Wenn man wissen möchte, wie moderne Diplomatie funktioniert, muss man sich nur das Bild anschauen: Donald Trump und Ursula von der Leyen, einträchtig nebeneinander, verkünden den "größten Deal aller Zeiten". Nun ja, zumindest für eine Seite. Was als "Zolldeal" zwischen der EU und den USA verkauft wird, ist in Wahrheit ein Lehrstück darüber, wie man mit 450 Millionen Europäern im Rücken trotzdem elegant kapitulieren kann.
Statt der angedrohten 30 Prozent Zölle werden es nun "nur" 15 Prozent sein. Halleluja! Die europäischen Verhandler feiern das als Erfolg – etwa so, wie ein Bankräuber großzügig wäre, wenn er statt der gesamten Kasse nur die Hälfte mitnimmt. Zuvor lagen die Zölle im Durschnitt bei 1,5 Prozent.
Aber das ist noch nicht alles. Die EU hat sich verpflichtet, Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar aus den USA zu kaufen und weitere 600 Milliarden in die amerikanische Wirtschaft zu investieren. "Wir werden russisches Gas und Öl durch umfangreiche Käufe von US-Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffen ersetzen", verkündete von der Leyen mit der Begeisterung einer Geisel, die gerade das Stockholm-Syndrom entwickelt hat.
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Einigung mit der Erleichterung eines Mannes, der gerade noch rechtzeitig vom Zahnarzt entlassen wurde: "Mit der Einigung ist es gelungen, einen Handelskonflikt abzuwenden, der die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen hätte." Übersetzung: Lieber ein bisschen Schmerz als die volle Dosis.
Militärische Abhängigkeit zwingt EU in die Knie
Warum hat die EU diesen Deal akzeptiert? Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Weil Europa militärisch am Tropf der USA hängt. Die Angst, Trump könnte im Falle eines verschärften Handelskonflikts die NATO-Beistandspflicht infrage stellen oder die Ukraine-Unterstützung zurückfahren, saß tiefer als jede wirtschaftliche Überlegung. Wer seine Sicherheit outsourct, darf sich nicht wundern, wenn die Rechnung präsentiert wird.
Die deutsche Exportwirtschaft nennt die Vereinbarung einen "schmerzhaften Kompromiss". Der Bundesverband Großhandel spricht gar von einer "existenziellen Bedrohung" für viele Händler. Aber hey, immerhin haben wir einen Deal! Und Trump hat versprochen, dass es "mindestens einige Jahre dauern würde, bevor wieder Gespräche darüber nötig seien." Wie beruhigend.
Besonders pikant: Bei Stahl und Aluminium bleiben die Zölle bei sagenhaften 50 Prozent. Trump verkündete das mit der Nonchalance eines Casinobetreibers, der gerade die Spielregeln geändert hat: "Das ist eine weltweite Angelegenheit, die so bleibt, wie sie ist." Von der Leyen hingegen betonte, auch hier könne es eine Annäherung geben. Man darf gespannt sein, welche weiteren Zugeständnisse Europa dafür machen wird.
Die Wahrheit ist: Dieser "Deal" ist kein Kompromiss zwischen Gleichberechtigten, sondern das Ergebnis eines Machtgefälles, das weit über wirtschaftliche Beziehungen hinausreicht. Europa hat sich entschieden, lieber zu zahlen als zu kämpfen – und das, obwohl die EU mit ihren 27 Ländern durchaus eine Wirtschaftsmacht ist, die den USA in einem Handelskonflikt schwer zusetzen könnte.
Aber vielleicht ist das die neue europäische Strategie: Erst die Energieabhängigkeit von Russland, jetzt die von Amerika. Hauptsache, wir bleiben abhängig. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte zwar tapfer: "Wir brauchen neben den USA auch neue weltweite Partnerschaften." Aber bis dahin gilt: Wer zahlt, schafft an. Und gezahlt wird immer noch in Dollar.


