Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke sollen bis April 2023 weiterlaufen. Das kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz am Montag in einer Erklärung an. Er werde das Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzministerium bitten, den Weg für eine Laufzeitverlängerung rechtlich freizumachen. Mit seinem Vorstoß, die Reaktoren Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland weiterlaufen zu lassen, setzte sich Scholz über die Entscheidung von Wirtschaftsminister Robert Habeck aus der vergangenen Woche hinweg, die es erlaubt hätte, zwei der Reaktoren bis April weiterlaufen zu lassen, während die Anlage im Emsland stillgelegt worden wäre. Finanzminister Christian Lindner lobte diesen Schritt, da er sich selbst dafür eingesetzt hatte, dass alle drei Anlagen bis 2024 in Betrieb bleiben. Ursprünglich sollten alle drei Reaktoren Ende 2022 abgeschaltet werden, aber angesichts eines möglichen Gasmangels für den Winter überdenkt Berlin seine Beziehung zur Kernenergie schnell. EU-weite Sanktionen haben Deutschlands Handelsbeziehungen zu Russland, seinem bisher größten Gaslieferanten, gekappt, und die Sabotage der Pipelines Nord Stream 1 und 2 im vergangenen Monat hat den Bruch nicht nur metaphorisch, sondern auch wörtlich genommen. Der daraus resultierende Preisanstieg hat Deutschland in die Rezession katapultiert, und der Winter droht den 50 % der deutschen Haushalte, die mit Erdgas geheizt werden, noch mehr Schmerzen zu bereiten. Fast 40 % der im letzten Monat befragten Haushalte gaben an, dass sie ihre Energierechnungen für den Winter nicht oder nur schwer bezahlen können. Obwohl die Regierung sich kürzlich bereit erklärt hat, die Gasrechnung für Dezember für alle Bürger zu bezahlen, warnte die Bundesnetzagentur, dass ein Versäumnis, den Verbrauch um mindestens 20 % zu senken, in diesem Winter fast eine Gasknappheit garantieren würde. Da der derzeitige Verbrauch 14,5 % über dem Normalwert liegt, hat die Bevölkerung noch einen weiten Weg vor sich. Nach der Fukushima-Katastrophe in Japan im Jahr 2011 hat Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Alle Atomkraftwerke des Landes sollten bis Ende des Jahres abgeschaltet werden, bevor die EU mit ihren weitreichenden Sanktionen die Energiesicherheit Deutschlands in Frage stellte. Obwohl die deutschen Gasspeicher am Montag zu 95 % gefüllt waren, hat der Netzbetreiber gewarnt, dass selbst dies nicht ausreichen könnte, um den Winter zu überstehen. Die Netzbetreiber hatten Berlin gedrängt, alle drei Kernkraftwerke über die kalten Monate am Laufen zu halten, um Engpässe zu vermeiden.