Die Entwicklung ist brisant: Wer in Spanien eine Aufenthaltsgenehmigung erhält, kann sich dank der offenen EU-Binnengrenzen nahezu ungehindert in andere Mitgliedsstaaten weiterbewegen. Damit wird der Familiennachzug zur neuen Hintertür für Zuwanderung nach Europa – und das in einer Zeit, in der die öffentliche Stimmung gegenüber Masseneinwanderung zunehmend kippt.
Die aktuellen Zahlen des spanischen Ministeriums für Inklusion, Sozialversicherung und Migration sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Im März 2020 lag die Zahl der gültigen Aufenthaltsgenehmigungen auf Basis familiärer Bindungen noch bei 43.848. Bis März 2025 schoss sie auf 328.841 hoch. Die Steigerung verlief kontinuierlich: 2021 waren es bereits 73.625, Ende 2022 dann 148.938, und 2023 kletterte die Zahl auf knapp 239.000. Im Dezember 2024 wurde die Marke von 313.000 überschritten.
Die linke spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez setzt derweil auf noch liberalere Einwanderungspolitik. Im November 2024 wurde ein Plan verabschiedet, der die Legalisierung von 900.000 illegalen Migranten innerhalb von drei Jahren vorsieht – 300.000 pro Jahr. Ziel sei es, die Verfahren zu vereinfachen und die Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu fördern. Migrationministerin Elma Saiz Delgado sprach von der umfassendsten Reform des Einwanderungsrechts seit 2011.
https://twitter.com/pablogguz_/status/1920538253100232875Wachsende Kritik und Skandale um den Familiennachzug
Doch die Realität sieht anders aus: Die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Laut einer Umfrage des Instituts 40dB für El País und Cadena SER sind 57 Prozent der Spanier der Meinung, dass zu viele Migranten im Land leben. 75 Prozent verbinden Zuwanderung inzwischen mit negativen Folgen wie Kriminalität, Unsicherheit und einer Überlastung der öffentlichen Dienste. Die Sorge in der Bevölkerung ist in den letzten 18 Monaten um 16 Prozentpunkte gestiegen – parallel zum Anstieg der Migrantenzahlen.
Hinzu kommen Skandale, die das Vertrauen in die Integrität des Systems weiter erschüttern. Im Februar 2025 deckte die Polizei ein Netzwerk auf, das Scheinehen zwischen spanischen Frauen und ausländischen Männern organisierte, um diesen eine Aufenthaltsgenehmigung zu verschaffen. Drei Personen, darunter ein Anwalt, wurden festgenommen. Die Drahtzieher verlangten pro Kunde rund 10.000 Euro und meldeten die Männer an Adressen im Norden Spaniens an. Die Ermittler konnten 13 geplante Scheinehen verhindern.
Die Entwicklung in Spanien hat Signalwirkung für ganz Europa. Denn mit einer spanischen Aufenthaltsgenehmigung steht Migranten der Weg in andere EU-Staaten offen. Während die Regierungen in Brüssel und Berlin über Grenzkontrollen und Asylverfahren debattieren, wächst die Zuwanderung über den Familiennachzug nahezu unbemerkt weiter – und das durch die Hintertür.



