Von Stefan Obermayer
Während sich die Funktionäre in Brüssel schon wieder selbst auf die Schulter klopfen, weil sie angeblich eine „strategische Energiesicherheit“ geschaffen haben, warnen Fachleute seit Wochen vor genau dem, was die EU-Propaganda verschweigt: Die Gasversorgung für den kommenden Winter steht auf tönernen Füßen. Ein aktueller Bericht des Europäischen Netzwerks der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSOG) gibt zwar offiziell Entwarnung, doch ein Blick hinter die wohlklingenden Phrasen offenbart das Gegenteil.
🇩🇪EXTREMELY LOW GAS STORAGE:
- The filling levels of German gas storage facilities are 76% - Last year, it was 98.3% at this time - With a share of around 56 percent, gas heating is the most widespread type of heating in this country. - In October, the new heating season… pic.twitter.com/wHYhhUY7cB — Lord Bebo (@MyLordBebo) October 14, 2025
Die Gasspeicher der EU sind laut ENTSOG zu 83 Prozent gefüllt. Das klingt auf den ersten Blick nach Stabilität – bis man sich die Vergleichszahlen ansieht. Im Vorjahr lag der Füllstand zu diesem Zeitpunkt bei satten 95 Prozent, also zwölf Prozentpunkten mehr. Der Zehnjahresdurchschnitt beträgt 89,4 Prozent. Wir sprechen also nicht von einer Kleinigkeit, sondern von einem strukturellen Rückgang, der europaweit für Unruhe sorgt. Der polnische Gasanalyst Tomasz Włodek bringt es nüchtern auf den Punkt: „Der Speicherstand ist signifikant niedriger als im Vorjahr und liegt unter dem langjährigen Mittel. Mit Blick auf die Wetterprognosen dürfte das Maximum dieses Jahr nicht über 85 Prozent steigen.“ Im Klartext: Europa geht mit einer massiven Schwäche in den Winter – und redet sich die Lage schön.
Poziom napełnienia magazynów gazu ziemnego w UE wynosi 83% i jest wyraźnie niższy od zeszłorocznego (95%) oraz niższy od średniej wieloletniej (89,4%). Uwzględniając wstępne prognozy pogody maksymalny poziom napełnienia raczej nie przekroczy 85%. #gaz #natgas #EU #storage pic.twitter.com/tb6a9m0mjX
— Tomasz Włodek (@TomaszWlodek) October 14, 2025
Besonders düster sieht es in Deutschland aus, dem Land, das einst dank russisch-sibirischer Pipelines über eine der stabilsten Energieversorgungen der Welt verfügte, bevor sich Berlin von Ideologie und Sanktionswut den Verstand vernebeln ließ. Die deutschen Speicher liegen aktuell nur bei 76 Prozent Füllstand – im Vorjahr waren es 98,3 Prozent. Fast ein Viertel weniger. Und das in einem Land, in dem 56 Prozent aller Haushalte mit Gas heizen. Mitte Oktober hat die Heizsaison begonnen, die Speicherstände sinken ab sofort täglich. Ein harter Winter würde hier nicht nur die Energiepreise explodieren lassen, sondern schlicht die Versorgungssicherheit gefährden.
Natürlich behauptet ENTSOG im PR-Stil der EU-Bürokratie, Europa sei „resilient“ und könne dank LNG jederzeit ausgleichen. Ein ebenso durchsichtiger wie gefährlicher Mythos. LNG – verflüssigtes Erdgas aus Tankern – ist kein verlässlicher Ersatz für Pipelinegas. Die Abhängigkeit von Spotmärkten ist hochriskant, die Transportketten sind fragil und die Infrastruktur längst nicht so ausgebaut, wie Brüssel behauptet. Nach dem Wegfall großer russischer Lieferungen hat Europa nur eine vermeintliche Alternative gefunden: extrem teures amerikanisches Frackinggas und unzuverlässige Lieferungen aus Katar. Das ist keine Energiepolitik, das ist ein Notverband auf einer offenen Wunde.
Same in The Netherlands. 😐 pic.twitter.com/j1WF3cWcts
— Dendemen🐭 (@Dendemen1) October 14, 2025
Hinzu kommt ein weiteres Problem, das aus politischen Gründen kaum thematisiert wird: Seit dem Energiekrieg gegen Russland ist Europa in eine fatale Preisspirale geraten. Die niederländischen TTF-Gasfutures bewegen sich seit Monaten zwischen 30 und 35 Euro pro Megawattstunde und liegen damit weit über dem Niveau vor 2021. Jeder Kälteeinbruch, jede geopolitische Störung, jeder Streik an einem LNG-Terminal – und die Preise schnellen nach oben wie eine Rakete. Mit anderen Worten: Wir sitzen auf einem Pulverfass mit Frostgarantie.
Doch statt das Problem ehrlich zu benennen, beschränkt sich die EU-Kommission darauf, die Lage schönzureden und auf „Solidarität“ im Binnenmarkt zu setzen. Heißt: Wenn Deutschland friert, sollen die Nachbarn liefern. Wenn Italien oder Österreich in die Knie gehen, soll Deutschland saftige Industrieproduktion abgeben. Energieknappheit wird zur politischen Umverteilungsshow gemacht. Wer am lautesten schreit, kriegt das Gas. Der Preis dafür ist absehbar: eine weitere Zerstörung europäischer Wettbewerbsfähigkeit, ein extremer Anstieg der Inflation bei der Energie und eine soziale Krise, die sich bereits am Horizont abzeichnet.
Es ist kein Zufall, dass die Energiedebatte in Europa von Wunschdenken dominiert wird. Man hat sich ideologisch eingemauert: Raus aus Öl, raus aus Gas, raus aus Kohle, raus aus Atomkraft – dafür rein in eine wetterabhängige Stromlotterie aus Windrädern und Solarpaneelen. Was fehlt, sind Realismus, Technologieoffenheit und pragmatische Strategien wie langfristige Verträge, stabile Partnerschaften und der Ausbau eigener Reserven. Stattdessen hält man sich an eine Märchengeschichte von „grüner Transformation“ fest, die spätestens im nächsten Schneesturm einfrieren wird.
Die Wahrheit ist simpel und brutal: Europa geht schlecht vorbereitet in diesen Winter. Niemand weiß, wie tief die Temperaturen fallen werden. Doch eins ist sicher: Je kälter der Winter, desto heißer wird die energiepolitische Krise. Und je härter die Realität, desto lauter die Ausreden in Brüssel.
Am Ende bleibt die bittere Frage: Ist das noch Inkompetenz – oder schon Sabotage einer ganzen Volkswirtschaft?



