Die deutschen Städte und Gemeinden haben angesichts des massiven Zustroms ukrainischer Flüchtlinge ihre Unterbringungskapazitäten fast erreicht. Das erklärten die Chefs von rund zwei Dutzend Kommunen in Baden-Württemberg in einem offenen Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faeser, berichtet die "Süddeutsche Zeitung (SZ)" diese Woche. Die lokalen Behörden hätten alle Mittel ausgeschöpft, um den Neuankömmlingen zu helfen, heißt es in dem von 23 Gemeindevorstehern unterzeichneten Brief, in dem sie verzweifelt um Hilfe bitten. Die Bürgermeister erklärten, sie befänden sich in einer "äußerst prekären Situation" und hätten keinen Platz mehr, um die Menschen umzusiedeln. Die Kommunen stünden "mit dem Rücken zur Wand", heißt es in dem siebenseitigen Schreiben, welches der SZ vorliegt. Sie befänden sich "an einem gefährlichen Wendepunkt" und bäten die Bundesbehörden um Unterstützung. Die Zahl der in Deutschland lebenden ukrainischen Flüchtlinge habe Ende September die Millionengrenze überschritten, schreibt die SZ unter Berufung auf Daten des Innenministeriums. Die Regierung rechnet nun damit, dass diese Zahl im Laufe des Winters weiter ansteigen wird, je nachdem, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. Auch die Zahl der Migranten, die aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und der Türkei über die so genannte Balkanroute nach Deutschland kommen, steige an, warnen die Behörden. "Wir brauchen mehr Koordination zwischen Bund und Ländern bei der Verteilung der Schutzsuchenden", sagte Markus Lewe, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages und Bürgermeister der westdeutschen Stadt Münster, der SZ. Er forderte Bund und Länder auf, "wie versprochen" Hilfe zu leisten und "ihre Mittel an die hohe Zahl der Flüchtlinge anzupassen". Die Bundesregierung scheint jedoch nicht gewillt zu sein, den notleidenden Kommunen Hilfe anzubieten. So sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner, dass die Frage der Unterbringung von Flüchtlingen Ländersache sei, er verwies auf die "Kompetenzverteilung" zwischen Bund und Ländern. Innenministerin Faeser gab zu, ihr bereite die steigende Zahl der Flüchtlinge "Sorgen" und kündigte für den 11. Oktober eine Regierungssitzung zum Thema Flüchtlinge an. Laut SZ wollen die Bundesbehörden in diesem Jahr 2 Milliarden Euro (1,96 Milliarden Euro) für das Problem bereitstellen. Doch das werde kaum ausreichen, warnten die Behörden. "Die grenznahen Bundesländer werden den Zustrom von Flüchtlingen bald nur noch durch die Bereitstellung von Notunterkünften bewältigen können", sagte der sächsische Innenminister Armin Schuster.