Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat offenbar beschlossen, den Gazastreifen vollständig zu besetzen – ein politischer und militärischer Wahnsinn, der selbst innerhalb der israelischen Führung auf scharfen Widerstand stößt. Doch Netanjahu lässt sich nicht beirren. Getrieben von Machtgier, Justizangst und religiös-nationalistischen Allmachtsfantasien führt er Israel und die Region immer weiter an den Rand des Abgrunds.
Das Handelsblatt berichtet, dass Netanjahu „den gesamten Gazastreifen erobern“ wolle – trotz klarer Warnungen aus dem eigenen Militär. Auch der Spiegel bestätigt: Das israelische Sicherheitskabinett diskutiere offen über eine dauerhafte militärische Präsenz in ganz Gaza – gegen den ausdrücklichen Rat der Generäle.
Generalstab warnt – Netanjahu hört nicht zu
Während die Armeeführung vor einem gefährlichen Besatzungskrieg warnt, zeigt sich Netanjahu beratungsresistent. Der Premier spricht inzwischen offen vom „totalen Sieg“ über die Hamas und davon, Gaza vollständig zu „neutralisieren“. In seiner Rede vor dem US-Kongress am 24. Juli 2024 sagte er wörtlich:
„We will fight until we destroy Hamas’s military capabilities and its rule in Gaza … That’s what total victory means, and we will settle for nothing less.“
(AP News, 24.07.2024)
Diese Rhetorik ist keine Strategie, sondern Größenwahn – gespeist aus religiöser Verblendung und politischer Verzweiflung. Netanjahu will nicht verhandeln, nicht deeskalieren, sondern Gaza auf Jahrzehnte hinaus unter israelische Kontrolle zwingen. Die Tagesschau berichtet, er wolle das Gebiet „dauerhaft entmilitarisieren“ und die Sicherheitskontrolle übernehmen – ein Euphemismus für Kolonialisierung im 21. Jahrhundert.
Ein Premier auf der Flucht vor sich selbst
Diese Eskalationspolitik ist vor allem eins: ein Ablenkungsmanöver. Netanjahu steht innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand. Die Korruptionsprozesse gegen ihn laufen weiter, das Vertrauen der Bevölkerung sinkt, Proteste gegen seine Justizreformen erschüttern das Land. In dieser Lage bleibt nur ein Ausweg: die Flucht nach vorn – in den Krieg. So sichert er sich Rückhalt bei den rechten Hardlinern, vertuscht das innenpolitische Chaos und verpasst sich selbst das Image des „starken Führers“.
Besatzung als Dauerzustand?
Doch was kommt nach dem „totalen Sieg“? Wer soll Gaza regieren, wenn die Hamas besiegt ist? Netanjahu gibt darauf keine Antwort. Oder besser: Seine Antwort lautet „Israel“. Die Vorstellung, zwei Millionen Palästinenser auf Dauer zu kontrollieren, ihre Bewegungen, ihre Wirtschaft, ihr Leben – sie ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch realitätsfern. Gaza würde zu einem offenen Gefängnis unter Dauerüberwachung – ein zweites Westjordanland, diesmal jedoch in Trümmern und mit viel größerer Wut.
USA und EU – Mitläufer in einem imperialen Projekt
Dass die USA diesen Kurs nicht nur dulden, sondern mitfinanzieren, spricht Bände. Während Washington gegenüber Russland oder China ständig mit dem Völkerrecht wedelt, schweigt es im Fall Israels eisern – oder klatscht gar Beifall. Auch Europa kuscht. Man übt sich in „Besorgnis“, statt Sanktionen zu beschließen oder die Waffenlieferungen auszusetzen. Die Doppelmoral des Westens ist längst systematisch – und in Gaza für jeden sichtbar.
Fazit:
Was Netanjahu betreibt, ist kein Krieg gegen den Terror – es ist ein ideologisch motivierter Eroberungsfeldzug, der nichts löst, aber alles zerstört: den Gazastreifen, Israels internationales Ansehen und jede Hoffnung auf Frieden. Und der Westen? Der schaut zu, schweigt – und macht sich mitschuldig.


