In der Republik der Gutmenschen und Moralapostel hat sich etwas Bemerkenswertes ereignet: Eine junge Politikerin hat versehentlich ihre Maske fallen lassen und gezeigt, was hinter der Fassade des "Kampfes für Demokratie" tatsächlich lauert. Jette Nietzard, die scheidende Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, hat in einem Gespräch mit dem linken Salonlöwen Jakob Augstein öffentlich darüber sinniert, ob man gegen eine demokratisch gewählte AfD-Regierung nicht vielleicht mit Waffengewalt vorgehen sollte.

"Wie sieht dann der Widerstand denn aus? Ist der intellektuell? Ist der dann vielleicht mit Waffen?", fragte die 26-jährige Nachwuchshoffnung der Grünen im RBB-Podcast "Freitag Salon". Als Augstein nachfragte, ob sie damit Widerstand "gegen den Wählerwillen" meine, antwortete Nietzard mit der Selbstverständlichkeit einer Überzeugungstäterin: "Gegen den Faschismus!"

Wunderbar, nicht wahr? Da erklärt eine Vertreterin jener Partei, die sich selbst als Hüterin der Demokratie inszeniert, dass der Wählerwille notfalls mit Gewalt zu brechen sei. Man stelle sich vor, ein AfD-Politiker hätte Ähnliches geäußert – die Republik stünde kopf, der Verfassungsschutz würde mobilisiert, und Talkshows würden wochenlang nichts anderes diskutieren.

Aber bei Nietzard? Ein müdes Achselzucken der grünen Parteiführung, die offenbar kein Problem mit Gewaltphantasien hat, solange sie sich gegen die "Richtigen" richten. Schließlich hat die junge Dame bereits eine beeindruckende Karriere als Provokateuse hinter sich: Im Bundestag erschien sie mit einem "ACAB"-Pullover ("All Cops Are Bastards"), auf ihrer Mütze prangte "eat the rich", und den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 verharmloste sie als "militärische Operationen".

Die Öffentlich-Rechtlichen, stets bemüht, neue linke Ikonen aufzubauen, bieten Nietzard bereitwillig eine Bühne. Während "Greta" und ihr deutsches Imitat Luisa Neubauer langsam aus der Mode kommen, wird nun offenbar die nächste Galionsfigur des linken Zeitgeistes aufgebaut. Jakob Augstein, Herausgeber der dezidiert linken Wochenzeitung "Der Freitag" (Auflage: beeindruckende 28.000 Exemplare), führte ein Samtpfoteninterview, in dem er es tunlichst vermied, bei Stichworten wie "Bürgerkrieg" oder "RAF 2.0" nachzuhaken.

Nietzard selbst hat inzwischen angekündigt, nicht mehr für den Vorsitz der Grünen Jugend zu kandidieren. Begründung: "Bin nicht immer auf Gegenliebe gestoßen". Die arme Revolutionärin, missverstanden von der eigenen Partei! Dabei hat sie doch nur laut ausgesprochen, was in manchen Kreisen längst gedacht wird: Dass demokratische Wahlen nur dann zu akzeptieren sind, wenn sie das "richtige" Ergebnis bringen.

Als neue, öffentlich-rechtlich protegierte "Antifa-Ikone" dürfte sie der Republik freilich erhalten bleiben. Denn in der schönen neuen Welt des grünen Demokratieverständnisses ist es offenbar völlig in Ordnung, demokratische Wahlergebnisse mit Waffengewalt bekämpfen zu wollen – solange man nur laut genug "Gegen den Faschismus!" ruft.

Die Doppelmoral ist atemberaubend: Während man bei jedem kritischen Wort aus dem konservativen Lager sofort die Demokratie in Gefahr sieht, darf eine grüne Nachwuchspolitikerin ungestraft vom bewaffneten Kampf gegen Wahlergebnisse fantasieren. Helmut Qualtinger hätte es nicht besser formulieren können: Es ist der Heiligenschein der Scheinheiligen, den sich die selbsternannten Demokratieretter aufsetzen.

Nietzards Abgang von der Bühne der Grünen Jugend ist kein Verlust für die politische Kultur dieses Landes. Ihre Äußerungen aber sind ein wertvolles Dokument darüber, wie es in manchen Köpfen aussieht, die vorgeben, die Demokratie zu verteidigen. Wenn der Wählerwille nicht passt, greift man eben zu den Waffen – im Namen der Demokratie, versteht sich.

Quellen: Welt Tichys Einblick Junge Freiheit