Mitglieder wie Südafrika, Indien und Russland suchen verstärkt den Ausgleich mit den USA, während die Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen durch neue US-Zölle wächst. Die jüngste BRICS-Konferenz in Rio de Janeiro offenbarte, wie sehr geopolitische Realitäten und wirtschaftliche Interessen die einstige Einigkeit der Gruppe auf die Probe stellen.

Die BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – haben sich in den vergangenen Jahren als Gegengewicht zur westlichen Dominanz positioniert. Mit der Erweiterung um Ägypten, Äthiopien, Indonesien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate repräsentiert das Bündnis inzwischen fast die Hälfte der Weltbevölkerung und rund 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (kaufkraftbereinigt). Doch die wachsende Bedeutung bringt auch neue Herausforderungen mit sich: Die Interessen der Mitglieder driften auseinander, und die Bereitschaft, sich offen gegen die USA zu stellen, schwindet.

Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hat die Dynamik zusätzlich verändert. Mit der Androhung neuer Handelszölle und der Ausweisung südafrikanischer Diplomaten setzte Washington ein klares Zeichen. Die Folge: BRICS-Mitglieder wie Südafrika, Ägypten und Äthiopien rudern in ihrer Rhetorik zurück, um wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden. Selbst Russland und Indien suchen wieder verstärkt den Dialog mit den USA, um ihre eigenen Interessen zu wahren.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: BRICS sucht den Kurs

Die offizielle Linie der BRICS-Staaten bleibt: Man sei nicht anti-westlich, sondern verfolge lediglich eine multipolare Weltordnung. Doch die Realität sieht anders aus. Die Angst vor wirtschaftlichen Sanktionen und der Verlust von Handelsvorteilen zwingen viele Mitglieder zu einem Spagat zwischen Eigenständigkeit und Anpassung an die westlichen Märkte. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa betonte jüngst, sein Land sei „nicht anti-amerikanisch“ und setze weiterhin auf konstruktiven Dialog mit Washington. Ähnliche Töne kommen aus Ägypten und Äthiopien.

Gleichzeitig wächst der Druck auf die BRICS-Staaten, endlich konkrete wirtschaftliche Initiativen zu starten. Die New Development Bank (NDB) soll als Motor für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturprojekte dienen, doch bislang bleiben die großen Durchbrüche aus. Experten fordern, dass BRICS sich weniger auf geopolitische Rhetorik und mehr auf greifbare Ergebnisse konzentriert – etwa durch Investitionen in Bildung, Innovation und Armutsbekämpfung.

Indien wiederum verfolgt einen eigenen Kurs: Das Land gilt als unzuverlässiger Partner für Europa, hält sich aber bewusst neutral und pflegt enge Beziehungen zu den USA. Die indische Diaspora in den Vereinigten Staaten wächst rasant, und wirtschaftliche Verflechtungen mit dem Westen sind für Neu-Delhi von zentraler Bedeutung.

BRICS-Erweiterung: Neue Chancen, neue Konflikte

Mit der Aufnahme neuer Mitglieder wie Saudi-Arabien, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten wächst die geopolitische Bedeutung der BRICS-Gruppe weiter. Doch die Erweiterung bringt auch neue Konfliktlinien mit sich. Unterschiedliche politische Systeme, wirtschaftliche Interessen und außenpolitische Prioritäten erschweren eine einheitliche Strategie. Die Gefahr besteht, dass BRICS zu einer bloßen Diskussionsplattform verkommt, während die eigentlichen Herausforderungen ungelöst bleiben.

Die Zukunft der BRICS hängt davon ab, ob es der Gruppe gelingt, ihre wirtschaftliche Macht in konkrete Projekte und nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Nur so kann sie ihrem Anspruch auf eine multipolare Weltordnung gerecht werden. Andernfalls droht der Zusammenschluss, an seinen eigenen Widersprüchen zu scheitern.