Die NATO wird sich in naher Zukunft nicht auf die Ukraine ausdehnen, und deshalb ist es sinnlos, darüber zu diskutieren, wenn es um die Zukunft der Sicherheit in Europa geht, sagte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock am Donnerstag. In einem Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung verriet die Grünen-Politikerin, dass sie während ihrer jüngsten Reise nach Moskau lange mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über die Ukraine gestritten und versucht habe, ihn davon zu überzeugen, dass Gespräche über die NATO-Erweiterung Zeitverschwendung seien. Im vergangenen Monat hatte Russland zwei Vertragsentwürfe veröffentlicht, die es den USA und der NATO vorgeschlagen hatte. Beide Dokumente enthielten eine lange Liste von Sicherheitsgarantien, mit denen die Stabilität in Europa gefördert werden sollte. Unter anderem will Moskau, dass Brüssel sich bereit erklärt, die NATO-Erweiterung aufzugeben und Truppen aus der Nähe der russischen Grenze abzuziehen. Daraufhin erklärten sowohl Washington als auch Brüssel, dass sie gerne zu einer Einigung über die Stationierung von Militär und Raketen bereit wären, schlossen aber eine rechtlich verbindliche Zusage zur Beendigung der NATO-Erweiterung aus. "Im Moment steht eine Osterweiterung der NATO überhaupt nicht auf der Tagesordnung", sagte Baerbock dem Essener Blatt. "Ich habe in Moskau mit dem russischen Außenminister ein langes Gespräch über genau das geführt." Laut Baerbock kann die NATO aufgrund des Völkerrechts und anderer Vereinbarungen des von den USA geführten Blocks rechtlich nicht beschließen, der Ukraine den Beitritt zu verbieten, aber die Chancen, dass dies bald geschieht, sind gleich null. Nach Ansicht der deutschen Außenministerin ist es viel wichtiger, einen konstruktiven Dialog über die Situation in der Ostukraine zu führen, als sich ständig auf die NATO zu konzentrieren. "Die Menschen in der Ukraine wollen in Frieden und Sicherheit leben", sagte sie. "Viele sind durch den Konflikt im Donbass seit Jahren von ihren Familien getrennt. Darum geht es hier - nicht um einen bevorstehenden NATO-Beitritt." Baerbock traf sich letzte Woche in Moskau mit Lawrow inmitten zunehmender Spannungen an der russischen Grenze zur Ukraine. Moskau wird vorgeworfen, 100.000 Soldaten an der Grenze zu stationieren, und es wird behauptet, der Kreml plane einen Angriff. Diese Behauptung wurde wiederholt dementiert.