Angesichts stark steigender Energie- und anderer Kosten warnt die deutsche Getränkeindustrie vor einer drohenden Pleitewelle in den kommenden Monaten: Hunderte von Unternehmen der Bier- und Limonadenherstellung sind akut bedroht. "Die Kostensteigerungen für die Unternehmen haben längst ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Dies betrifft sowohl Handwerk und Mittelstand als auch die gesamte Branche", beklagten fünf Verbände in einer gemeinsamen Erklärung. Hauptursachen sind die hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie Logistikprobleme und CO2-Knappheit. CO2 ist ein wichtiger Bestandteil von Bier und anderen kohlensäurehaltigen Getränken. Diese steigenden Kosten bedrohen inzwischen Hunderte von Unternehmen, von denen viele schon Jahre vor der Coronavirus-Krise und dem aktuellen Inflationsschock mit dem drohenden Konkurs zu kämpfen hatten. "Ob Gas, Strom oder Treibstoff, ob Agrarrohstoffe, Verpackungen oder Logistik - übermäßige Kostensteigerungen, gepaart mit zunehmenden Störungen in der Lieferkette bis hin zu Lieferausfällen, überschreiten für viele Unternehmen der Getränkeindustrie die Belastbarkeitsgrenze", so die Gruppe der Branchenverbände. Viele Hersteller haben immer noch mit den Schwierigkeiten der Coronavirus-Krise zu kämpfen, die die Getränkeindustrie erschüttert hat. Restaurants, Gaststätten, Bars, Clubs und Hotels wurden geschlossen, was zu massiven Verlusten in einer Vielzahl von Sektoren führte, wobei die Getränkehersteller besonders stark betroffen waren. Infolgedessen haben die Unternehmen bereits ihre Kapitalreserven aufgezehrt, und nun ist die nächste Krise bereits da. Besonders betroffen sind die Hersteller von Bier, Mineralwasser und Limonade, für deren Produktion CO2 benötigt wird. Laut der Zeitung Die Welt melden die Fruchtsafthersteller derzeit zusätzliche Produktionskosten in Höhe von 120 Millionen Euro, während die Brauereien von einem Anstieg ihrer Kosten um fast 800 Millionen Euro sprechen. Diese Unternehmen und die sie vertretenden Verbände fordern nun ein Eingreifen der Bundesregierung und Strom- und Gaspreisobergrenzen, wie sie in anderen Ländern wie Belgien, Frankreich und Spanien eingeführt wurden. "Die Bundesregierung darf die Unternehmen in dieser Situation nicht allein lassen", schreiben die Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM), des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), des Verbandes Privater Brauereien Deutschland, des Verbandes der Fruchtsaftindustrie (VdF) und des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels. "Ohne schnelles staatliches Eingreifen und ohne wirksame Hilfen werden allein in der deutschen Getränkeindustrie Hunderte von Unternehmen und Tausende von Beschäftigten ihre Existenz verlieren." Die Verbände schreiben, dass die Getränkehersteller auch nicht einfach die Preise erhöhen können und verweisen auf die Verbraucher, die sich Preiserhöhungen kaum bis gar nicht leisten können, und auf die Tatsache, dass der Einzelhandel den größten Teil der Preissetzungsmacht hat. In anderen Branchen gibt es bereits Insolvenzen, darunter die ersten Bio-Supermärkte. Die Deutschen greifen zunehmend zu preisgünstigen Lebensmitteln und anderen Waren, nachdem die Lebensmittelpreise im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14 Prozent gestiegen sind, wie der Tagesspiegel berichtet. Dies hat dazu geführt, dass Bioläden und Reformhäuser zunehmend Marktanteile an billigere Einzelhändler verlieren. Bio-Supermärkte verzeichneten in der ersten Jahreshälfte einen Umsatzrückgang von 16,5 Prozent, Reformhäuser von 39,5 Prozent, so das Marktforschungsunternehmen GfK.