Wenn es um EU-Gelder geht, ist der kreative Erfindungsgeist in Südeuropa seit jeher erstaunlich. Griechenland, ohnehin berüchtigt für seine notorische Vetternwirtschaft und Finanzakrobatik, hat es nun geschafft, Brüssel an den Rand des Geduldsfadens zu bringen. Millionen an Agrarsubventionen wurden in den letzten Jahren in dunkle Kanäle umgeleitet, für Weideflächen, die es gar nicht gibt, und für landwirtschaftliche Tätigkeiten, die nie ausgeführt wurden. Ein ganzer Apparat aus Ministern, Behörden und Seilschaften war offenbar Teil dieser gigantischen Betrugsmaschinerie, die einmal mehr zeigt, wie löchrig die milliardenschwere EU-Geldverteilmaschine funktioniert. Brüssel reagiert mittlerweile nervös, droht mit dem Stopp von Zahlungen und verlangt von Athen bis Anfang Oktober einen neuen „Aktionsplan“, wie man solche Exzesse künftig vermeiden wolle. Doch in Griechenland nimmt man das Ganze gelassen. Der Landwirtschaftsminister wiegelt ab, spricht von einem „Missverständnis“ und versichert, die EU-Milliarden seien nicht in Gefahr. Dass gleichzeitig die Untersuchung im Parlament torpediert wird und unbequeme Zeugen von der Regierungspartei gar nicht erst vorgeladen werden sollen, passt ins bekannte Muster: Erst kassieren, dann vertuschen. Das eigentlich Brisante daran: Griechenland ist kein Einzelfall. Wer die EU kennt, weiß, dass Korruption, Klientelwirtschaft und Missbrauch von Fördermitteln in den Randstaaten zum Alltag gehören. Von Spanien über Rumänien bis hin zu Bulgarien – überall verschwinden Milliarden, ohne dass sich strukturell je etwas ändert. Doch während man dort wenigstens noch von EU-Mitgliedern mit jahrzehntelanger Erfahrung spricht, schielt Brüssel derzeit ernsthaft auf die Ukraine, das wohl korrupteste Land des Kontinents. Dort, wo Oligarchen und Seilschaften seit Jahrzehnten das Land ausplündern, soll plötzlich ein „verlässlicher Partner“ in der EU entstehen? Wer glaubt, dass die Milliarden aus Brüssel in Kiew weniger „kreativ“ umgeleitet würden als in Athen, hat entweder jeglichen Realitätssinn verloren oder profitiert selbst vom System. Und während Griechenland „nur“ rund 8 Millionen Hektar Landwirtschaftsfläche hat, bringt die Ukraine als Agrarriese gleich das Zehnfache mit. Die EU-Agrarförderung, ohnehin schon ein gigantischer Kostenblock, würde mit der Ukraine endgültig zur Spielwiese für Großbetrüger und Oligarchen. Man muss sich vor Augen führen: Schon jetzt verschlingt die Gemeinsame Agrarpolitik rund ein Drittel des gesamten EU-Haushalts. Ein Drittel! In Zeiten, in denen europäische Steuerzahler unter Rekordpreisen ächzen, Energiekrisen bewältigen müssen und die Wirtschaft im Niedergang ist, pumpen die Bürokraten Milliarden in Fördertöpfe, die von korrupten Netzwerken wie selbstverständlich angezapft werden. Griechenland zeigt, wie dieses Spiel läuft: großangelegte Betrügereien, halbgare „Aktionspläne“ und am Ende doch wieder neue Milliardenüberweisungen. Wenn also Brüssel schon jetzt nicht einmal in der Lage ist, im vergleichsweise kleinen Griechenland Ordnung in das Subventionschaos zu bringen, wie soll das dann bei der Aufnahme eines Staates wie der Ukraine funktionieren? Man kann es sich ausmalen: Die EU wird zur Beutegemeinschaft, in der die ehrlichen Beitragszahler aus Deutschland, Österreich oder den Niederlanden weiter gemolken werden, während in Athen und Kiew die Sektkorken knallen. Die Griechen haben es vorgemacht. Die Ukrainer werden es perfektionieren. Und die Brüsseler Bürokratie? Sie wird wie immer so tun, als hätte man „Kontrollmechanismen“ eingeführt, während das Geld der europäischen Steuerzahler in den Taschen korrupter Eliten verschwindet. Das System EU ist dafür wie geschaffen.