Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat eine Bemerkung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas verurteilt, wonach Israel mehrere "Holocausts" an Palästinensern verübt habe. Scholz war in die Kritik geraten, weil er die Anschuldigungen von Abbas auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Berlin nicht zurückgewiesen hatte. "Ich bin empört über die ungeheuerlichen Äußerungen des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. Gerade für uns Deutsche ist jede Relativierung der Einzigartigkeit des Holocausts unerträglich und inakzeptabel", twitterte Scholz am Mittwoch. [embed]https://twitter.com/Bundeskanzler/status/1559780922714734597?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1559780922714734597%7Ctwgr%5E9ccd13b282593b218b15913158f85008c8763374%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.rt.com%2Fnews%2F561042-chancellor-scholz-abbas-holocaust-comment%2F[/embed] Auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin am Dienstag schlug ein Journalist vor, Abbas solle sich für die Ermordung von 11 israelischen Sportlern durch palästinensische Terroristen während der Olympischen Spiele 1972 in München entschuldigen. Der Präsident antwortete darauf: "Von 1947 bis heute hat Israel 50 Massaker in palästinensischen Dörfern und Städten begangen, in Deir Yassin, Tantura, Kafr Qasim und vielen anderen - 50 Massaker, 50 Holocausts." Die Kameras fingen zwar ein, dass Scholz bei dieser unkonventionellen Verwendung des Wortes "Holocaust" eine Grimasse zog, aber er schwieg zu diesem Zeitpunkt. Später am Tag ging der Bundeskanzler jedoch in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung auf die "Holocausts" ein, bevor er am nächsten Tag auf Twitter Stellung bezog. Dennoch löste die Tatsache, dass er die Bemerkung auf der Pressekonferenz nicht ansprach, eine Welle der Kritik im Land aus. Sein Sprecher Steffen Hebestreit sagte am Mittwoch, der "Bundeskanzler bedauert, dass er sich gestern Nachmittag auf der Pressekonferenz nicht zu Wort gemeldet hat. Ebenfalls am Mittwoch stellte der palästinensische Präsident klar, dass seine Bemerkung nicht darauf abzielte, "die Besonderheit des Holocausts zu leugnen". Christoph Heubner, stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees (IAK), zeigte sich erstaunt, dass "die deutsche Seite Abbas Äußerungen zum Holocaust unwidersprochen ließ". Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete das Schweigen von Scholz während der Pressekonferenz als "skandalös". Abbas' Kommentar geriet auch in Israel unter Beschuss, wo Premierminister Yair Lapid die Bemerkung als "nicht nur eine moralische Schande, sondern eine ungeheuerliche Lüge" bezeichnete. Die umstrittene Bemerkung kam weniger als zwei Wochen, nachdem die israelischen Streitkräfte im Gazastreifen die Operation "Breaking Dawn" (Morgendämmerung) durchführten, die sich gegen die Führung der militanten Gruppe Islamischer Dschihad richtete. Die israelische Armee setzte das dicht besiedelte Gebiet massiven Luftangriffen aus. Dabei wurden nach israelischen Angaben insgesamt 49 Palästinenser getötet. Die israelischen Behörden behaupten, mehrere hochrangige Kommandeure des Islamischen Dschihad getötet zu haben.