Am Donnerstag, dem 15. Mai, tagte in Sachsen der Corona-Untersuchungsausschuss, für den die AfD gemeinsam mit Mitgliedern des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gestimmt hatte. Dort sprach auch der während der Pandemie bekannt gewordene Virologe Dr. Christian Drosten, der eine zentrale Rolle bei der Rechtfertigung strenger Hygienemaßnahmen spielte. Zwar räumte er vor dem Ausschuss einige Fehleinschätzungen ein – an seinen gravierendsten Aussagen hält er jedoch weiterhin fest. Das berichtet die Journalistin Aya Velásquez, die der Anhörung beiwohnte.

„Von seiner früheren angriffslustigen Schärfe war wenig übrig geblieben“, resümiert die Investigativjournalistin in einem ausführlichen Substack-Bericht. Darin unterzog sie Drostens Aussagen einem eigenen Faktencheck. Das alternative Nachrichtenportal Multipolar griff diesen Bericht am Freitag auf und veröffentlichte eine Zusammenfassung.

Direkte Fragen an Drosten waren für Journalisten wie Velásquez nicht möglich – obwohl sie sich durch die Veröffentlichung der ungeschwärzten RKI-Protokolle zusammen mit dem Journalisten Bastian Barucker und dem Finanzwissenschaftler Prof. Stefan Homburg um die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen verdient gemacht hatte. Die Protokolle stammen von einem Whistleblower aus dem Robert Koch-Institut.

Dass kritische Fragen nicht zugelassen wurden, scheint kaum verwunderlich: Der sonst gegenüber den etablierten, eher regierungsnahen Medien gesprächsfreudige Virologe reagiert bekanntlich ungehalten, wenn Journalisten seine Aussagen kritisch hinterfragen. So soll er bereits auf Fragen der Journalistin Ruth Schneeberger ungehalten reagiert haben. Diese hatte bis Ende 2024 für die Berliner Zeitung zahlreiche kritische Artikel über Impfnebenwirkungen, Corona-Politik und die RKI-Enthüllungen verfasst.

Drosten verteidigt bis heute die strengen Maßnahmen des deutschen Hygiene-Regimes. Nur in zwei Punkten räumte er Fehler ein: bei der Unterstützung der allgemeinen sowie einrichtungsbezogenen Impfpflicht und bei seiner frühen Einschätzung eines massenhaften Sterbens im globalen Süden. Multipolar zitiert zusammenfassend Velásquez’ Analyse: Beide Positionen seien von Drosten im Nachhinein als Irrtümer erkannt worden.

Seine Unterstützung der Impfpflicht – trotz dokumentierter Nebenwirkungen und Verdachtsfällen mit Todesfolge – begründet Drosten damit, dass „man als Mediziner vorangehen müsse, sonst könne die Politik dies der Bevölkerung nicht überzeugend ‚verargumentieren‘“.

Die zweite zentrale Fehleinschätzung betraf die angeblich hohe Corona-Sterblichkeit in Afrika. Im März 2020 sagte Drosten gegenüber dem Stern: „Wir werden noch erleben, dass die Leute auf den Straßen in Afrika sterben.“ Im Mai desselben Jahres wurde das auf Heilkräutern basierende Anti-Covid-Getränk Artemesia aus Madagaskar als angeblich „wirkungslos“ diffamiert – ohne dass die WHO Anstrengungen unternahm, das Mittel unabhängig zu testen oder in Afrika verfügbar zu machen.

Der Auftritt Drostens vor dem Ausschuss – der im August erneut tagen soll – war laut Velásquez vor allem eine Wiederholung bereits bekannter Positionen. Gleichzeitig versuchte der Virologe, sich aus seiner Rolle als Politikberater herauszuziehen und bagatellisierte seinen Einfluss. Der sogenannte „deutsche Fauci“ distanzierte sich von zahlreichen früheren Aussagen – als wolle er vieles heute so nicht mehr gesagt haben.

Auch zum Thema Labortheorie, die er früh kategorisch ausgeschlossen hatte, äußerte sich Drosten kaum. Und das, obwohl bereits zu Beginn der Pandemie Hinweise des Bundesnachrichtendienstes auf eine mögliche Laborherkunft des Virus existierten. Die bulgarische Journalistin Dilyana Gaytandzhieva recherchierte dazu über Jahre hinweg – unter anderem in Georgien – und veröffentlichte zahlreiche Dokumente auf ihrem Portal Arms Watch. Bereits Ende April 2020 präsentierte sie dort Beweise für die Laborthese.

Velásquez, die auch zu US-Biolaboren und deren Verbindungen zu globalen Virenforschungsprojekten publizierte, attestiert Drosten ein „autoritäres Wissenschaftsverständnis“. Seiner Ansicht nach seien strenge Maßnahmen alternativlos gewesen – ein Narrativ, das er bis heute aufrechterhält, obwohl viele Menschen bis heute unter den Folgen dieser Politik leiden.

Ob die Untersuchungsausschüsse in Brandenburg, Thüringen und Sachsen tatsächlich für umfassende Aufklärung sorgen werden, bleibt fraglich. Konsequenzen für zentrale Akteure wie Drosten, die Ethikratsvorsitzende Alena Buyx oder einflussreiche Politiker und Journalisten sind bislang nicht absehbar. Im Gegenteil: Viele von ihnen wurden mit hohen staatlichen Auszeichnungen geehrt und gelten in großen Medienhäusern weiterhin als unantastbar.

Damit wirken die Ausschüsse wie eine Alibi-Veranstaltung. Während die Kritiker der Corona-Politik – häufig unabhängige Journalisten oder Wissenschaftler – bis heute Repressionen erleben, diskreditieren „Faktenfinder“ deren Enthüllungen und stellen deren Motive infrage. In vielen Fällen übernehmen sogar Nachrichtendienste eine fragwürdige Rolle – als verlängerter Arm einer staatlich sanktionierten Deutungshoheit.