Friedrich Merz wollte der große Wende-Kanzler sein – der bürgerliche Hoffnungsträger, der nach den bleiernen Scholz-Jahren endlich eine Kurskorrektur einleitet. Stattdessen stolpert er nach kaum 100 Tagen schon wie ein politischer Geisterfahrer über die Bühne. Was er hinterlässt, ist keine Aufbruchsstimmung, sondern eine Mischung aus Angstschweiß, Nervosität und planlosem Durchwursteln. Man könnte fast meinen, er habe sich Olaf Scholz als politisches Vorbild ausgesucht – nur eben mit einem CDU-Etikett und dem Zwang, ständig zu beweisen, dass er nicht heimlich konservativ ist.

In Wahrheit erlebt Deutschland gerade den beschleunigten Niedergang, und Merz schaut zu wie ein Schüler, der den Stoff nicht kapiert, aber mit wichtigem Gesichtsausdruck so tut, als sei alles im Griff. Dass er außenpolitisch gegen Russland stichelt, um innenpolitisch Stärke zu simulieren, ändert nichts daran, dass das Land ökonomisch taumelt. Die Industrie flieht, die Sozialkassen bluten aus, die Energiepreise ruinieren Unternehmen und Haushalte – doch Berlin redet sich ein, alles sei nur eine „vorübergehende Phase“.

Natürlich hat Merz eine denkbar schlechte Ausgangslage geerbt: Scholz’ Hinterlassenschaft war ein Scherbenhaufen. Aber statt die dringend nötige Rosskur einzuleiten, setzt er auf kosmetische Pflaster. Seine „Investitionsoffensive“ mit Steuererleichterungen im Promillebereich erinnert eher an einen Taschenspielertrick, während gleichzeitig 146 Milliarden Euro jährlich durch Bürokratie verbrannt werden. Die halbe Nation wird inzwischen von Verwaltungsbeamten, Formularhütern und Klimaaufsichtspersonal in Atem gehalten. Und Merz? Er wagt nicht einmal, die Schere anzusetzen.

Was bleibt, ist die Fortführung des grünen Deindustrialisierungskurses – nur eben unter CDU-Führung. Kein Bruch mit Brüssels ruinösem Green Deal, keine Rückkehr zur Kernenergie, keine realistische Energiepolitik. Während Investoren fliehen und die Strompreise explodieren, hält Merz eisern am ökologischen Dogma fest, als ginge es um eine Glaubensfrage. Und so steuert Deutschland auf die Rolle des „Rust Belt Europas“ zu, eine postindustrielle Service-Ökonomie mit angeschwollener Bürokratie und kollabierenden Sozialkassen.

Besonders grotesk wirkt, dass Merz’ Koalition sogar beim Bürgergeld weitermacht, als sei es ein deutsches Exportmodell. Während Milliarden in die Taschen von Zuwanderern fließen, die nie eingezahlt haben, wird das Renten- und Gesundheitssystem mit immer neuen Schulden künstlich beatmet. Merz verschärft damit genau jene Schieflage, die er eigentlich korrigieren müsste. Am Ende steht Deutschland mit einer Schuldenquote von 95 Prozent da – auf dem besten Weg, zu einem weiteren Problemfall der Euro-Zone zu werden.

Wer gehofft hatte, mit Merz käme ein Ende des rot-grünen Irrwegs, wird bitter enttäuscht. Stattdessen erleben wir eine Fortsetzung des Habeck-Kurses unter neuem Vorzeichen – eine Art schwarz getünchte Variante des grünen Wahnsinns. Die Lage schreit nach einem radikalen Schnitt: drastischer Bürokratieabbau, Ende des Green Deals, Neuanfang in den Beziehungen zu Moskau. Doch von all dem ist Merz Lichtjahre entfernt. Er will es allen recht machen – und endet damit als Kanzler, der weder Mut noch Richtung kennt.

So werden die 100 Tage Merz nicht als Aufbruch in Erinnerung bleiben, sondern als das, was sie sind: ein symptomatisches Stück deutscher Selbstauflösung. Wenn nichts Dramatisches geschieht, geht seine Kanzlerschaft in die Geschichtsbücher ein wie die eines Verwalters, der hilflos dabei zusah, wie das ökonomische Fundament von zwei Nachkriegsgenerationen in Rekordzeit verspielt wurde.