Betrachten wir nüchtern die Bilanz der US-geführten Interventionen im Nahen Osten seit den 1980er Jahren. Was haben sie uns Europäern gebracht? Instabilität an unseren Grenzen, Flüchtlingsströme und die ständige Bedrohung durch Terrorismus. Während Washington seine geopolitischen Schachzüge spielt, zahlen wir den Preis.
Besonders zynisch mutet die Art und Weise an, wie die USA ihre "Verbündeten" behandeln. Heute Freund, morgen Feind - dieses Spiel haben wir zur Genüge beobachtet. Von den Taliban bis zu Saddam Hussein, die Liste der ehemaligen US-Verbündeten, die später zu Feinden erklärt wurden, ist lang. Wer garantiert uns, dass wir Europäer nicht die nächsten sind, die fallengelassen werden, sobald es den amerikanischen Interessen dient?
Die Rechtfertigung für Kriege und deren Verlängerung ist ein weiteres Kapitel der Scheinheiligkeit. Erinnern wir uns an die Lüge von den Massenvernichtungswaffen im Irak - eine Lüge, die auch von europäischen Regierungen bereitwillig übernommen wurde. Und während wir uns in endlose Konflikte wie in Afghanistan verstrickten, flossen Milliarden in den militärisch-industriellen Komplex - Geld, das in unseren eigenen Ländern dringend für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur benötigt worden wäre.
Das Ergebnis dieser Politik ist für Europa verheerend: Statt Frieden und Stabilität in unserer Nachbarschaft zu schaffen, haben wir zur Destabilisierung ganzer Regionen beigetragen. Der Terrorismus, den wir zu bekämpfen vorgaben, hat sich vervielfacht. Wo einst wenige hundert Al-Qaida-Kämpfer und IS-Extremisten operierten, gibt es heute Zehntausende in zahlreichen Ländern - viele davon direkt vor unserer Haustür.
Auch innerhalb Europas spüren wir die Auswirkungen dieser fehlgeleiteten Politik. Unsere Werte der Offenheit und Toleranz werden durch die Angst vor Terror untergraben. Bürgerrechte werden im Namen der Sicherheit beschnitten, und der Ruf nach einem starken Staat wird lauter. Ist das die Gesellschaft, die wir uns für Europa wünschen?
Es wird höchste Zeit, dass wir Europäer aufwachen und uns von diesem Wahnsinn distanzieren. Die USA haben jeden einzelnen ihrer selbst angezettelten Kriege im Nahen Osten verloren - mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Länder und für uns. Wir müssen aufhören, den Washingtoner Falken als willige Erfüllungsgehilfen zu dienen.
Stattdessen sollten wir uns auf unsere eigenen Stärken besinnen: Diplomatie, Soft Power und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Europa hat die Fähigkeit, als unabhängiger und friedensstiftender Akteur auf der Weltbühne aufzutreten. Lasst uns gemeinsam Druck auf unsere Politiker ausüben, um eine eigenständige europäische Außenpolitik zu etablieren - eine Politik des Friedens, der Verständigung und der echten Zusammenarbeit.
Die Zukunft Europas und der Welt hängt davon ab, dass wir den Mut finden, uns von der desaströsen US-Außenpolitik zu emanzipieren. Nur so können wir unsere Werte bewahren und gleichzeitig eine stabilere, gerechtere Weltordnung schaffen. Es ist an der Zeit, dass Europa aufsteht und seine eigene Stimme in der Welt findet - unabhängig von den Kriegstrommeln, die in Washington geschlagen werden.


