Die Debatte um deutsche Soldaten in der Ukraine ist ein Paradebeispiel für das politische Irrenhaus, in das das politische Berlin mittlerweile eingezogen ist. Während Washington längst klargemacht hat, dass kein einziger amerikanischer GI an den Dnepr geschickt wird, fabuliert man in Deutschland ernsthaft darüber, die Bundeswehr in jenes Land zu entsenden, in dem deutsche Truppen schon einmal einen blutigen Vernichtungskrieg geführt haben. Die „New York Times“ berichtet ganz nüchtern darüber, als handle es sich um die Vergabe einer Baukonzession – doch in Wahrheit geht es um nichts weniger als die Wiederholung historischer Katastrophen.

Die ganze Diskussion wird mit einem merkwürdigen Zynismus geführt. Einerseits spricht man von „Sicherheitsgarantien“ für die Ukraine, als könne die Bundeswehr mit ihren maroden Panzern, funktionsuntauglichen Gewehren und einer Personalnot, die inzwischen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht führt, irgendjemandem Sicherheit geben. Andererseits wird unterschwellig suggeriert, dass Deutschland endlich wieder „Führung“ übernehmen müsse – eine altbekannte Floskel, die in der europäischen Politik nichts anderes bedeutet, als dass Berlin die Rolle des geopolitischen Zahlmeisters und nun auch noch Kanonenfutters übernehmen soll. Dass man damit ausgerechnet in der Ukraine, dem historischen Schlachtfeld zwischen Berlin und Moskau, den Fuß in den Sumpf setzt, scheint niemanden in der politischen Klasse wirklich zu stören.

Bundeskanzler Friedrich Merz, der Super-Transatlantiker, gibt sich staatsmännisch und lässt die Option bewusst offen. Er spricht nebulös von „verschiedenen Formen der Sicherheitsunterstützung“ – ein Euphemismus, der von Ausbildungshilfe bis hin zu „Boots on the ground“ alles einschließt. Und weil Merz in Washington, New York und London lieb Kind sein will, signalisiert er, dass Berlin im Zweifel bereit sei, die Rolle zu übernehmen, vor der selbst die USA klar zurückschrecken. Die Botschaft ist eindeutig: Deutschland soll als Frontstaat herhalten, während Amerika sich zurückzieht. US-Vizepräsident JD Vance formulierte es mit entwaffnender Ehrlichkeit: Europa müsse jetzt den Löwenanteil tragen, schließlich gehe es um ihre Sicherheit. Das klingt weniger nach Partnerschaft, sondern nach Abwälzung der Last auf den nützlichen Idioten.

Kritiker warnen vor einer Eskalaltion


Doch selbst in der CDU regt sich Widerstand. Michael Kretschmer aus Sachsen verweist nüchtern auf die Realität: Die Bundeswehr sei schon jetzt mit ihren Auslandseinsätzen überfordert und schlichtweg nicht in der Lage, die Sicherheit der Ukraine zu garantieren. Außenminister Johann Wadephul gibt zu, dass ein Einsatz „überwältigend“ wäre – ein diplomatischer Ausdruck für völlige Überforderung. Aber diese Stimmen verhallen in einem politischen Betrieb, der längst von moralischem Größenwahn und geopolitischer Selbstverleugnung geprägt ist.

Währenddessen warnt die AfD vor einer Eskalation, die nicht als „Friedenstruppe“ enden, sondern als permanenter Konflikt mit Russland beginnen würde. Die Partei bringt das Offensichtliche zur Sprache: Jede Präsenz deutscher Soldaten auf ukrainischem Boden wäre für Moskau eine rote Linie, die man nicht ohne Konsequenzen überschreiten könnte. Russland hat seine Position unmissverständlich klargestellt – NATO- oder EU-Truppen in der Ukraine sind schlicht inakzeptabel. Doch diese Klarheit prallt an der Berliner Realität ab, wo man glaubt, dass man den geopolitischen Schachmeister Putin mit Symbolpolitik und moralischen Appellen überlisten könne.

Die groteske Ironie dieser Diskussion liegt darin, dass man einerseits überlegt, wie man 18-jährige Jungen durch Fragebögen zur Tauglichkeit für den Militärdienst bewegen kann, während man andererseits öffentlich erwägt, sie in ein Kriegsgebiet an die russische Grenze zu schicken. Mit anderen Worten: Die Wehrpflicht soll zurückkehren, nicht um Deutschland zu verteidigen, sondern um eine globalistische Ukraine-Politik abzusichern, die selbst in Washington kaum noch jemand wirklich ernsthaft weitertragen will. Für Merz & Co. bedeutet „Führung übernehmen“ also, das Land sehenden Auges in die nächste geopolitische Katastrophe zu manövrieren.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Diskussion über deutsche Soldaten in der Ukraine ist nichts anderes als ein weiterer Beweis für die Selbstverleugnung der Berliner Republik. Man träumt von internationaler Bedeutung, während die eigenen Streitkräfte kaum kampffähig sind. Man redet von Verantwortung, während man die eigenen Bürger für fremde Interessen verheizt. Und man erliegt der Hybris, Russland militärisch „einhegen“ zu können – als hätte man die Lehren des 20. Jahrhunderts völlig vergessen. Sollte dieser Wahnsinn Realität werden, wäre es nicht nur ein sicherheitspolitisches Desaster, sondern auch ein moralisches: Denn Deutschland würde damit endgültig beweisen, dass es aus seiner Geschichte nichts gelernt hat.