Es war die wohl folgenreichste Propagandaparole der jüngeren Geschichte: "Folge der Wissenschaft" - "Follow the Science". Ein Satz, der während der Covid-Jahre wie eine moralische Waffe eingesetzt wurde, um Widerspruch zu delegitimieren, abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen und eine vermeintliche Einheitsmeinung als objektive Wahrheit zu verkaufen. Doch was unter diesem Schlagwort tatsächlich stattfand, war keine Wissenschaft, sondern ihr Gegenteil: die Heiligsprechung von Modellen, Meinungen und Machtinteressen. Paul D. Thacker beschreibt in seinem aktuellen Beitrag bei The Daily Economy, wie dieses Dogma das Vertrauen in die Wissenschaft nachhaltig zerstört hat - und warum es kein Zurück in die Zeit davor gibt. Die "Pandemie", so Thacker, habe den modernen Menschen aus dem sicheren Orbit der Vernunft geschleudert und in eine fremde Sphäre des Irrationalen katapultiert. Auf einmal galt nicht mehr die nüchterne Beobachtung, nicht mehr das Abwägen von Hypothesen, sondern das bedingungslose Befolgen von Anordnungen. Wer hinterfragte, galt als Feind. Wer zweifelte, als Ketzer. Der Spruch "Folge der Wissenschaft" wurde zur religiösen Formel einer technokratischen Glaubensgemeinschaft, deren Hohepriester zwischen Gesundheitsministerien, Talkshows und Social-Media-Accounts pendelten - flankiert von jenen Journalisten, die früher einmal der Wahrheit verpflichtet waren, nun aber nur noch als Kanzelredner einer neuen Orthodoxie fungierten. Thacker stützt sich in seiner Analyse auf die Recherchen des Journalisten David Zweig, dessen Buch An Abundance of Caution ein erschütterndes Protokoll der wissenschaftlichen Entgleisung darstellt. Zweig dokumentiert, wie politische Entscheidungsträger während der ganzen Corona-Zeit jede echte Evidenz ignorierten, während sie sich hinter Modellen und mathematischen Konstruktionen verschanzen, die mehr über die Ängste und Ideologien ihrer Schöpfer verrieten als über das Virus selbst. Besonders aufschlussreich ist sein Befund, dass schon im Februar 2020 belastbare Daten aus China und der WHO vorlagen, wonach Kinder kaum betroffen waren - und dennoch wurden Schulen monatelang geschlossen und ein Maskenzwang auferlegt, mit verheerenden Folgen für Bildung, Psyche und soziale Entwicklung. Damit war der Grundstein für eine neue Form von Wissenschaftspolitik gelegt, die nicht mehr der Erkenntnis, sondern der Kontrolle dient. Die Devise lautete: Unsicherheit ist gefährlich, also wird sie beseitigt - notfalls durch Zensur, Ausgrenzung oder einfach durch Lügen. Statt Hypothesen zu prüfen, wurden sie moralisch bewertet. Statt offene Diskussionen zu fördern, errichtete man einen Diskurskäfig. Thacker beschreibt diesen Prozess als schleichende "Entfremdung von der Logik", eine kollektive Regression, in der die Fassade der Rationalität gewahrt blieb, während der Geist der Wissenschaft systematisch ausgehöhlt wurde. Zweig zeigt, wie politische Interessen und akademische Eitelkeit eine unheilige Allianz eingingen. Forscher, die früher in Fußnoten verschwanden, stiegen über Nacht zu Fernsehstars auf. Sie gaben sich als Verkörperung der Vernunft, während sie zugleich jede abweichende Stimme diffamierten. Medienhäuser, die früher einmal den Anspruch hatten, Macht zu kontrollieren, fungierten nun als Multiplikatoren einer von Angst getriebenen Staatskommunikation. Eine Analyse von 20.000 Artikeln ergab, dass die US-Medien während der Pandemie rund doppelt so negativ berichteten wie ausländische Medien - ein Indiz dafür, dass Angst nicht nur verkauft, sondern politisch gewollt war. Das zentrale Problem lag nicht allein in den Fehlern der Entscheidungsträger, sondern in der strukturellen Verschmelzung von Wissenschaft, Politik und Medien zu einem geschlossenen Machtkomplex. Was einst getrennte Sphären waren - Forschung, Berichterstattung, Politikgestaltung - wurde zu einem einzigen Resonanzraum, in dem Zweifel als Blasphemie galt. Thacker schildert eindrücklich, wie selbst Forscher, die berechtigte Kritik an der Maskenpolitik oder an den Modellierungen äußerten, systematisch ignoriert oder stigmatisiert wurden. Besonders grotesk: Die CDC veröffentlichte Studien mit massiven methodischen Mängeln, die dennoch als Grundlage der sogenannten Pandemiepolitik dienten. Zweig konnte belegen, dass Schulen in der untersuchten Stichprobe teilweise gar nicht geöffnet waren - doch die Studie wurde weder zurückgezogen noch korrigiert. Damit ist die entscheidende Lehre dieser Pandemie benannt: Das Vertrauen in "die Wissenschaft" wurde nicht von Kritikern zerstört, sondern von jenen, die sie für ihre Zwecke instrumentalisierten. Wissenschaft ist kein Besitz, kein Dekret, kein Dogma - sie ist eine Methode, die Zweifel nicht fürchtet, sondern voraussetzt. Indem Regierungen, Medien und Konzerne sie zu einer politischen Religion umformten, haben sie ihr Fundament verraten. Thacker bringt es auf den Punkt: Die Modelle, auf die man sich stützte, waren keine Kristallkugeln, sondern Glaubensbekenntnisse. Sie begründeten Maßnahmen, deren soziale, psychologische und ökonomische Schäden noch Jahrzehnte spürbar bleiben werden. Die Wissenschaft, einst Symbol der Aufklärung, wurde zur moralischen Waffe gegen die Aufklärung selbst. Wer heute fragt, warum Kinder isoliert, Existenzen zerstört und Gesellschaften gespalten wurden, trifft auf das gleiche Schweigen wie damals - nur dass nun immer weniger Menschen "der Wissenschaft“ folgen, sondern ein Misstrauen äußern. Dieses Misstrauen ist nicht das Problem, sondern die Folge einer beispiellosen Täuschung. Es ist die rationale Reaktion auf eine Epoche, in der sich sogenannte "Experten" wie Propheten gebärdeten, während sie zugleich ihre eigenen Irrtümer vertuschten. Zweig und Thacker haben gezeigt, dass es keine Rückkehr in die alte Normalität geben wird – und auch nicht geben darf. Denn das, was wir in den Corona-Jahren erlebt haben, war keine vorübergehende Verirrung, sondern die Offenbarung eines tieferliegenden Systemfehlers: einer Wissenschaft, die sich längst von der Wahrheitssuche zur Dogmenmaschinerie entwickelt hat. Das Ergebnis ist ein Trümmerfeld aus beschädigtem Vertrauen und ruinierter Glaubwürdigkeit. Die Institutionen, die einst als Stützen der Vernunft galten, haben sich selbst diskreditiert, indem sie politische Loyalität über wissenschaftliche Redlichkeit stellten. Die Folge ist ein dauerhafter Vertrauensbruch, der sich nicht mit PR-Kampagnen oder nachträglichen Rechtfertigungen heilen lässt.