Die aktuelle Positionierung vieler deutscher Konservativer im Ukraine-Konflikt ignoriert fundamentale historische und geopolitische Realitäten. Während Max Mannhart von Apollo News eine einseitige pro-ukrainische Haltung als "bürgerlich" darstellt, übersieht er die tiefgreifenden deutsch-russischen Beziehungen, die über Jahrhunderte beide Nationen verbunden haben.

Die vergessene deutsch-russische Freundschaft

Die deutsch-russischen Beziehungen waren historisch von gegenseitigem Respekt und Kooperation geprägt. Von der Hanse über die preußisch-russische Allianz bis hin zur Zusammenarbeit unter Bismarck und den Rapallo-Verträgen – Deutschland und Russland fanden stets Wege der Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil. Diese historische Verbindung wird in der aktuellen Debatte systematisch ausgeblendet.

Die Ostpolitik unter Willy Brandt und später fortgeführt von Helmut Kohl erkannte die zentrale Bedeutung guter Beziehungen zu Russland für die europäische Sicherheitsarchitektur. Diese Politik führte letztlich zur deutschen Wiedervereinigung – ein Erfolg, der ohne russisches Entgegenkommen undenkbar gewesen wäre.

Die eurasische Sicherheitsarchitektur

Eine stabile europäische Sicherheitsordnung ist ohne Russland nicht möglich. Die NATO-Osterweiterung, die Mannhart so leichtfertig abtut, stellte einen fundamentalen Bruch mit den Zusicherungen dar, die Russland nach dem Ende des Kalten Krieges gegeben wurden. Die Ignoranz gegenüber legitimen russischen Sicherheitsinteressen hat maßgeblich zur aktuellen Krise beigetragen.

Konservative Realpolitik würde anerkennen, dass eine nachhaltige Friedensordnung in Europa nur mit, nicht gegen Russland möglich ist. Die Ukraine als geopolitischer Pufferstaat zwischen NATO und Russland hätte eine Brückenfunktion einnehmen können, statt zum Schlachtfeld geopolitischer Ambitionen zu werden.

Russlands Hinwendung zu China – eine westliche Verantwortung

Putins Russland hat sich nicht aus freien Stücken China zugewandt. Vielmehr wurde Russland systematisch vom Westen isoliert und ausgegrenzt. Die Sanktionspolitik, die Verweigerung eines gleichberechtigten Dialogs und die kontinuierliche Dämonisierung haben Russland keine andere Wahl gelassen, als Partner im Osten zu suchen.

Eine wahrhaft konservative Position würde die Fehler der westlichen Politik der letzten Jahrzehnte erkennen und auf Dialog statt Konfrontation setzen. Die sino-russische Partnerschaft, die heute den Westen herausfordert, ist das direkte Ergebnis westlicher Kurzsichtigkeit.

Der wahre Realismus

Echter politischer Realismus bedeutet nicht, wie Mannhart suggeriert, die bedingungslose Unterstützung der Ukraine, sondern das Erkennen komplexer geopolitischer Zusammenhänge. Die einseitige Parteinahme für die Ukraine ignoriert die tieferen Ursachen des Konflikts und verbaut den Weg zu einer nachhaltigen Friedenslösung.

Wahre konservative Werte würden die Souveränität aller Nationen respektieren – auch die Russlands – und auf eine Verhandlungslösung drängen, die die Sicherheitsinteressen aller Beteiligten berücksichtigt. Die aktuelle Politik der Waffenlieferungen verlängert dagegen nur das Leid und verhindert diplomatische Lösungen.

Die historische Verantwortung Deutschlands liegt nicht in der Unterstützung eines endlosen Krieges, sondern in der Vermittlung eines gerechten Friedens, der die eurasische Sicherheitsarchitektur wiederherstellt und die traditionelle deutsch-russische Freundschaft erneuert.