Ein führendes Wirtschaftsforschungsinstitut hat davor gewarnt, dass Deutschland im nächsten Jahr auf eine Rezession zusteuert. Die größte europäische Volkswirtschaft ist mit einer explodierenden Inflation infolge der sinkenden russischen Energielieferungen konfrontiert. Der am Montag veröffentlichte Bericht des Ifo-Instituts besagt, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2023 um 0,3 Prozent schrumpfen wird, was eine Senkung der Prognose um vier Prozentpunkte gegenüber einer früheren Vorhersage vom Juni bedeutet. Dem Bericht zufolge wird die Inflation in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich 8,1 Prozent und im nächsten Jahr 9,3 Prozent betragen. "Wir steuern auf eine Winterrezession zu", sagte Timo Wollmershaeuser, Leiter der Ifo-Prognose. Er fügte hinzu: "Die Kürzung der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preiserhöhungen beeinträchtigen die wirtschaftliche Erholung nach dem Coronavirus." Das Wirtschaftsforschungsinstitut warnte in dessen Bericht weiter, dass die bevorstehende Rezession auch zu einem starken Rückgang der realen Haushaltseinkommen und der Kaufkraft führen wird. Der russische Energieriese Gazprom stoppte Anfang September die Gaslieferungen nach Europa über die Nord Stream 1-Pipeline mit der Begründung, dass diese für eine unbestimmte Zeit repariert werden müsse. Die Abschaltung verschärfte die Energiekrise in Deutschland, das seit langem auf russisches Gas angewiesen ist. Allerdings scheint man beim ifo-Institut nicht in Erwägung zu ziehen, dass die hohen Energiepreise in den kommenden Monaten zu einer Insolvenzwelle führen könnten, die seit der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht mehr gesehen wurde. In solch einem Fall wären die 0,3 Prozent im Minus nicht haltbar und würden sich wohl eher in Richtung einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung von mehr als fünf Prozent bewegen. Immerhin nehmen jetzt schon die Betriebsschließungen und die Auslagerungen der Produktion zu.