Es gibt Politiker, die gehen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Und dann gibt es Robert Habeck, der geht, weil er glaubt, dass Deutschland ihn zu sehr braucht, um ihn zu verdienen. Nach 20 Jahren in der Politik hat der grüne Messias seine Jünger verlassen – mit einem letzten Paukenschlag, der mehr über ihn verrät als alle seine Instagram-Videos zusammen.
Am 1. September 2025 ist Schluss. Der Mann, der einst als "beliebtester Politiker Deutschlands" galt, der Erklärbär der Nation, der Wirtschaftsminister, der Deutschland durch die Energiekrise führte (ohne dass jemand fror, wie er selbst nicht müde wird zu betonen), packt seine Sachen und zieht weiter. Nach Kopenhagen und Berkeley, wo er als Gastdozent die Welt erklären wird, die ihn nicht zum Kanzler machen wollte.
Der Grund für seinen Abgang? Ein Lachen. Genauer gesagt: sein eigenes Lachen im Bundestag, als Friedrich Merz, frisch gebackener Kanzler, seine Regierungserklärung hielt. "In Wahrheit war es auch ein Auslachen", gesteht Habeck in seinem Abschiedsvideo. Denn Merz habe "in weiten Teilen meine Wahlkampfrede wiederholt". Welch Ironie! Der CDU-Mann, der die Grünen im Wahlkampf noch als Hauptgegner ausgemacht hatte, spricht plötzlich von Investitionen, Arbeitsplätzen und neuen Schulden – alles Dinge, die Habeck schon immer wollte.
Aber anstatt sich über diese späte Bestätigung zu freuen, zieht der grüne Vordenker beleidigt von dannen. Er wolle nicht "wie ein Gespenst über die Flure laufen und sagen: Früher war ich mal Vizekanzler, erinnert ihr euch?" Nein, lieber geht er ganz, und zwar mit einem verbalen Rundumschlag gegen alle, die es gewagt haben, ihn zu kritisieren.
Der letzte Tanz des Beleidigten
In einem Interview mit der taz – natürlich der taz, wo sonst sollte ein grüner Ex-Minister sein politisches Testament hinterlassen? – teilt Habeck kräftig aus. Markus Söder, der ihn jahrelang als Feindbild stilisierte, bekommt sein Fett weg: "Dieses fetischhafte Wurstgefresse von Markus Söder ist ja keine Politik." Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sei eine "Fehlbesetzung", die "immer nur polarisiert, polemisiert und gespalten" habe.
Ausgerechnet Habeck, der sich stets als Brückenbauer inszenierte, als der Mann, der zuhören kann, der die Gesellschaft versöhnen will, verabschiedet sich mit Pöbeleien unter der Gürtellinie. Es ist, als würde der Dalai Lama zum Abschied allen den Mittelfinger zeigen.
Dabei war Habeck doch der große Hoffnungsträger der Grünen. Der Mann, der die Partei in die Mitte der Gesellschaft führen wollte, der von "Zuversicht" sprach, während um ihn herum die Welt in Flammen stand. Der Mann, der noch im Wahlkampf 2025 plakatierte: "Zuversicht" – als wäre das ein politisches Programm und nicht nur ein Gefühl.
Vom Kanzlertraum zur Ernüchterung
Seine politische Karriere liest sich wie ein griechisches Drama in vier Akten: Aufstieg, Krise, Hoffnung, Fall. Vom Umweltminister in Schleswig-Holstein zum Wirtschaftsminister und Vizekanzler der Republik. Vom Krisenmanager der Energiekrise zum gescheiterten Kanzlerkandidaten. Vom Popstar der Grünen zum beleidigten Abgänger.
Nach dem Ampel-Aus galt Habeck als letzte Hoffnung seiner Partei. Eine Alternative hatten die Grünen auch nicht. Er plakatierte im ganzen Land "Zuversicht", inszenierte sich als Kandidat für die Mitte, wollte unbedingt regieren. Auf den Bühnen der Grünen wurde er wie ein Popstar gefeiert. Neue Wähler jedoch gewann er nicht. Nach der Niederlage mit 11,6 Prozent resümierte er: "Das Angebot war top, die Nachfrage nicht so." Als hätte er Smartphones verkauft und nicht Politik gemacht.
Hinter der dünnen Fassade des versöhnenden Zuhörers steckte offenbar ein "enorm kurznerviges politisches Alphatier", wie Wolfgang Kubicki in einem Nachruf schreibt. Der Mann, der sich als Brückenbauer inszenierte, hat in Berlin "nichts – wirklich rein gar nichts – dafür geleistet, die Brücken über das eigene politische Lager hinaus zu schlagen", so der FDP-Politiker.
Der Messias ist beleidigt
Was bleibt von Robert Habeck? Die Erinnerung an einen Mann, der sich selbst für den Retter Deutschlands hielt und bitter enttäuscht war, als die Deutschen das anders sahen. Der in einem Interview allen Ernstes fragte: "Wenn die Grünen sich aus dem Zentrum verabschieden, wer gibt ihm noch Kraft zum Leben?" Als wäre die grüne Partei der Herzschrittmacher der Republik.
Seine Idee sei immer gewesen, die Grünen "mit einem progressiven Liberalismus in die gesellschaftliche Mitte" zu führen. Er habe immer dafür gekämpft, "Bündnisse, Lager, machtpolitische Konstellationen neu zu denken". Das sei aber gescheitert, und darum gehe er jetzt. "Herr Habeck, erbarme dich!", mögen seine Jünger rufen. Doch der Messias ist beleidigt und tritt ab.
Bei Markus Lanz offenbarte er dann unfreiwillig, was ihn am Regieren so richtig genervt hat: die Abgeordneten. Er wünsche sich eine Regierung als "verschworene Gemeinschaft", die sich nicht so sehr um das kümmert, was die Fraktionen wollen. Was Habeck hier als Idee entwickelt, ist die einer Regierung, die nicht mehr dem Parlament verantwortlich ist, sondern "durchregiert". Das würde er natürlich abstreiten, aber es ist die unausweichliche Konsequenz dessen, was er seine "Denkschule" nennt.
Vielleicht ist es gut, dass Robert Habeck geht. Vielleicht braucht Deutschland keine selbsternannten Retter, sondern Politiker, die verstehen, dass eine Republik keine "Experimentiermasse für eigene politische Regeln" ist, wie Kubicki schreibt.
Oder vielleicht kommt er ja wieder. Als Lichtgestalt, die sich erbarmt und abermals als Retter inszeniert. Denn eines hat Robert Habeck in seinen 20 Jahren Politik gelernt: Es geht nicht um Deutschland. Es geht um Robert Habeck.


