Mit der Ankündigung eines 30-prozentigen Strafzolls auf europäische Waren ab dem 1. August 2025 hat Donald Trump die Europäische Union aufgeschreckt. Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen zeigt sich kampfbereit und betont, alle notwendigen Schritte zum Schutz europäischer Interessen einzuleiten. Die Gefahr eines Handelskriegs zwischen den beiden Wirtschaftsmächten wächst – doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.
Die Nachricht traf Brüssel am Wochenende wie ein Paukenschlag. In einem auf Truth Social veröffentlichten Brief drohte Trump, sämtliche EU-Produkte mit einem pauschalen Zoll von 30 Prozent zu belegen. Sollte die EU mit eigenen Zöllen reagieren, werde er diese einfach aufschlagen. Von der Leyen reagierte prompt und warnte vor den Folgen für Unternehmen, Verbraucher und Patienten auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Kommissionspräsidentin betonte, dass die EU weiterhin gesprächsbereit sei, aber auch „verhältnismäßige Gegenmaßnahmen“ prüfe.
Hinter den Kulissen herrscht seitdem Alarmstimmung. EU-Diplomaten und nationale Regierungen wurden kurzfristig einberufen, um die Lage zu bewerten und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Am Sonntag trafen sich die EU-Botschafter zu Krisengesprächen, gefolgt von einem Sondertreffen der Handelsminister in Brüssel. Die Kommission arbeitet mit Hochdruck an einem Maßnahmenpaket, das im Ernstfall Zölle auf US-Importe im Wert von bis zu 70 Milliarden Euro umfassen könnte.
Hoffnung auf Verhandlungslösung bleibt
Trotz der Eskalation gibt es noch Hoffnung auf eine Einigung. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mahnte zur Besonnenheit und forderte, die Verhandlungen nicht durch gegenseitige Drohungen zu gefährden. Auch Irlands Premier Micheál Martin sprach sich für eine diplomatische Lösung aus und stellte sich hinter von der Leyen und den EU-Chefunterhändler Maroš Šefčovič. Besonders Irland, als führender Pharmaexporteur in die USA, wäre von einem Handelskrieg stark betroffen.
Die EU hatte zuletzt auf ein Abkommen gedrängt, das einen einseitigen US-Zoll von 10 Prozent auf europäische Waren festschreiben und Ausnahmen für Schlüsselbranchen wie Autos, Flugzeuge und Spirituosen ermöglichen sollte. Doch Trumps Brief lässt wenig Spielraum: Er fordert die vollständige Öffnung der europäischen Märkte für US-Produkte und die Abschaffung aller Handelsbarrieren. Gleichzeitig deutet er an, dass die angekündigten Zölle je nach Verhandlungsfortschritt noch angepasst werden könnten.
Die Zeit drängt. Bereits am Dienstag könnte die EU mit ersten Vergeltungszöllen auf US-Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro reagieren. Diplomaten halten es jedoch für möglich, die Eskalation noch abzuwenden, indem die EU die Umsetzung ihrer Maßnahmen bis zum 1. August aussetzt und die Verhandlungen fortsetzt. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein für die Zukunft des transatlantischen Handels.
Ein oft übersehener Aspekt: Zwar weist die USA gegenüber der EU eine negative Handelsbilanz auf, doch die Leistungsbilanz – die auch Dienstleistungen und Kapitalströme umfasst – ist für die Vereinigten Staaten positiv. Dies relativiert die von Trump wiederholt vorgebrachte Klage über ein angeblich unfaires Handelsdefizit.



