"Die Lage ist mehr als dramatisch"
Gerade ein CDU-Politiker warnt vor sozialen Unruhen durch die Energiekrise. Dabei gehört seine Partei zu den starken Unterstützern der Sanktionen gegen Russland, die diese Situation erst ausgelöst haben.
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Marco MaierRedaktion

Es ist bereits so weit: Heißes Wasser wird teilweise schon rationiert, um Energie zu sparen. Den Menschen, denen man noch vor wenigen Monaten auftrug, sich im Idealfall alle paar Minuten die Hände zu waschen, sollen dieses nun einsparen und "gegen Putin stinken". Auch das "social distancing" der letzten beiden Jahre ist Geschichte, da sich Dank des 9-Euro-Tickets die Züge überfüllen, weil man ja angeblich Sprit sparen soll um dem russischen Präsidenten die Kriegskasse nicht zu sehr zu füllen.
"Die Situation ist mehr als dramatisch", sagte Axel Gedaschko, ein Hamburger CDU-Politiker und Präsident des GdW, des Bundesverbands der deutschen Wohnungswirtschaft, der "Financial Times" denn der soziale Friede Deutschlands "ist in großer Gefahr". Es ist nicht nur das heiße Wasser, das rationiert wird. Zusätzlich zu kürzeren Duschzeiten fordern die Behörden die Stadtverwaltungen bundesweit auf, nachts die Ampeln auszuschalten, historische Gebäude nicht mehr zu beleuchten und Klimaanlagen zu schonen, um Strom zu sparen.
Es geht die Angst herum, dass Moskau tatsächlich den Gashahn zudreht und damit nicht nur die deutsche Wirtschaft kollabiert, sondern die Menschen im Winter frieren und leiden. Da die Spannungen wegen Russlands Krieg in der Ukraine eskalieren, befürchten die Behörden, dass sich die Situation noch verschlimmern könnte. Am Montag schaltet Russland seine Hauptpipeline nach Deutschland, Nord Stream 1, für 10 Tage zur planmäßigen Wartung ab. Viele in Berlin befürchten, dass sie nie wieder geöffnet wird - weil sie eigentlich genau wissen, dass ihre eigene kriecherische Politik gegenüber Washington und die äußerst feindselige Haltung gegen Moskau eine solche Eskalation der Lage überhaupt erst ermöglicht.
Andererseits ignorieren die Kanadier und die Europäer die Sanktionen, indem sie nun doch die gewartete Gasturbine aus Kanada nach Moskau senden, damit Nord Stream 1 wieder mehr Leistung bringen kann. Und nicht nur das: laut (in der EU leider unter Sanktionen stehenden) russischen Medien hat Moskau Erdgas umleiten lassen und schickt nun mehr über die Ukraine in den Westen. Zudem müssten die Europäer nur die Sanktionen gegen Nord Stream 2 aufheben und die Russen könnten dort das dringend benötigte Erdgas nach Deutschland leiten und mit einem erhöhten Angebot die Marktpreise deutlich senken. Doch das ist offensichtlich nicht gewollt. Brüssel, Berlin, London und Washington setzen offenbar auf die völlige Deindustrialisierung Europas, indem sie unzählige Unternehmen in den Konkurs schicken oder dazu veranlassen, die Produktion in Länder auszulagern, in denen Erdgas (und Energie allgemein) ausreichend vorhanden ist.
Wenn also Gedaschko vor sozialen Unruhen und dem Ende des sozialen Friedens in Deutschland warnt, müsste er auch die unselige Sanktionspolitik ansprechen, die von seiner Partei, der CDU, massivst unterstützt wird. Nicht umsonst ist sie (wie weite Teile der deutschen Politik insgesamt) von Transatlantikern durchsetzt.


