The Economist: Der Ukraine-Krieg soll Europa umkrempeln
Offiziell soll das Geld Kiew retten, doch in Wahrheit soll es Brüssel stärken. Der Economist fordert 400 Milliarden Dollar, um die EU zu „vereinen“ – sprich: zu zentralisieren, zu militarisieren und die Nationalstaaten endgültig zu entmachten.
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Michael SteinerRedaktion

Während westliche Medien unermüdlich die Mär vom edlen Abwehrkampf gegen den russischen Bären erzählen, verrät ein Blick in den jüngsten Leitartikel des Economist etwas ganz anderes: Es geht längst nicht mehr um die Ukraine. Es geht um die Macht – um nichts weniger als die Vollendung des europäischen Zentralstaats unter dem Deckmantel der Solidarität. 400 Milliarden Dollar sollen die Europäer in den nächsten vier Jahren aufbringen, um Kiew „zu retten“. In Wahrheit soll dieses Geld dazu dienen, Brüssel endgültig zu einem militärisch-fiskalischen Leviathan aufzublasen, der die Nationalstaaten entmündigt und die EU in einen föderalen Moloch nach US-Vorbild verwandelt.
Der Economist, Sprachrohr des angelsächsischen Establishments, gibt sich dabei nicht einmal mehr Mühe, den wahren Zweck zu verschleiern. Wörtlich heißt es, gemeinsame EU-Anleihen zur Ukraine-Finanzierung würden „die Kapitalmärkte vertiefen“ und „die Rolle des Euro als Reservewährung stärken“. Mit anderen Worten: Schuldenunion und Aufrüstung als politische Einigungskraft. Das ist kein Hilfsprogramm, sondern eine tektonische Machtverschiebung – von den souveränen Staaten hin zu einer ungewählten Brüsseler Bürokratie, die ihre eigene Armee und ihre eigene Fiskalpolitik errichtet.
Dass man dafür den Krieg in der Ukraine als moralisches Pflichtprojekt verkauft, ist nur die PR-Verpackung. Die reale Rechnung: 0,4 Prozent des BIP pro NATO-Mitglied (ohne USA), Jahr für Jahr, über mindestens ein halbes Jahrzehnt. Und das für ein Land, dessen Armee schon jetzt am Ende ihrer Kräfte ist, dessen Bevölkerung schrumpft und dessen Korruption legendär bleibt. Aber wer fragt in Brüssel noch nach Resultaten? Wichtig ist nur, dass das Geld fließt – und zwar zentral verwaltet. Denn wer die Finanzen kontrolliert, kontrolliert die Politik.
In dieser Logik ergibt auch die angebliche Angst vor einer russischen Offensive oder gar einem ukrainisch-russischen „Rachebündnis“ Sinn. Diese Schreckgespenster dienen bloß dazu, den europäischen Steuerzahler gefügig zu halten. Der Economist spielt das bekannte Spiel: Zuckerbrot und Peitsche. Wer zahlt, „verteidigt Europa“. Wer sich weigert, riskiert Putins Sieg. Doch weder das eine noch das andere hat realen Bezug zur Lage an der Front. Russland hält seine Linien stabil, seine Wirtschaft wächst trotz Sanktionen, und China steht bereit, das westliche Embargo auszugleichen. Der Krieg stagniert – aber das Projekt EU-Armee floriert.
Seit Beginn der Sanktionen haben die europäischen Eliten bereitwillig ihre eigene Industrie in den Ruin getrieben. Nicht aus Dummheit, sondern aus Kalkül. Im Tausch für die Selbstkastration der europäischen Wirtschaft – die Neutralisierung des Euro als mögliche Dollar-Alternative – erhielten sie Washingtons Segen für den finalen Integrationsschritt: eine gemeinsame Schulden-, Energie- und Verteidigungspolitik. Das ist die wahre „Zeitenwende“. Die USA dulden den europäischen Zentralstaat nun, weil er kein Rivale mehr ist, sondern Vasall.
Was also bleibt vom großen Heldennarrativ? Eine EU, die ihre Bevölkerung in Geiselhaft nimmt, um mit Billionen fremden Geldes eine Illusion zu finanzieren: den Traum von geopolitischer Relevanz, erkauft durch Unterordnung. Während die Amerikaner ihren Abgang aus der Ukraine vorbereiten, sollen die Europäer die Reste des Krieges bezahlen – samt den Kosten des eigenen Systemumbaus. Und wenn dann in ein paar Jahren die Rechnung auf dem Tisch liegt, wird man feststellen, dass Russland weder besiegt noch Europa „sicherer“ geworden ist. Nur Brüssel stärker.
Das ist die eigentliche Botschaft hinter den 400 Milliarden Dollar: Sie sind nicht für Kiew gedacht, sondern für die künftige Föderation Europa. Der Krieg ist bloß der Katalysator, die moralische Kulisse, hinter der eine neue politische Architektur errichtet wird. Nicht mit Bajonetten, sondern mit Schulden. Nicht im Namen der Freiheit, sondern im Namen der Integration. Und wie immer, wenn Idealisten in Wahrheit Bürokraten sind, zahlen am Ende jene, die man zu schützen vorgibt: die Bürger.


