BSI-Chef steht wegen angeblicher Russland-Verbindungen vor Abberufung
Der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. bezeichnete die Vorwürfe gegen Arne Schönbohm als "absurd".
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Contra24 RedaktionRedaktion

Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser beabsichtigt, den Leiter der nationalen Cybersicherheitsbehörde wegen angeblicher Kontakte zu russischen Geheimdienstagenten zu entlassen, berichteten deutsche Medien am Montag unter Berufung auf Regierungsquellen.
Schonbohm, der seit Februar 2016 Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist, könnte über den Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., dessen Mitbegründer Schönbohm ist, Kontakte zu russischen Geheimdiensten gehabt haben, berichten Bild-Zeitung und ZDF. Ein Vorwurf, den der Verein vehement bestreitet.
Dem ZDF zufolge gehört zu dieser Vereinigung auch das Berliner Unternehmen Protelion, das früher unter dem Namen Infotecs GmbH firmierte. Protelion soll eine Tochtergesellschaft des russischen Cybersicherheitsunternehmens OAOInfotecs sein, das nach Angaben der Forschungsgruppe Policy Network Analytics von einem ehemaligen Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB gegründet wurde.
Deutsche Beamte sagten, sie würden die Angelegenheit untersuchen. "Das Innenministerium nimmt die am Wochenende gemeldeten Vorfälle ernst und untersucht sie umfassend", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Nach Angaben von Bild wollen die deutschen Behörden schnell handeln.
Es werde eine schnelle Ablöse des Präsidenten geprüft, so das Innenministerium. Eine für Donnerstag geplante gemeinsame Pressekonferenz der beiden Beamten wird abgesagt. Laut ZDF ist es nach deutschem Recht jedoch nicht möglich, Schönbohm einfach zu entlassen. Daher erwägen die Behörden, ihm eine neue Aufgabe zuzuweisen, anstatt ihn ganz loszuwerden.
Unterdessen bezeichnete der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. die Vorwürfe der russischen Einmischung als "absurd" und argumentierte, dass die Protelion GmbH und ihre Vorgängerin erst 2020 dem Verband beigetreten seien und "es seitdem weder Gespräche noch gemeinsame Projekte mit Vertretern des Unternehmens gegeben hat."
Die Berichte über Schönbohms Beziehungen zu Russland kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen Moskau und Berlin aufgrund der Bemühungen Deutschlands, die Ukraine im laufenden Konflikt zu unterstützen, ins Trudeln geraten sind.
Deutschland hat Russland mehrfach vorgeworfen, seine digitale Infrastruktur ins Visier genommen zu haben, zuletzt im September 2021. Damals behauptete Berlin, Moskau habe vor der Bundestagswahl Cyberangriffe auf deutsche Politiker durchgeführt.
Russland hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, Cyberangriffe auf westliche Länder zu orchestrieren.


