EU profitiert von billigem russischen Öl
Daten zeigen, dass Russland mehr Rohöl nach Europa liefert, als vor den Sanktionen.
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Contra24 RedaktionRedaktion

Die Lieferung von russischem Öl in die Europäische Union stieg zwischen Januar und April um 14%, von 750.000 auf 857.000 Barrel pro Tag, berichtete "RT International" unter Berufung auf "The Economist". Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, zu dem Brüssel dazu aufruft, die Energieimporte aus dem Land vollständig zu stoppen.
Dem Bericht zufolge gilt das jüngste EU-Embargo gegen russisches Öl nur für Rohöl und Erdölprodukte auf dem Seeweg und deckt derzeit nur 75 % der Importe aus Moskau ab. Öl, das über Pipelines in eine Handvoll Länder in Mittel- und Osteuropa geliefert wird, ist dem Bericht zufolge vorübergehend ausgenommen. "Die Raffinerien in diesen Ländern kaufen billiges russisches Rohöl, das die meisten westlichen Abnehmer meiden.
Deutschland ist das einzige Empfängerland, das die Importe über die russische Druschba-Pipeline seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine reduziert hat, wie Daten zeigen. Die Druschba, eines der längsten und größten Ölpipelinenetze der Welt, transportiert den Energieträger über 4.000 Kilometer aus dem östlichen Teil des europäischen Russlands zu Raffinerien in der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn, Polen und der Slowakei. Im Januar erhielt Berlin die Hälfte des Druschba-Öls, im April nur noch ein Drittel.
Die Tschechische Republik und die Slowakei befürworten ein mögliches Verbot der Einfuhren über Druschba, wollen aber eine zwei- bis dreijährige Anpassungszeit. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat sich unterdessen gegen ein vollständiges Verbot russischer Öleinfuhren ausgesprochen, da dies die Wirtschaft seines Landes wie eine "Atombombe" treffen würde.
Dem Bericht des Economist zufolge besteht für die Raffinerien kaum ein finanzieller Anreiz, auf russische Lieferungen zu verzichten", während das Ural-Rohöl deutlich unter dem internationalen Referenzwert Brent gehandelt wird. Raffinerien, die über die Pipeline importieren, kauften es mit einem Abschlag von bis zu 40 Dollar pro Barrel im Vergleich zu Nordseeöl im letzten Monat.
"Die Staats- und Regierungschefs der EU bestehen darauf, dass die Druschba-Ausnahme erneut geprüft wird. In der Zwischenzeit dürfte die Pipeline die europäischen Freundschaften auf die Probe stellen", heißt es in dem Bericht.


