Moskau fordert Washington in dessen eigenen "Hinterhof" heraus, indem es den Mexikanern die Lieferung von Flüssiggas und Energietechnologien anbietet. Angesichts dessen, dass das Land stark von Energieimporten aus den Vereinigten Staaten angewiesen ist und seine eigene Ölindustrie wieder in Gang bringen möchte, dürfte dies ein Angebot sein, welches die mexikanische Regierung durchaus in Betracht ziehen könnte. Sollte Mexiko das Angebot annehmen, dürften sich die Spannungen mit dem nördlichen Nachbarn weiter verschärfen. Auch wenn die Monroe-Doktrin offiziell nicht mehr gilt, sieht man in Washington das Engagement Russlands und Chinas in Lateinamerika als Bedrohung der eigenen Interessen an - während man selbst in der direkten Nachbarschaft der anderen beiden Großmächte, in Eurasien und im Pazifik, aktiv ist. Wenn Russland energietechnisch tatsächlich in Zentralamerika Fuß fasst, wo bislang vor allem US-Unternehmen dominant sind, könnte dies auch das Gefühl des Wertewestens verstärken, dass die ganzen Sanktionen infolge des Ukraine-Krieges kaum etwas an der globalen Präsenz des russischen Energiesektors ändern. Mehr noch da Mexiko - nach dem BRICS-Mitglied Brasilien - der zweitwichtigste Handelspartner in Mittel- und Südamerika ist. Russland liefert unter anderem Düngemittel und Metalle an des zentralamerikanische Land. Mexiko erklärte unter anderem auch im Jahr 2022, dass es sich nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland beteiligen werde. Im vergangenen Jahr importierte das Land auch deutlich mehr Waren aus Russland. Der Wertewesten verliert offensichtlich immer mehr an Einfluss.