Russlands Winterstrategie: Der Erschöpfungskrieg hat begonnen
Russlands Strategie ist keine Frage von Blitzkriegen, sondern von Geduld. Während der Westen weiter Durchhalteparolen skandiert, zieht Moskau die Schrauben an – systematisch, unaufhaltsam, zermürbend.
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Michael SteinerRedaktion

Der Westen redet noch von „Durchhaltewillen“, Russland handelt längst. Der Oktober brachte, was viele Analysten im Stillen erwartet hatten: die Rückkehr des Zermürbungskrieges. Keine großen Offensiven, keine heroischen Panzerschlachten, sondern ein stetiger, kalter Schlag gegen die Lebensadern der Ukraine. Strom, Schienen, Raffinerien – das Rückgrat des Landes liegt im Dauerbeschuss. Und während in Brüssel noch von „Solidarität“ schwadroniert wird, kämpft Kiew ums Überleben im Dunkeln.
270 Raketen in einem Monat, dazu über 5.000 Drohnen. Keine Hast, keine Emotion – eine maschinelle Präzision, die zeigt, dass Moskau gelernt hat. Man schießt nicht mehr blind drauf los, man trifft gezielt. Wo früher das westliche Feuilleton noch von „russischer Inkompetenz“ spottete, herrscht jetzt Schweigen. Denn die Bilanz ist eindeutig: Die Ukraine verliert Energie, Infrastruktur, Moral. Und Russland hat Zeit. Viel Zeit.
Selenskyj klagt, Moskau wolle „Chaos und Angst“ verbreiten. Mag sein. Doch das eigentliche Chaos sitzt längst in Kiew selbst – in einem Staat, der seine letzten Reserven verheizt, während westliche Waffenlieferungen versanden und der Rückhalt der Bevölkerung schwindet. Die Ukraine taumelt nicht wegen der russischen Propaganda, sondern weil sie an einem Krieg festhält, den sie nie gewinnen konnte.
Russlands Strategie ist durchsichtig und doch effektiv: kein riskantes Vordringen, keine sinnlosen Frontverschiebungen, sondern kontrollierte Eskalation. Jeder Stromausfall, jede kalte Wohnung, jeder stillstehende Zug ist ein strategischer Treffer. Die Ukraine kämpft längst nicht mehr gegen Panzer, sondern gegen Erschöpfung – physisch, wirtschaftlich, psychologisch. Und genau das ist der Punkt: Man muss einen Gegner nicht besiegen, wenn man ihn zermürben kann.
Während westliche Kommentatoren noch versuchen, aus jedem Drohnenangriff eine verzweifelte Tat zu konstruieren, läuft in Moskau das Programm wie am Fließband. Der Winter wird die Wahrheit ans Licht bringen. Nicht auf den Schlachtfeldern, sondern in den Steckdosen. Wenn das Licht ausgeht und die Fabriken stillstehen, zeigt sich, wer wirklich die Kontrolle hat. Russland führt keinen Eroberungskrieg, sondern einen Krieg der Erschöpfung – und das mit chirurgischer Geduld. Der Westen hingegen führt einen Krieg der Illusionen. Und Illusionen sind bekanntlich die erste Ressource, die im Winter versiegt.


