Adam Glapiński, Präsident der polnischen Zentralbank (NBP), sagte kürzlich in einem Interview, dass die Zentralbank plant, ihre Reserven bis 2022 um 100 Tonnen Gold aufzustocken. Ein deutliches Plus zu den derzeit rund 230 Tonnen, die die Notenbank bereits hält. Diese stellen momentan etwa 6,5 Prozent der gesamten Fremdwährungsreserven Polens dar. In etwa der gleiche Anteil wie jener Deutschlands oder der Vereiningten Staaten. Warum hält die Bank von Polen Gold? Kurz gesagt, so Glapiński, ist es eine Frage der finanziellen Sicherheit und Stabilität. "Gold wird seinen Wert auch dann behalten, wenn jemand dem globalen Finanzsystem den Strom abdreht und damit herkömmliche, auf elektronischen Buchführungsunterlagen basierende Vermögenswerte vernichtet. Natürlich gehen wir nicht davon aus, dass dies geschehen wird. Aber wie das Sprichwort sagt: Vorgewarnt ist immer versichert. Und die Zentralbank ist verpflichtet, auch auf die ungünstigsten Umstände vorbereitet zu sein. Deshalb sehen wir einen besonderen Platz für Gold in unserem Devisenmanagementprozess." Er fuhr fort, einige der Vorteile von Gold als Geldwert zu erörtern. "Schließlich ist Gold frei von Kreditrisiken und kann nicht durch die Wirtschaftspolitik eines Landes abgewertet werden. Außerdem ist es extrem langlebig, praktisch unzerstörbar." Eine Umfrage des World Gold Council ergab, dass das Vertrauen in den US-Dollar schwindet und der Trend zur Entdollarisierung anhält. "Die Befragten sehen weiterhin langfristige strukturelle Veränderungen im internationalen Währungssystem voraus und setzen damit einen Trend fort, der sich bereits in der letztjährigen Umfrage abzeichnete. Die Einschätzung des US-Dollars ist tendenziell rückläufig: Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass der Greenback unter seinen derzeitigen Wert fallen wird. Die Zentralbanken gehen weiterhin davon aus, dass der Anteil des chinesischen Renminbi zunehmen wird: 88 Prozent der Befragten sagen, dass er über das derzeitige Niveau hinaus wachsen wird." Glapiński wies darauf hin, dass dies einer der Gründe sei, warum Polen weiterhin Gold in seine Reserven aufnimmt. "Gold zeichnet sich durch eine relativ geringe Korrelation mit den wichtigsten Anlageklassen aus - insbesondere mit dem US-Dollar, der das Reservenportfolio der NBP dominiert -, was bedeutet, dass die Aufnahme von Gold in die Reserven das finanzielle Risiko bei der Anlage der Reserven verringert." Glapiński sagte, Umfang und Tempo künftiger Goldkäufe "werden unter anderem von der Dynamik der Veränderungen bei den offiziellen Währungsreserven und den aktuellen Marktbedingungen abhängen." Die Nettogoldkäufe der Zentralbanken beliefen sich Ende des dritten Quartals weltweit auf 393 Tonnen. Die Zentralbanken haben in diesem Jahr bereits mehr Gold gekauft als im gesamten Jahr 2020 (255 Tonnen), und es bleibt noch ein Quartal übrig. Der World Gold Council sagt, dass die Nettogoldkäufe "im Jahr 2021 eine beträchtliche Summe erreichen werden".