Ein satirischer Kommentar des Herausgebers, Andreas Keltscha

Es gibt diese magischen Momente, in denen plötzlich alles zusammenkommt: Der ehemalige deutsche Bundeskanzler, Gerhard Schröder, der in seiner Heimat mittlerweile als Putin-Versteher geächtet wird, und Ungarns Viktor Orbán, der Brüsseler Establishment-Albtraum in Person, treffen sich in Wien - dirigiert vom Weltwochechef, Roger Köppel - zum Gespräch. Was dabei herauskam, war mehr als nur ein Treffen zweier Politik-Veteranen – es war eine schonungslose Abrechnung mit der europäischen Selbsttäuschung.

Die große Friedensfarce


Während unsere selbsternannten Moralapostel in Brüssel und Berlin täglich neue Durchhalteparolen ausgeben und von der großen ukrainischen Gegenoffensive träumen (die übrigens ungefähr so erfolgreich ist wie die deutsche Energiewende), packte Gerhard Schröder aus: Im April 2022 lag tatsächlich ein gangbarer Friedensplan auf dem Tisch. Die Ukraine war bereit für einen neutralen Status, man diskutierte über Sicherheitsgarantien durch den UN-Sicherheitsrat plus Deutschland, und sogar für den Donbass gab es pragmatische Lösungsansätze.

Aber natürlich durfte das nicht sein. Wo kämen wir denn da hin, wenn plötzlich Diplomatie funktionieren würde? Da würden ja die ganzen schönen Schlagzeilen über den "Kampf Gut gegen Böse" nicht mehr funktionieren. Und was würden erst die Rüstungskonzerne sagen?

Das wirtschaftliche Harakiri


Besonders köstlich war Orbáns Analyse unserer energiepolitischen Geisterfahrt. Stellen Sie sich vor: Europäische Unternehmen zahlen das Vierfache für Gas und das Doppelte für Strom im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten. Das ist in etwa so, als würden Sie beim Bäcker freiwillig den vierfachen Preis für Ihr Brötchen zahlen, nur weil der Bäcker Ihnen nicht sympathisch ist.

Aber hey, Hauptsache wir haben es Putin gezeigt! Dass dabei unsere Industrie kollabiert? Geschenkt! In Brüssel feiert man sich währenddessen für die "gelungene Transformation" und plant schon die nächste Regulierungsrunde für E-Fuels in Rasenmähern.

Die kulturelle Bankrotterklärung


Der Höhepunkt der Veranstaltung war Orbáns Analyse des westlichen Unverständnisses gegenüber Russland. Während unsere EU-Granden in ihren klimatisierten Büros von europäischen Werten schwadronieren und sich gegenseitig für ihre Twitter-Solidarität beglückwünschen, wagt es der Ungar, das Offensichtliche auszusprechen: Wir verstehen die Russen nicht mal ansatzweise.

Im Westen träumt man von individueller Freiheit und Gender-Sternchen, während es in Russland um den Zusammenhalt eines Riesenreiches geht. Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, einen Formel-1-Rennwagen mit einer Bedienungsanleitung für einen Toaster zu reparieren.

Die große Führungskrise


Schröder, der alte Machiavellist, brachte es auf den Punkt: Europa hat ein Führungsproblem. Während früher noch Politiker wie Kohl, Mitterrand oder eben Schröder selbst den Mut hatten, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, haben wir heute eine politische Klasse, die sich mehr um ihre Twitter-Follower sorgt als um die Zukunft des Kontinents.

Orbán legte nach: Die traditionelle Links-Rechts-Struktur löst sich auf, aber statt einer neuen, starken Mitte bekommen wir nur ideologische Grabenkämpfe. Das ist ungefähr so, als würde man beim Untergang der Titanic noch über die Tischordnung beim Kapitänsdinner diskutieren.

Das große Finale


Den Gipfel der Ironie erreichte die Diskussion, als Orbán prophezeite, dass ausgerechnet Donald Trump den Ukraine-Konflikt lösen könnte. Ja, Sie haben richtig gehört: Der Mann, den unsere Qualitätsmedien als orangefarbenen Satan portraitieren, könnte der sein, der am Ende den Frieden bringt. Das ist in etwa so, als würde ausgerechnet Til Schweiger den Oscar für die beste Regie gewinnen.

Fazit


Was für eine Veranstaltung! Zwei Politiker im Rentenalter, die nichts mehr zu verlieren haben, sprechen einfach mal aus, was ist. Keine PR-geschliffenen Phrasen, keine moralischen Zeigefinger, keine Gendersternchen - einfach nur knallharte Realpolitik.

Natürlich haben unsere selbstgerechten Medienhäuser sie dafür zerrissen. Die üblichen Verdächtigen werden "Putin-Versteher!" und "Demokratiefeind!" kreischen. Aber manchmal ist die Wahrheit eben so unbequem wie ein Fahrradsattel nach einer 100-Kilometer-Tour.

Das Sahnehäubchen zum Schluss: Als Geschenk gab's vom brillianten Roger Köppel Ricola-Hustenbonbons. Damit die Stimme der Vernunft auch ja kräftig bleibt. In einer Zeit, in der Europa dabei ist, sich selbst abzuschaffen, können wir das gut gebrauchen, meinte Roger.

Ach ja, und bevor Sie jetzt empört zur Tastatur greifen: Ja, dieser Artikel ist polemisch. Aber seien wir ehrlich: Ist die aktuelle europäische Politik nicht eine einzige große Polemik gegen den gesunden Menschenverstand?

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