitischen Elefanten mit einer Zollpeitsche zu zähmen. Das Muster ist altbekannt: Trump wirft mit maximalen Forderungen um sich, droht mit Handelskrieg und der US-Wirtschaftsmacht. Doch während diese Versprechen für das Wahlvolk in den USA bestimmt sind, bleibt Europa wieder einmal die Rolle des Zahlmeisters. Schon beim Gasembargo gegen Russland sprang die EU treu in den Abgrund – mit explodierenden Energiepreisen, Deindustrialisierung und wachsender Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas. Nun soll Brüssel also auch noch riskieren, dass Indien und China europäische Produkte mit Gegenmaßnahmen belegen. Wer glaubt ernsthaft, dass die fragile EU-Wirtschaft eine solche Eskalation übersteht? Die Farce wird noch deutlicher, wenn man die eigentlichen Motive betrachtet. In Wahrheit geht es Trump nicht um die Ukraine und auch nicht um Putin. Es geht um knallharte Wirtschaftsinteressen. Die USA wollen Europa auf Linie halten und gleichzeitig die eigene Verhandlungsposition gegenüber Indien stärken. Denn parallel zu den Zolldrohungen führt Washington Handelsgespräche mit Neu-Delhi. Mit Zuckerbrot und Peitsche soll Indien einer Ordnung zustimmen, die den Amerikanern passt. Wenn die EU dabei hilft, sich die eigenen Märkte zu ruinieren, umso besser – Washington reibt sich die Hände. Doch was passiert, wenn die EU diesem Kurs folgt? Dann spaltet sich die Weltwirtschaft endgültig in zwei Blöcke. Auf der einen Seite der Westen mit Rezession, Energiemangel und moralischer Überhöhung. Auf der anderen Seite der wachsende eurasische Block, in dem Öl, Gas, Industrieproduktion und Märkte längst zusammenfinden. Indien und China können sich einen Bruch mit Europa leisten, Europa kann es nicht. Aber genau diesen Bruch will Trump erzwingen. Und die Brüsseler Apparatschiks, die schon beim Sanktionsdesaster gegen Russland ihre Naivität bewiesen haben, stehen offenbar kurz davor, erneut ins offene Messer zu laufen. Was uns als geschickte Strategie verkauft wird, ist in Wahrheit nichts anderes als ein weiterer Nagel im Sarg europäischer Souveränität. Trump agiert aus machtpolitischem Kalkül, Putin nutzt die Gelegenheit zur Spottrede, Indien und China zeigen Gelassenheit. Und Europa? Dort diskutiert man ernsthaft, ob man sich noch tiefer in den Abgrund stürzt, nur um den großen Bruder in Washington zufriedenzustellen.