Die Europäische Steuerzahlervereinigung hat nun offiziell Beschwerde gegen die ehemaligen EU-Kommissare Frans Timmermans und Virginijus Sinkevičius eingereicht. Der Vorwurf: Milliarden wurden ohne ausreichende Kontrolle an NGOs vergeben, die damit nicht nur das Europäische Parlament beeinflussten, sondern auch gezielt gegen private Unternehmen prozessierten. Die Ermittlungen laufen – und der Skandal zieht immer weitere Kreise.

Die Schattenlobby der EU

Zwischen 2019 und 2023 flossen laut Subventionsregister der Patriots Group im Europäischen Parlament insgesamt 17 Milliarden Euro an 37.000 NGOs und Lobbygruppen. Die Dimensionen sind beispiellos. Besonders brisant: 7 Milliarden Euro davon wurden offenbar ohne jede Kontrolle vergeben. Die Empfänger? Organisationen, die im Auftrag der Kommission gegen Kohlekraftwerke, Pestizide und das Mercosur-Abkommen kämpften – und damit direkt in politische Entscheidungsprozesse eingriffen.

Die Europäische Kommission hat längst eingeräumt, dass „unbefugte Lobbyaktivitäten“ mit EU-Geldern finanziert wurden. Im Juni beschloss das Europäische Parlament deshalb die Einrichtung einer Sonderarbeitsgruppe, die die Finanzierung von NGOs untersuchen soll. Doch der Widerstand ist groß: Sozialisten, Grüne und Linke stimmten gegen mehr Kontrolle. Die Frage nach der demokratischen Legitimation solcher Praktiken bleibt unbeantwortet.

Die Verträge zwischen Kommission und NGOs sind alles andere als transparent. Zwar sind die Summen im EU-Transparenzregister einsehbar, doch die Inhalte der Vereinbarungen bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Journalisten berichten von Dokumenten, die nur unter strengen Auflagen und mit Wasserzeichen einsehbar sind – Drucken, Fotografieren oder gezieltes Suchen ist verboten. Die Kommission spricht von „Finanzierungsvereinbarungen“, doch im Kern handelt es sich um rechtsverbindliche Verträge, in denen festgelegt wird, wie viel Geld fließt und wofür es verwendet wird – meist für gezielte Lobbyarbeit.

Drei zentrale Fakten zum NGO-Skandal

  1. Zwischen 2019 und 2023 wurden 17 Milliarden Euro an 37.000 NGOs und Lobbygruppen verteilt.
  2. Mindestens 7 Milliarden Euro davon flossen ohne ausreichende Kontrolle, teils zur direkten Beeinflussung politischer Prozesse.
  3. Die Inhalte der Verträge bleiben weitgehend geheim, die Transparenz ist mangelhaft – trotz gegenteiliger Beteuerungen der Kommission.

Die meisten Thinktanks, die sich mit Europapolitik beschäftigen, werden direkt oder indirekt von den Institutionen finanziert, die sie eigentlich kritisch begleiten sollten. Subventionen, Ausschreibungen und Programme wie „Horizon Europe“ sorgen für eine strukturelle Abhängigkeit. Die Glaubwürdigkeit der Empfänger leidet – doch in Brüssel scheint das niemanden zu stören. Im Gegenteil: Die Kommission instrumentalisiert NGOs als verlängerten Arm ihrer eigenen Politik.

Die deutsche Zeitung Die Welt enthüllte, dass NGOs im Gegenzug für Fördermittel gezielt Lobbyarbeit leisten mussten – etwa gegen Kohle, Pestizide oder das Mercosur-Abkommen. Die Kommission reagierte ausweichend, verweigerte zunächst jede Auskunft und versuchte, die Debatte zu verschleiern. Erst nach öffentlichem Druck gestand sie ein, dass es keine „geheimen Verträge“ gebe – doch die Realität sieht anders aus.

Die Einflussnahme der EU-NGOs beschränkt sich längst nicht mehr auf Brüssel. Auch in Deutschland wurde gezielt interveniert. Als der Bundestag 2020 den Kohleausstieg bis 2038 beschloss, war das der Kommission nicht ambitioniert genug. Interne Vereinbarungen mit der NGO „Client Earth“ belegen, dass gezielt gegen den deutschen Kohlekompromiss gearbeitet wurde – mit dem Ziel, nationale Politik im Sinne der Brüsseler Agenda zu beeinflussen.

Solche Praktiken sind nicht neu. Schon 2017 forderte der CDU-Abgeordnete Markus Pieper, NGOs, die gegen die strategischen Ziele der EU arbeiten, nicht mehr zu unterstützen. Doch die Kommission ignorierte die Warnungen – und baute das System weiter aus.

Kritik vom Rechnungshof

Der Europäische Rechnungshof hat im April einen kritischen Bericht vorgelegt. Zwischen 2021 und 2023 flossen 7 Milliarden Euro an 90 NGOs, die sich mit Umwelt, Migration oder Wissenschaft beschäftigen. Besonders auffällig: 30 NGOs erhielten mehr als 40 Prozent der Gesamtmittel. Die Prüfer warnen vor einem fragmentierten System, das Transparenz verhindert und die Kontrolle erschwert. Die Konzentration der Mittel auf wenige Organisationen widerspricht den politischen Zielen der EU – und untergräbt das Vertrauen der Bürger.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit hat die Kommission erste Maßnahmen ergriffen. Grüne NGOs dürfen keine EU-Mittel mehr für Lobbyarbeit bei EU-Institutionen verwenden. Auch im Gesundheitsbereich werden die Mittel für Lobbyarbeit eingeschränkt. Zwei prominente NGOs, ENSP und SFP, wurden aufgefordert, ihre Lobbyaktivitäten einzustellen. Doch der zuständige Kommissar Hoekstra hält an der paternalistischen Linie fest: Höhere Tabaksteuern, Verbote von Alternativen – und das Ignorieren erfolgreicher Modelle wie in Schweden, wo die Raucherquote dank liberaler Regelungen am niedrigsten in Europa ist.

Die Unterstützung für NGOs bröckelt. Linke Regierungen versuchen zwar, die Subventionen zu retten, doch die öffentliche Akzeptanz sinkt. Die European Public Health Alliance sucht bereits nach neuen Geldquellen, etwa bei der belgischen Regierung. Doch angesichts leerer Kassen ist fraglich, wie lange das System noch aufrechterhalten werden kann.

Grundsätzlich ist Lobbyarbeit Teil der demokratischen Debatte. Doch wenn der Staat Milliarden verteilt, werden NGOs zum verlängerten Arm der Politik – und verlieren ihre Unabhängigkeit. Das Vertrauen der Bürger schwindet. Unternehmen genießen heute mehr Vertrauen als NGOs. Die Brüsseler Bürokratie hat ein System geschaffen, das sich selbst legitimiert und kontrolliert – auf Kosten der Steuerzahler und der Demokratie.