Ist der US-Dollar derzeit eine starke Währung? Wenn man sich die Entwicklung der Wechselkurse zu den wichtigsten globalen Währungen ansieht, könnte man durchaus dieser Ansicht sein. Doch angesichts der allgemeinen Schwäche der Papierwährungen (wie auch die Inflationsraten weltweit zeigen) kann man schwerlich sagen, dass der US-Dollar stark wäre. Im Gegenteil. Rohstoffe und Edelmetalle sind stark. Das Hauptproblem der meisten Währungen derzeit ist, dass die Zentralbanken in den letzten Jahren die digitale "Druckerpresse" laufen ließen und Unsummen in die Finanzmärkte pumpten. Nun mit den Verwerfungen bei den Lieferketten durch die Corona-Lockdowns und die Sanktionen gegen Russland, wurde eine Reduktion des globalen Angebots an Rostoffen und Gütern losgetreten, während es nach wie vor eine große Nachfrage danach gibt. Die Geldschwemme an den Finanzmärkten der letzten Jahre (die unter anderem die Aktienkurse und Immobilienpreise in die Höhe trieben und die Schuldenfinanzierung der Staaten gewährleisteten) sorgt nun zudem für einen Geldstrom in die Rohstoffmärkte. Da nach wie vor viele Rohstoffe auf US-Dollar-Basis gehandelt werden, sorgt dies zumindest für eine gewisse Nachfrage nach der US-Währung - ebenso wie die Zinserhöhungen der Federal Reserve, die die Inflationsverluste im Vergleich zu jenen Währungen mit weiterhin sehr niedrigen Zinssätzen zumindest ein wenig reduzieren. Doch die USA haben eine negative Nettoauslandsposition von 18 Billionen Dollar aufgebaut, indem sie Vermögenswerte (hauptsächlich Aktien und Anleihen) an Ausländer verkaufen, um ihr chronisches Handelsdefizit zu decken. Solange sich amerikanische Tech-Aktien besser entwickelten als die übrigen Aktienmärkte der Welt, konnte Amerika von sprudelnden Kapitalzuflüssen profitieren. Doch da der technologielastige NASDAQ-Index seit seinem Höchststand Ende 2021 um ein Drittel gefallen ist, nimmt Amerikas Fähigkeit ab, Papier gegen Waren zu tauschen. Und Amerikas globale Position wurde durch strategische Missgeschicke, zuletzt in Afghanistan und der Ukraine, geschwächt. Alles in allem ist die aktuelle Stärke des US-Dollars nicht in fundamentalen Daten begründet, sondern liegt vielmehr am System der Finanzmärkte und der noch größeren Schwäche der anderen wichtigen Währungen - außer dem russischen Rubel. Dieser spielt zwar international kaum eine Rolle, doch durch die zunehmende Bindung von Rohstoffexporten an die russische Währung und die kaum existente Auslandsverschuldung kann man beim Rubel zumindest von einer relativen inneren Stärke sprechen, die auf realen Werten beruht.