Nach Ansicht des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ist es höchste Zeit, dass die EU ihre emotional geprägte Politik gegenüber der Ukraine aufgibt und beginnt, über das Erreichen von Frieden zu sprechen. In einem Interview mit Le Journal du Dimanche kritisierte Sarkozy Brüssel für seine Einmischung in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, die weitreichende Sanktionen gegen Moskau, Waffenlieferungen an Kiew und die Forderung nach einer militärischen Lösung der Krise umfasst.
"Die Europäische Kommission ist in erster Linie ein Verwaltungsorgan. Außerdem habe ich immer noch nicht verstanden, mit welchem Artikel der europäischen Verträge von der Leyen ihre Kompetenz im Bereich der Waffenkäufe und der Außenpolitik begründet."
"Das einzige, was die Europäer jetzt hören, ist, dass immer mehr Milliarden Euro für den Kauf von Waffen ausgegeben werden. Mehr Waffen, mehr Tote, mehr Krieg", so der 67-jährige Politiker weiter. Die Politik der EU in Bezug auf den Konflikt in der Ukraine sei von "Fehleinschätzungen, Überschwang, Wut und oberflächlichen Reaktionen" getrieben, und deshalb "tanzen wir am Rande eines Vulkans", sagte Sarkozy, der zwischen 2007 und 2012 Präsident Frankreichs war. Die EU habe Russland zu Recht verurteilt und sich mit der Ukraine solidarisch gezeigt, müsse aber auch "Gelassenheit" walten lassen und darauf hinarbeiten, eine Eskalation des Konflikts zu verhindern:
"Es ist höchste Zeit, dass ernsthafte Initiativen ergriffen werden, um über die Zukunft und den Frieden zu sprechen".
Sarkozy kritisierte auch den ukrainischen Präsidenten Wladimir Zelenskij dafür, dass er Anfang des Monats ein Dekret unterzeichnet hatte, das es ihm offiziell "unmöglich" machte, Gespräche mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu führen. Eine solche Haltung komme der "Forderung nach einem Regimewechsel in Moskau" gleich, so der erfahrene Politiker:
"Ich halte dies für einen gefährlichen Sprung ins Ungewisse, obwohl es verständlich ist, dass es für den ukrainischen Präsidenten schwierig ist, mit Putin zu sprechen."