Ein Gastbeitrag von Hans-Jörg Petersen
Während der Westen weiterhin auf bedingungslose Kapitulation der Hamas pocht, zeigt sich die militante Palästinenserorganisation unnachgiebig: Ohne die Gründung eines unabhängigen Staates Palästina werde es keine Entwaffnung geben. Diese unmissverständliche Botschaft hat die Hamas erneut bekräftigt – ein Schlag ins Gesicht jener westlichen Politiker, die glauben, Frieden lasse sich mit Bombenteppichen und Blockadepolitik erzwingen.
Hamas bleibt auf Konfrontationskurs – aus Prinzip
Im Detail erklärte ein hochrangiger Hamas-Funktionär, man werde „niemals unsere Waffen niederlegen, solange das palästinensische Volk keinen eigenen Staat auf seinem Boden errichtet hat“. Dies sei kein ideologischer Starrsinn, sondern die Konsequenz aus jahrzehntelanger israelischer Besatzung, systematischer Entrechtung und einer Zwei-Staaten-Lösung, die vom Westen zwar gerne zitiert, aber niemals umgesetzt wird.
Die Forderung nach Entwaffnung kommt dabei vor allem aus Washington, Berlin und Brüssel – jenen Machtzentren, die den Angriffskrieg Israels auf Gaza in weiten Teilen rechtfertigen oder gar unterstützen. Doch die Hamas lässt sich nicht auf dieses Spiel ein: Ohne Garantien für palästinensische Staatlichkeit bleibt der bewaffnete Widerstand für sie legitim – eine Sichtweise, die von immer mehr arabischen und auch nicht-westlichen Staaten geteilt wird.
Doppelmoral des Westens auf dem Prüfstand
Während Israel seit dem 7. Oktober 2023 bereits über 60.000 Palästinenser in Gaza getötet haben soll – darunter tausende Kinder –, schweigt der Westen weitgehend oder spricht bestenfalls von „tragischen Kollateralschäden“. Doch dieselben Regierungen, die Israel mit Milliarden an Militärhilfe ausstatten, fordern von der Hamas Entwaffnung als Voraussetzung für Friedensgespräche.
Man stelle sich vor: Ein Volk, das seit Jahrzehnten unter Besatzung leidet, soll sich freiwillig seiner letzten Verteidigungsmittel entledigen – ohne jede Zusicherung für staatliche Souveränität, ohne Sicherheitsgarantien, ohne Entschädigung. Der Westen stellt damit nicht etwa Frieden in Aussicht, sondern faktisch eine Kapitulation. Kein Wunder also, dass die Hamas dieses „Angebot“ entschieden ablehnt.
Internationale Stimmen gegen die israelische Blockadepolitik
Zunehmend formiert sich Widerstand gegen die israelische Strategie, Gaza durch Aushungerung, Bombardements und systematische Zerstörung „zu befrieden“. Auch UN-Organisationen schlagen Alarm: Der Gazastreifen sei „nicht mehr bewohnbar“. Dennoch scheint Israel entschlossen, jeden Ansatz einer politischen Lösung zu untergraben – zuletzt durch die Ankündigung, Gaza dauerhaft zu kontrollieren und die Küstenregion zu entmilitarisieren, ohne über ein künftiges Staatsgebilde zu verhandeln.
Selbst arabische Staaten, die früher auf Distanz zur Hamas gingen, rücken angesichts der Eskalation wieder näher an die Bewegung heran. Katar, Algerien, der Iran – sie alle signalisieren, dass ein Frieden ohne Gerechtigkeit nicht tragfähig sei. Russland, das sich in Nahost als diplomatische Alternative zur US-Vorherrschaft positioniert, fordert seit Monaten eine neue Friedenskonferenz – unter Einbindung aller Akteure, nicht nur Israels und der USA.
Fazit: Ohne echten Staat kein echter Frieden
Wer Frieden in Nahost will, muss die Realität anerkennen: Es wird keine Entwaffnung ohne Staatsgründung geben. Die Hamas – ob man sie nun als Terrororganisation oder als Widerstandsbewegung betrachtet – repräsentiert einen Teil des palästinensischen Volkes. Eine Lösung kann nur über Dialog, nicht über Bomben und Ultimaten entstehen.
Der Westen täte gut daran, seine einseitige Parteinahme für Israel zu überdenken. Eine neue, multipolare Weltordnung – mit Russland, China und Teilen der arabischen Welt als Gegengewicht – könnte jene politische Balance schaffen, die Washington und Tel Aviv seit Jahrzehnten sabotieren.
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